Elias Raatz posiert mit seinen zwei neuesten Werken, die Geschichten über das Alt werden erzählen und Poesie über Nerds dichten. Foto: Dichterwettstreit Deluxe/Raatz

Regelmäßig zeigt er sein Bühnen-Talent auf seinen Poetry-Slam-Veranstaltungen und bald wird er für Villingen-Schwenningens erste Talkshow auf der Bühne stehen und hat außerdem zwei neue Bücher im Gepäck: Der 25-jährige Elias Raatz hat als Kulturschaffender alle Hände voll zu tun. Doch was treibt ihn an?

1997 in Schwenningen auf die Welt gekommen, sei Elias Raatz eigentlich als „Ur-Schwabe“ geboren, doch aufgrund der Tatsache, dass er in Villingen auf das St. Ursula Gymnasium gegangen ist, habe man ihm recht schnell das „Badnerlied“ beigebracht, lacht Raatz. „Jetzt bin ich wohl ein Doppelstädter, wie er im Buche steht“, schmunzelt er.

 

Bereits früh entwickelte Raatz eine Leidenschaft für Texte und Lyrik, mit 14 schrieb er seinen ersten Poetry Slam.

Worum es in diesem ging, weiß Raatz nicht mehr so richtig, er ist sich aber sicher, dass er so einen heute nicht mehr vortragen wird. „Das war ein Text über die Gefühle des 14-jährigen Elias und diese entsprechen eben nicht mehr meinem heutigen Ich“, so der mittlerweile 25-Jährige. Poetry Slams sind Texte oder Gedichte, oft mit sozialkritischem, politischem oder auch humoristischem Hintergrund, die bei den „Slams“ – also Dichterwettbewerben, bei denen die Autoren gegeneinander antreten – vor Publikum vorgetragen werden.

Jeder Poetry Slam Abend ist anders

Immer noch beschäftigen ihn viele Themen, wie beispielsweise gesellschaftspolitische oder Themen sozialer Ungerechtigkeit, doch „ich lasse die mittlerweile anders raus“, sagt er.

Neben den Poetry Slams, die er eigenhändig organisiert, sei er zudem Medienwissenschaftler, Autor und Moderator. „Das ist eigentlich mein aktuelles Steckenpferd“, erzählt er. Bei seinen Poetry Slams hat er das Mikrofon in der Hand und wo er früher total nervös war vor Leuten aufzutreten, lässt er sich heute überraschen, den jeder „Slam“ und jedes Publikum sei anders.

In der Stadtbibliothek nahm seine Karriere ihren Lauf

Angefangen habe alles in der Stadtbibliothek in Schwenningen, dann gab es seine erste Veranstaltung im Theater am Turm in Villingen. Dann sei das eine zum anderen gekommen und er habe gemerkt: „Cool, das gefällt den Leuten ja irgendwie.“

Um seine Text-Leidenschaft zu Papier zu bringen, hat Raatz einen eigenen Verlag gegründet. Unter dem Label „Dichterwettstreit Deluxe“ erscheinen regelmäßig Text-Sammlungen, thematisch gebündelt. Hierfür durchstöbere er nächtelang die Welt des Poetry Slams im Internet, um Autoren für die Bände zu finden. Mindestens neun Monate bis ein Jahr brauche er dafür.

In seinen neuesten Bänden gehe es um das Alt werden – und um Nerds. Ob er sich mit seinen Büchern auch persönlich identifizieren kann? „Ich bin erst 25, um das Älter werden mache ich mir noch keine Sorgen“, schmunzelt er. Eher genieße er es, sich selbst „beim Wachsen zuzuschauen“.

Erste Talkshow im Oktober

Bis dahin stehe für Raatz auch noch viel an: Im September werde er für einen weiteren seiner Poetry Slams im Theater am Turm auf der Bühne stehen, im Oktober folgt dann mit seiner eigens kreierten Talkshow eine echte Premiere in der Doppelstadt. Wer die dortigen Talkshow-Gäste sein werden, wird aber noch nicht verraten, doch so viel vorneweg – „es wird reichlich Birnenschnaps genossen“, grinst Raatz.

Doch was plant das mutmaßliche Kultur-Multitalent als nächstes? „Erstmal so weitermachen wie bisher“, meint er. Zudem stehe noch seine Masterarbeit in Medienwissenschaften und Germanistik an. Dazu habe er seine Stelle als Dozent an der Uni Tübingen. Dann wolle er „mal weitergucken.“

„Es ist aber auch okay zu scheitern“, ist er sich sicher und bleibt für seine Zukunft optimistisch.

Poetry Slam am Samstag

Wer sich selbst ein Bild machen möchte von Elias Raatz und seinen Poetry Slams, hat am Samstag dazu die Möglichkeit: Am 9. September steht er erneut im Theater am Turm in Villingen auf der Bühne. Tickets gibt es für 15 Euro, ermäßigt zehn Euro, ab 19 Uhr an der Abendkasse, die Show beginnt um 19.30 Uhr. Mit dabei sind auch Marie Lemor aus Freiburg, Marina Sigl aus Stuttgart und Rainer Holl aus Leipzig.

Infos über die Bücher

Teil 1 heißt: An die Rollatoren, fertig los
14 Geschichten, Gedichte, Gedanken über Rentner, Omas und das Altwerden, herausgegeben von Anna Lisa Azur und Elias Raatz

Teil 2 heißt: Intelligenz ist keine Krankheit
16 Geschichten, Gedichte, Gedanken über Nerds, Gamer und Streberinnen, herausgegeben von Xenia Stein und Elias Raatz. Beide Bände sind für einen Preis von 12,95 Euro auf der Website www.dichterwettstreit-deluxe.de und überall wo es Bücher gibt erhältlich.