Viele Eltern wollen ihre Kinder am liebsten bis zur Tür des Klassenzimmers bringen. Foto:  

Statt zu Fuß zum Unterricht zu gehen, setzen viele Eltern ihre Kinder lieber ins Auto. Die häufige Folge: Verkehrschaos zu den Stoßzeiten. Vier Lahrer Grundschulen berichten von ihren Erfahrungen.

Obwohl für die meisten Grundschüler der Schulweg gut zu Fuß machbar ist, werden sie oft von ihren Eltern gefahren. Das stellt die Lahrer Grundschulen vor Probleme. Unsere Redaktion hat sich erkundigt, wie die Grundschulen damit umgehen und welche Lösungsansätze es gibt.

 

Luisenschule: Schulleiterin Dagmar Hoefert kennt das Elterntaxi-Phänomen sehr gut. Seit 15 Jahren ist die Pädagogin schon an der Luisenschule tätig. „Ein schlimmes Thema“, findet sie. Zwar habe es das Problem früher schon gegeben, aber: „Es hat sich erhöht“, so Hoefert. Zu den Stoßzeiten etwa um 7.45 Uhr sorgten die vielen Autos für Verkehrschaos in der Straße „Neuwerkhof“. Die Schule hat auch eine Außenstelle im Industriehof 12 neben dem Friedrich-Maurer-Park. Besonders problematisch dort: Die Schule liegt am Ende einer Sackgasse, was zu „gefährlichen Wendemanövern“ führe.

Die Gründe der Eltern, ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu fahren, seien unterschiedlich. Die Bequemlichkeit, sein Kind nicht zu Fuß zu begleiten, oder auch Ängste um die Sicherheit gehörten dazu, erklärt Hoefert. Für die Schulleiterin nicht nachvollziehbar. „Das sind recht unrealistische Vorstellungen“, meint sie mit Blick auf die Sicherheit. Der unübersichtliche Verkehr gefährde ja gerade die Kinder.

Um dem Problem Herr zu werden, organisiert die Schule immer wieder „Zu-Fuß-geh-Aktionen“. Dass komme auch gut an – bei Schülern und Eltern. Die Appelle und Aktionen, auch vom Elternbeirat, zeigten aber nur kurzfristig Wirkung. Eine Besserung in näherer Zukunft sieht Hoefert nicht.

Grundschule Sulz: Ein ganz anderes Bild bietet sich hingegen im Lahrer Stadtteil Sulz. Elterntaxis sind dort kein Problem, erklärt Schulleiterin Iris Zeller unserer Redaktion. Der Großteil der 146 Schüler gelange zu Fuß oder auch mit einem Tretroller zum Unterricht. Wie kommt es, dass die Sulzer von dem Problem verschont bleiben? Zeller führt dies auf mehrere Gründe zurück. Die dörflichen Strukturen im Stadtteil seien ein Unterschied zum Stadtzentrum. „Wir thematisieren das auch mit den Eltern vor dem Schulbeginn“, erklärt Zeller.

Wie auch in der Luisenschule gab es zudem die „Zu-Fuß-geh-Aktion“, bei der die Schüler Stempel für den Fußweg bekamen. Neue Schüler sollen in den ersten Wochen zum Schulstart auch nicht alleine zur Schule laufen, erklärt Zeller. Daher sprächen sich die Eltern untereinander ab, bilden Gruppen, um die Kinder zu Fuß zu begleiten. Dieses „Schulwegplanen“ funktioniere sehr gut.

Grundschule Reichenbach: Auch wenn die Grundschule mit ihrer Außenstelle in Kuhbach ebenfalls nicht im Stadtzentrum liegt, rollen hier regelmäßig die Elterntaxis an. Die stellvertretende Schulleiterin Anika Bramer sieht durch die Autos auch eine Gefahr für die Schüler, die dort zu Fuß unterwegs sind. Sowohl in Reichenbach als auch in Kuhbach sei die Verkehrssituation schwierig. In Reichenbach gebe es nur einen Wendekreis, durch den alle Autos müssten. An der Außenstelle sei die Situation noch schwieriger. Denn dort liegt das Schulgebäude am Berghang und das Wenden der Fahrzeuge sei entsprechend schwierig.

Obwohl die allermeisten der insgesamt 200 Grundschüler in den jeweiligen Ortsteilen leben, werden viele von ihnen gefahren. „Für viele Eltern ist es selbstverständlich, ihre Kinder mit dem Auto zu fahren“, vermutet Bramer. Neben der angespannten Verkehrssituation gebe es aber noch einen weiteren Grund für die Schüler, zu Fuß zu kommen. „Sie bekommen beim Laufen auch den Kopf frei“, so die Pädagogin.

Geroldseckerschule: „Das ist schon ein Thema“, berichtet Schulleiterin Tanja Wegenast. Wie viele der 360 Schüler mit dem Auto statt zu Fuß kommen, könne sie nicht genau sagen. Aber: Schon wenige Autos auf einmal würden ausreichen, um die Verkehrssituation zu überlasten. Gerade in der Altfelixstraße sei es beengt. Teilweise würden Eltern sogar auf den Gehwegen parken. Beim anderen Schulgebäude in der Willy Brandt-Straße sei die Situation ein wenig besser, aufgrund der dortigen Parkplätze.

Die Schule appelliert an Eltern, auf das Auto zu verzichten, so Wegenast. Etwa bei Elternabenden oder Infoveranstaltungen. Und es gebe es auch Positives: Aktionen wie „Schulwegprofis“ bei der Klassen ausgezeichnet wurden, die besonders viel zu Fuß kommen, kamen gut an. Auch gibt es Laufgruppen, bei denen sich Eltern von Erst- und Zweitklässlern absprechen, um eine Gruppe von Schülern zu Fuß auf dem Schulweg zu begleiten.

„Bewegungspass“

Die Initiative „Spo-Spi-To (das steht für „Sporteln, Spielen und Toben“) hat es sich eigenen Angaben nach zum Ziel gesetzt, Kinder zu mehr Bewegung zu motivieren. Mit einem „Bewegungspass“ will die Initiative Schüler teilnehmender Grundschulen dazu bewegen, zu Fuß, mit dem Fahrrad, Tretroller oder dem ÖPNV zum Unterricht zu kommen. So soll auch die Zahl der Elterntaxis reduziert und die Verkehrssituation verbessert werden. Die Aktion gibt es bundesweit.