Labinot Xhoxhaj verteidigt im Hallensportzentrum seinen EM-Titel. Ausrichter ist der Dinglinger Verein Kampfsport Lahr. Er plant ein großes Vorprogramm mit Nachwuchskämpfern.
Es sind nur noch rund zehn Tage bis zum Spektakel: Der EM-Fight der EBU von Labinot Xhoxhaj gegen seinen Herausforderer Pezhman Seifkhani im Lahrer Hallensportzentrum wirft seinen großen Schatten voraus. Bis zu 2000 Zuschauer werden erwartet, das ist für den Ausrichter, den Boxverein Kampfsport Lahr, eine große Herausforderung.
Für den Verein bedeutet der EM-Fight die Chance, an vergangene große Zeiten des Lahrer Boxsports allgemein und des Kampfsport Lahr im Besonderen anzuknüpfen. Entsprechend verweist Clubchef Sezer Ülker im Gespräch mit der Redaktion auf die Lahrer KSL-Boxnächte 2014 und 2015 in der Großmarkthalle. Damals waren Zuschauerzahlen im hohen dreistelligen üblich, Veranstalter war eben der Kampfsport Lahr, die Hauptrolle spielte der damals just zum Profiboxer aufgestiegene Ülker.
„Wenn wir unsere Kosten gedeckt bekommen, dann passt das“, sagt Ülker im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Kartenvorverkauf sei gut angelaufen, finanziert werde des Großevent außerdem durch Gönner und Sponsoren, auch die Stadt stehe „mit Rat und Tat zur Seite“.
Prominente Boxer haben sich angekündigt
Einige Prominente aus der Boxszene haben sich auch angekündigt, der Stuttgarter Boxer und ehemalige Weltmeister Firat Arsalan etwa. Oder Luan Krasniqi, der 2005 nur um Haaresbreite den ersten deutschen Schwergewichtsweltmeistertitel seit Max Schmeling verpasste. Auch die Medien haben sich angekündigt, das kosovarische Staatsfernsehen wird den Abend sogar live im TV übertragen und die Plattform DAZN wird einen Stream anbieten.
Logistisch wird es also eine Herausforderung für die Ehrenamtlichen des Vereins, aber nicht nur das, denn der Dinglinger Boxclub will das Rampenlicht auch für Eigenwerbung nutzen. Weil sich der 2004 von Ülker und Marco Gronert gegründete Verein vor allem auf die Nachwuchsarbeit konzentriert, ist ein großes Vorprogramm mit vielen Lahrer Nachwuchskämpfern geplant, um die eigenen Nachwuchskräfte einem größeren Publikum zu präsentieren.
Frauenboxen und Eigengewächse im Vorprogramm
Ülker möchte zudem weitere Boxvereine aus der Region einbinden und dabei auch das Frauenboxen gezielt berücksichtigen. So wird die U17-Vize-Europameisterin Amalia Müller vom Box-Club Riegel ebenso in den Ring steigen wie die Müllheimerin Helena Ricarda Heyne.
Auch ein langjähriges Eigengewächs soll nach einer beruflich bedingten Pause in den Ring zurückkehren: Der 23-jährige Nassym Vyrah, der seit seinem zehnten Lebensjahr für Kampfsport Lahr boxt, hat zwischenzeitlich eine Ausbildung zum Altenpfleger abgeschlossen. Für Ülker ist Vyrah ein Paradebeispiel dafür, dass in seinem Verein soziale Verantwortung nicht hinter dem sportlichen Erfolg zurückstehen muss.
Trainer Pepe Sanfilippo legt ein besonderes Augenmerk auf den elfjährigen Viktor Fedorov und den zwölfjährigen Roman Becker. Mit den beiden Jungen trainiert der Box-Coach aus Neuried nach eigenen Angaben „fast täglich“, und für Wettkämpfe ist er mit ihnen bereits „durch halb Deutschland“ gereist – den Aufwand nimmt der gebürtige Sizilianer bewusst auf sich: „Die sind voll dabei.“
Der Amateurbereich – insbesondere bei so jungen Boxern – unterliegt strengen Regularien. Sanfilippo verweist in diesem Zusammenhang auf die verpflichtende Gewichtskontrolle, die ärztliche Untersuchung sowie die vorgeschriebene Schutzausrüstung. Die Gegnersuche für die jungen Boxer vom Kampfsport Lahr gestaltet sich schwierig, gibt Ülker zu.
Das Prozedere bei den Amateuren sei für kleine Vereine nicht einfach zu stemmen: Die Veranstaltung werde offiziell ausgeschrieben, dann müsse man warten, bis sich andere Vereine meldeten. Alter und Gewichtsklasse müssten passen – und dann gibt es laut Sanfilippo noch einen anderen Grund: „Unsere Jungs sind einfach so stark, da wollen viele nicht ran.“ Starke Worte, aber letztlich soll für alle ein Gegner gefunden werden, gesprächsbereit seien viele, auch aus der Schweiz und aus Frankreich.
Einen Gegner hat bereits der 17-jährige Belkijan Kaleshiq – und der ist nicht ohne: Der ebenfalls 17-jährige Boxer Evgenij Sukhorukov kam vor drei Jahren aus der Ukraine nach Heilbronn und war bereits zweimal deutscher Meister. Er gilt als Hoffnungsträger des deutschen Boxsports – das wird für seinen Lahrer Kontrahenten, der als mehrfacher Landesmeister auch kein unbeschriebenes Blatt ist, garantiert nicht einfach, doch Ülker freut sich auf den Kampf: „Ein Hammerduell wird das“, glaubt er.
European Box Night
Tickets gibt es für 59 Euro (Tribüne) und 172 Euro (Premium) bei Eventim - auch über die Geschäftsstelle der Lahrer Zeitung - und Villa Italia in Ringsheim, die auch für das Catering am Kampfabend zuständig ist. Einlass ist ab 17 Uhr, Beginn ist um 17.30 Uhr.