Das deutsche Team hat durch das 2:0 gegen Ungarn das Achtelfinale der Heim-EM erreicht. Entscheidenden Anteil hatte Maximilian Mittelstädt vom VfB Stuttgart – der aber nun nicht mehr der einzige EM-Spieler des VfB ist.
Er hatte gerade den Rasen betreten, 150 Meter war er gelaufen nach seiner Einwechslung in der 84. Minute der Partie der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Ungarn. Aber: Von den Tribünen hallten Sprechchöre, die nicht dem ganzen Team galten – sondern einem einzelnen Spieler: „Deeeeeniz Undav“.
Der Stürmer, der beim VfB eine überragende Saison gespielt und sich durch seine Art in die Herzen der Stuttgarter gekickt hatte, feierte in diesem Moment also tatsächlich sein Debüt bei einer EM. Was deshalb so außergewöhnlich ist, weil er noch vor wenigen Jahren in der Dritten Liga gespielt hatte. Sein Aufstieg ist beeindruckend – wie bei so vielen Spielern des VfB Stuttgart.
Beim 2:0-Erfolg im zweiten Spiel der Gruppe A durfte auch Chris Führich seine ersten Turnierminuten sammeln. Auch er wurde vom ansonsten eher lauen Publikum gefeiert. Doch den größten Einfluss auf das deutsche Spiel hatte aus Stuttgarter Sicht mal wieder Maximilian Mittelstädt.
Der Linksverteidiger gehörte erwartungsgemäß wieder zur Startelf des Bundestrainers Julian Nagelsmann. Allerdings schien ihn sein Heimspiel-Einsatz im Stadion des VfB erst einmal nicht zu beflügeln. Mittelstädt wirkte ein wenig nervös zu Beginn der Partie – was sich aber änderte, nachdem er nach rund einer halben Stunde seine erste Flanke in den ungarischen Strafraum geschlagen hatte. Danach war der 27-Jährige drin in der Partie, und wurde von seinen Teamkollegen auch besser eingebunden. So, wie in der vorentscheidenden Szene in der 67. Minute.
Lob für die Hereingabe vom Bundestrainer
Von Toni Kroos gelangte der Ball zu Jamal Musiala, der passte nach links auf Mittelstädt. Der trat an – und bewies dann, dass er nicht nur gute Flanken schlagen kann und viel Durchsetzungsvermögen hat – sondern auch über eine richtig starke Übersicht verfügt. Der Ex-Berliner schlug den Ball nicht irgendwie nach innen. Sondern zentimetergenau auf den Fuß von Ilkay Gündogan, sodass der Kapitän des deutschen Teams völlig freistehend die Kugel einschieben konnte. „In super Ball von Maxi“, lobte Nagelsmann.
Eine Traumkombination – das eine traumhafte Zwischenbilanz zur Folge hat. Für das deutsche Team, aber auch für die VfB-Fraktion. Deutschland steht vorzeitig im Achtelfinale dieser Heim-EM, und schon drei Stuttgarter Profis kamen in den bisher zwei Partien der Deutschen gegen Schottland (5:1) und Ungarn (2:0) zum Einsatz. „Es war wie im Traum“, sagte passenderweise Maximilian Mittelstädt, „ich bin glücklich und stolz, hier in Stuttgart für die Nationalmannschaft gespielt zu haben. Wenn wir diese Leistung in den nächsten Wochen bestätigen, können wir Großes erreichen.“ Lediglich Waldemar Anton muss sich weiter gedulden.
Womöglich bietet sich ja aber schon am kommenden Sonntag (21 Uhr) für den Innenverteidiger eine Chance. Dann spielt das deutsche Team zum Abschluss der Gruppenphase gegen die Schweiz. Gespielt wird dann in Frankfurt, weshalb es unwahrscheinlich ist, dass es dann erneut Deniz-Undav-Rufe geben wird. Jene in Stuttgart hatten aber auch die Mitspieler des Angreifers mitbekommen.
„Ich glaube“, sagte Maxi Mittelstädt dazu, „die Stuttgarter wollten Deniz noch einmal ein richtig gutes Gefühl geben – damit er sich für uns entscheidet.“ Der Hintergrund: Dass der VfB den bisherigen Leihspieler von Brighton & Hove Albion fest verpflichtet, ist nach wie vor unsicher. Die Stuttgarter verfügen zwar über eine Kaufoption, die Engländer aber über eine festgeschriebene Möglichkeit, ihn Undav zurückzukaufen.
Das alles ist Zukunftsmusik. Zunächst soll der EM-Traum noch ein bisschen weitergehen. Auch für das VfB-Quartett.