Auf den ersten Blick sieht der neue Rasen im Gazi-Stadion gut aus. Aber genügt er auch den Ansprüchen der Uefa? Foto: Preiß

Der Rollrasen im Stuttgarter Gazi-Stadion ist neu verlegt, ab Freitag kann wieder in Degerloch trainiert werden. Ungeachtet dessen ist die Schweizer Nati vor dem Duell mit Deutschland guter Dinge.

Der neue Rasen ist frisch verlegt, der alte bereits in riesigen Containern entsorgt. Am Donnerstagnachmittag stocherten Arbeiter mit großem Gerät letzte Unebenheiten zurecht, damit sollte es nun beendet sein, das Rasen-Gate auf der Waldau. Am Abend gab die Uefa grünes Licht und bestätigte die Bespielbarkeit des Rasens. Ab Freitag kann wieder trainiert werden.

 

Zu Beginn der Woche war die Schweizer Nationalmannschaft von ihrem Quartier für zwei Tage ins Schlienz-Stadion des VfB ausgewichen, nachdem sich die Platzqualität im Gazi-Stadion als ungenügend erwiesen hatte. In einer Hauruck-Aktion erfolgte unterdessen der Austausch des Geläufs in der Heimspielstätte der Stuttgarter Kickers.

Im Lager der Schweizer war dies am Donnerstag aber nur am Rande Thema. Erst um 2.30 Uhr am morgen waren sie nach dem 1:1 gegen Schottland in ihr Stuttgarter Quartier zurückgekehrt. Müde, aber aufgeräumt. „Der freie Tag hat uns gut getan, um die Köpfe ein wenig frei zu bekommen“, berichtete Mittelfeldspieler Dan Ndoye bei der nachmittäglichen Pressekonferenz. Wo der 23-Jährige auch noch anderweitig gefordert war. Im Spiel gegen die Schotten hatte Ndoye mit einem Fehlschuss einem hinter dem Tor postierten Fan der Nati die Brille vom Kopf geschossen und eine Platzwunde im Gesicht verursacht. Als er von einem Schweizer Journalisten darauf angesprochen wurde, fackelte der Profi vom FC Bologna nicht lange: Er versprach dem Fan Karten für ein Spiel der Schweizer in der Nations League.

Ndoye schießt Fan die Brille vom Kopf – als Entschuldigung gibt’s Freikarten

Aktuell dreht sich aber natürlich alles um die Europameisterschaft. „Ich denke, dass wir bei dem Turnier noch eine gute Rolle spielen können“, sagte Ndoye. Auch wenn das 1:1 gegen Schottland gewiss keine Glanzleistung war – am Schweizer Selbstverständnis als von vielen gehandelter Geheimfavorit hat sie nicht gerüttelt.

„Wir sind noch nicht ganz durch, aber nur einen kleinen Schritt davor“, beschrieb Trainer Murat Yakin die Tabellenkonstellation in der deutschen Gruppe A und versprach den Fans: „Wir werden uns definitiv qualifizieren.“

Schon ein Remis gegen die DFB-Auswahl am Sonntag (21 Uhr) in Frankfurt reicht zum Weiterkommen. Selbst bei einer Niederlage wäre Platz zwei nur in Gefahr, sollte Schottland gegen Ungarn in Stuttgart hoch gewinnen. Im schlimmsten Fall könnte immer noch Platz drei zum Weiterkommen reichen.

Doch große Rechenspiele wollen die Eidgenossen nicht anstellen. Sie möchten vor allem eines: Den großen Nachbarn ärgern. Aus Prestigegründen, klar. Außerdem sind viele Nationalspieler in der Bundesliga unterwegs, man kennt sich also. Da kann es kaum Schöneres geben, als dem Favoriten ein Bein zu stellen. „Wir gehen mit Selbstbewusstsein in das Spiel und freuen uns alle darauf“, sagte Xherdan Shaquiri. „Wir wollen die Deutschen natürlich ärgern, das ist klar.“

„Wir gehen mit Selbstbewusstsein in das Spiel“

Vieles wird davon abhängen, ob und inwieweit Shaquiris kongenialer Mittelfeldpartner Granit Xhaka wieder zur Entfaltung kommt. Gegen Schottland hatte der Leverkusener nicht viel zu melden. Sein Gegenspieler Scott Mc Tominay habe ihm nach 20 Minuten gesagt, „dass er die ganze Zeit bei mir bleiben wird“, berichtete der Schweizer. Das tat Mc Tominay schließlich auch und stand Xhaka bis zum Schlusspfiff auf den Füßen.

Nun ist von der deutschen Elf eine vergleichbare Herangehensweise eher nicht zu erwarten. „Deutschland ist ein guter Gegner, spielerisch sehr stark. Wir werden uns gut darauf vorbereiten und bereit sein, kündigte Torhüter Yann Sommer an.“ Und wenn nicht? Kann es zumindest nicht am schlechten Trainingsplatz gelegen haben.