Deutsch-dänisches Fahnen-Miteinander als farbenfrohe Tischdekoration im „Turmbräu“ in Freudenstadt Foto: Kuhnert

Wie weit reicht sie nun am Samstag, die Gastfreundschaft in Freudenstadt, wo sich das dänische Team fast schon wie zuhause fühlt? Kann man zwei Gegnern die Daumen drücken und macht das Sinn? Von Diplomatie und Wünschen vor dem großen Fußballtreffen.

Seit die dänische Fußball-Nationalmannschaft hier während der Europameisterschaft ihr „Team Base Camp“ aufgeschlagen hat, sind sich Freudenstadt und die dänischen Fußballer und Fans spürbar näher gekommen.

 

Am Samstag um 21 Uhr aber stehen sich die Nationalmannschaften beider Länder im ersten Spiel des Achtelfinales in Dortmund gegenüber. Nur einer kann gewinnen. Der Verlierer fliegt aus dem Turnier. Unsere Redaktion befragte hierzu Menschen in Freudenstadt und Baiersbronn.

„Schade“, entfährt es Harry Kläger, der sich als Spielvereinigungslegende und „Speckwirt“ mit verantwortlich fühlt für das „Hygge-Konzept“ zum Empfang und zur Unterhaltung der dänischen Gäste. Er empfindet „die Konstellation Deutschland gegen Dänemark net so ideal“.

Vom deutschen Sieg überzeugt

Natürlich wünsche er den dänischen Fußballern und der Stadt Freudenstadt einen möglichst langen Verbleib im Turnier und damit im Schwarzwald, andererseits wolle er auch seinen „Nationalpatriotismus raushängen“. Er wünscht der deutschen Mannschaft den Sieg, von dem er auch überzeugt ist. In diesem Fall allerdings müssten die dänischen Fußballer die Koffer packen.

Beim öffentlichen Training der dänischen Nationalmannschaft jubelten die Freudenstädter noch für die Dänen. Foto: Thomas Fritsch

Die Wochen mit den dänischen Sportlern, ihren Anhängern und Fans in Freudenstadt seien ausnahmslos angenehm und lustig, sie hätten sich begeistert von Freudenstadt und dem Schwarzwald gezeigt, das Public Viewing bei den Spielen mit dänischer Beteiligung gut genutzt, wenn auch nicht in ganz so starker Zahl wie erwartet. Vollauf zufrieden sei der dänische Greenkeeper mit den Platzverhältnissen im Freudenstädter Stadion und dem Drumherum. „Dazu gibt es dänische Journalistenbesuche – und Fragen ohne Ende.“

Zeit mit Dänen ist schön und herausfordernd

„Sehr harmonisch, sehr schön, wenn auch mitunter herausfordernd. Unsere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind immer wieder gefordert.“ So empfindet Steffen Schillinger, Chef des Hotels Fritz Lauterbad, die Zeit mit den Fußball-Gästen. Das Hotel beherbergt bekanntlich die dänische Nationalmannschaft und ist zur Dänen-Hochburg in Freudenstadt geworden. Schillinger ist weit davon entfernt, schon jetzt Bilanz zu ziehen und über den Besuch der Skandinavier in Vergangenheitsform zu sprechen.

Entsprechend schlitzohrig und diplomatisch fällt seine Antwort auf unsere Frage aus, für welche Mannschaft er am Samstagabend denn die Daumen drücken wird: „Ja! Ich drücke ihnen allen den Daumen und wünsche ein schönes Spiel.“

Tourismusdirektorin hofft auf Sommermärchen

„Mir blutet das Herz“, schluchzt Tourismusdirektorin Carolin Schölzl. „Nicht nur bei mir, bei vielen Freudenstädtern schlagen jetzt gewiss zwei Herzen in einer Brust. Die Dänen haben in Freudenstadt viele Herzen gewonnen. Wunderbar, so eine tolle Nation mit einfach sympathischen, gelassenen Menschen. Da sind sicherlich gute Kontakt zu Freudenstadt entstanden.“ Carolin Schölzl ist sich „am Ende tatsächlich nicht ganz sicher, wem ich am Samstag ...“ (das Ende des Satzes war nicht mehr so ganz verständlich). „Aber vielleicht gibt es ja doch noch ein Sommermärchen.“

Dänin fühlt sich beiden Seiten zugehörig

„Oh, das wird ein großer Mundvoll“ (ein dänischer Ausdruck für schwere Aufgaben), sagte die Dänin Jette Janke als sich am Dienstagabend herausstellte, dass Deutschland auf Dänemark trifft. Sie hatte gerade in der Münchner Arena das 0:0 der Dänen gegen Serbien live erlebt und wird das Spiel am Samstag mit Freunden vor dem Fernseher verfolgen. Mit einem deutsch-dänischen Vergleich hatte sie erst im späteren Turnierverlauf gerechnet. Jetzt freut sie sich auf eine spannende Begegnung.

Auch Puschel aus Freudenstadt kann sich nicht entscheiden: Deutschland oder Dänemark? Foto: Vanessa Lehmann

Jette Janke lebt seit gut zehn Jahren als Übersetzerin in Baiersbronn. Unsere Frage, welcher Mannschaft sie einen Sieg wünscht, empfindet sie als „schon gemein“. Sie kontert aber schlagfertig: „Ich bin glücklich, ich kann mich ja jeder Seite zugehörig fühlen.“ Und weltmännisch wünscht sie: „Der, der es verdient hat, soll gewinnen.“

„In diesem Turnier schlägt mein deutsches Herz“

Von einer Tagung in Stuttgart funkt Oberbürgermeister Julian Osswald auf unsere Frage: „Ich freue mich auf ein ganz besonderes Spiel. Natürlich wünsche ich den Dänen, dass sie im Turnier bleiben und weiter in Freudenstadt trainieren können. Aber in diesem Turnier schlägt mein deutsches Herz.“