Die Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka (links) und Yann Sommer kennen die Bundesliga aus dem Effeff Foto: IMAGO/Rene Schulz

Die Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka (links) und Yann Sommer kennen die Bundesliga aus dem Effeff. Die Schweizer verfügen über jede Menge Bundesliga-Erfahrung – und schlagen vor dem Prestigeduell mit Deutschland forsche Töne an.

Yann Sommer trifft auf seinen früheren Trainer, Granit Xhaka auf drei seiner Vereinskollegen, und für Xherdan Shaqiri kommt es zum Wiedersehen mit Manuel Neuer und Thomas Müller. Das Nachbarschaftsduell am Sonntag (21 Uhr/ARD) ist für die drei Schweizer – und nicht nur für sie – ein besonderes Spiel. „Wir kennen die Mannschaft gut, und ich kenne den Coach gut. Ich weiß, was für eine Qualität auf uns zukommen wird“, sagt Torhüter Sommer, der vor eineinhalb Jahren für kurze Zeit unter Julian Nagelsmann beim FC Bayern München gespielt hat und mittlerweile zwischen den Pfosten von Inter Mailand steht.

 

Auch wenn Sommer wie auch sonst keiner der Schweizer nach dem 1:1 am Mittwoch gegen Schottland die Glückwünsche zum Achtelfinal-Einzug annehmen wollte: Angesichts der Ausgangslage in Gruppe A bestehen nur noch in der Theorie Zweifel daran, dass die Eidgenossen dem deutschen Team in die K.-o.-Runde folgen werden. Zwar könnten die Schotten nach Punkten parallel am Sonntag in Stuttgart gegen Ungarn noch mit der Schweiz gleichziehen, doch diese hat aktuell eine um sechs Treffer bessere Tordifferenz und würde zudem aller Wahrscheinlichkeit nach auch als Gruppendritter weiterkommen. „Die Vorfreude ist groß, und die Mannschaft ist bereit. Klar wollen wir Erster werden“, sagt Verteidiger Ricardo Rodriguez, der früher beim VfL Wolfsburg spielte und mittlerweile beim FC Turin am Ball ist.

Nicht zuletzt steht wie immer beim Treffen der Nachbarn auch jede Menge Prestige auf dem Spiel. „Wir wollen die Deutschen natürlich ärgern, das ist völlig klar“, betont Shaqiri, der zwischen 2012 und 2015 für die Bayern auflief und mittlerweile in den USA bei Chicago Fire unter Vertrag steht. Nach seinem Traumtor gegen die Schotten ist Shaqiri der erste europäische Profi, der bei allen sechs großen Turnieren seit der WM 2014 ein Tor erzielte. Stolz sei er auf den Rekord, versichert „Shaq“.

Sommer erwartet „ganz anderes Spiel“

Mit dem 1,69 Meter kleinen Offensivmann ist nun auch am Sonntag in der Startelf zu rechnen, nachdem ihn Trainer Murat Yakin zum Auftakt gegen Ungarn (3:1) noch auf der Bank schmoren ließ. Einen „guten Härtetest“ sieht der frühere Bundesliga-Profi auf sein Team zukommen, womit er zweifelsohne recht hat. Gegen die für lange Zeit indisponierten Ungarn wurden die Schweizer nur phasenweise gefordert. Gegen verbesserte, aber limitierte Schotten konnten sie mit dem Remis gut leben und mussten nicht volles Risiko gehen. Sommer erwartet „ein ganz anderes Spiel“ als zuletzt, insbesondere mehr spielerische Elemente. „Das kommt uns auch entgegen“, ist der Ex-Torhüter von Borussia Mönchengladbach überzeugt.

Dass die Gastgeber gerade auf einer Euphoriewelle schwimmen, haben auch die Schweizer mitbekommen. Doch auch bei den Nachbarn ist die Anteilnahme an der EM fast vor der eigenen Haustüre groß. Zehntausende Fans waren am Mittwoch nach Köln gekommen und hatten zeitweise sogar die sangesfreudigen Schotten übertönt. Am Sonntag in Frankfurt werden sie es in der Beziehung noch schwerer haben.

Kapitän Xhaka will sich von der aufkeimenden Euphorie in der Heimat ohnehin nicht zu sehr beeinflussen lassen. „Wir wissen, wo wir stehen. Und wir wissen, wie viel wir arbeiten müssen, um einen Sieg zu holen“, sagt der Leverkusener. Xhaka weiß: Gegen Deutschland und seine Bayer-Kollegen Jonathan Tah, Robert Andrich und Florian Wirtz wartet viel Arbeit.