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Eltern pflegen Nie tüttelig wie mit einem Säugling sprechen

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Irene ist bereits zu schwach, als dass ein Risiko von ihr ausgehen könnte. Eva spricht mit ihrer Mutter wie Jahre zuvor mit ihren kleinen Söhnen: Aufmunternd, wenn der Körper nicht gehorchen will, fordernd, wenn sie das Trinken verweigert, verständnisvoll, wenn sie eine frische Windel benötigt. Aber nie tüttelig wie mit einem Säugling.

Die Betreuung ist für sie kein Rollentausch. „Die Pflege eines Elternteils ist aus meiner Sicht eine unter vielen anderen Lebensphasen­,­ die vor allem ein Akzeptieren und Respektieren der Person im jeweiligen Zustand bedeutet“, sagt sie.

„Das Konzept Kind beinhaltet häufig einen etwas harschen Umgang miteinander, mit Befehlsformen wie ‚Mund auf!‘“, beobachtet hingegen die Stuttgarter Psychologin und Familientherapeutin Silvia Grabowski-Pamlitschka. „Dabei ist die Mutter eine erwachsene Person. Ihr gebührt jene Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, die man guten Freunden und Fremden zukommen lässt.“ „Die Mutter wird nie wie das eigene Kind sein“, bestätigt Hartwig von Kutzschenbach, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes für Alte Menschen (SOFA) beim Landkreis Esslingen. „Sie ist auch noch die Mutter, wenn sie das betreuende Kind nicht mehr als ihres erkennt.“

Betreuung klappt nur, wenn keine Konflikte mehr in der Beziehung schwelen

Der Umgang mit Älteren ist so unterschiedlich wie die Verhältnisse in den Familien. Er hängt unter anderem ab vom Alter, ab dem Ältere Hilfe benötigen. Auch ob sie in der Nähe der Kinder leben und wie diese beruflich und sozial eingebunden sind, spielt eine Rolle. Nicht immer steckt Selbstlosigkeit hinter der Hilfe. Manche kümmern sich um die betagten Eltern, weil das Geld nicht reicht für eine professionelle Hilfe. Anderen kommt die Pflege im häuslichen Umfeld gelegen­, weil sie keine Lust mehr auf ihren angestammten Job haben. Eine wichtige Rolle spielt stets, wie die betagten Menschen selbst früher mit ihrem Nachwuchs umgegangen sind.

Fachleute jedenfalls sind sich einig, dass die Betreuung nur klappt, wenn keine Konflikte mehr in der Beziehung schwelen. „Kinder übernehmen nach und nach jene Verantwortung für die Eltern, die diese in früheren Jahren für sie selbst hatten“, erklärt der heilkundliche Psychotherapeut und Theologe Joachim Trautwein aus Kusterdingen. „Das bedeutet einen Rollenwechsel, der radikaler nicht sein kann.“ Damit diese totale Veränderung der Beziehungsstruktur gelingt, sei es notwendig, die alten Rollen und Strukturen befriedigend abzuschließen. Das wiederum erfordere ein Bewusstwerden und ehrliches Eingestehen der Gefühle.

So müssen die Kinder einsehen, dass sie ihren Eltern ihr Leben verdanken, verdeutlicht Trautwein: „Nur aus dieser Dankbarkeit heraus können sie – bei aller Wahrnehmung der Probleme, die ihre Eltern mit sich selbst und den Kindern haben und hatten –, frühere Enttäuschungen erkennen, diese aber dann nicht weiter konservieren.“ Auf Seiten der Eltern wiederum sei die Einsicht notwendig, dass sie ihren Wunsch nach Dankbarkeit („Ich habe alles für dich getan“) beim Kind nicht einfordern können. „Alte quälende Hoffnungen können nicht auf beiden Seiten die Situation bestimmen“, sagt Trautwein.

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