Nicht jeder kann behaupten, Post aus dem Bundespräsidialamt erhalten zu haben. Der elfjährige Linus Conzelmann aus Hausen am Tann schon. Grund: Er hat eine Geschichte über eine Männerfreundschaft im Ersten Weltkrieg geschrieben.
Hausen a. T. - Stolz zeigen Linus, seine Eltern Nicole und Markus Conzelmann sowie sein Bruder Simon (9) den Brief aus Berlin. In dem Schreiben des Bundespräsidialamts heißt es: "Es war toll zu lesen, wie Du die historischen Ereignisse aufgegriffen und aufgearbeitet hast. Die furchtbaren Geschehnisse des Ersten Weltkriegs lassen, wie letztlich jeder kriegerischer Akt, den Glauben an unseren europäischen Gedanken erneut erstarken und uns näher zusammenrücken. Mit den beiden Jungen deiner Geschichte hast Du das sehr schön veranschaulicht. Der Bundespräsident hatte große Freude beim Lesen deiner Geschichte und wünscht dir für deine weitere Zukunft alles Gute."
Mehr noch: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat eine von ihm unterschriebene Autogrammkarte beigelegt und hofft, "Dir damit eine kleine Freude zu bereiten."
Seine Geschichte handelt von zwei Freunden, Friedrich und Francois. Sie leben an der deutsch-französischen Grenze und stehen sich dann im Ersten Weltkrieg als Feinde gegenüber. Sie erkennen sich und tun sich nichts. Nach dem Krieg treffen sie sich wieder an einer Suppenküche, als Francois mit französischen Soldaten im Ruhrgebiet einmarschiert.
Bisher einzige Antwort
Sein Großvater war von der Geschichte so begeistert, dass er diese an mehrere Stellen geschickt hat, unter anderem ans Kultusministerium, an die Landeszentrale für politische Bildung – und eben ans Bundespräsidialamt. Von dort kam das bislang einzige Antwortschreiben, und das "innerhalb einer Woche", wundert sich Vater Markus Conzelmann. Er vermutet, dass der Ukraine-Krieg mit ein Auslöser für die Geschichte seines Sohnes ist: "Die Kinder und Jugendlichen beschäftigen sich ja mit diesem Thema. Die Geschichte ist vielleicht für Linus eine Chance, den Krieg zu verarbeiten." Zwei Wochen lang hat er an seiner Geschichte über die beiden Freunde geschrieben und diese auf seinem Handy eingetippt. Dann las er sie den Eltern und den Großeltern vor. Sie alle waren der Meinung, "dass diese es verdient hat, vorgezeigt zu werden". So hat er sie auch seiner Klassenlehrerin übergeben.
Interesse an Geschichte der Deutschen
Linus Conzelmann kommt nach den Ferien in die sechste Klasse der Realschule in Schömberg. Schon in der Grundschule, sagt er, habe er gerne Aufsätze geschrieben. Seit längerer Zeit interessiert er sich für Geschichte, so für die Römer und Ritter. Dann begann sich Linus mit den Preußen und der Geschichte der Deutschen zu beschäftigen, nicht von ungefähr: Sein Großvater Karl-Heinz Dommes, von Karl dem Großen angetan, hat sich mit seinem Enkel darüber unterhalten, so auch über die Frage "Wo kommen die Deutschen her"?Auch seine Eltern haben ihn dabei stets unterstützt und gefördert, Wissensbücher für ihn gekauft und mit ihm etwa die Terra X-Dokumentationen und die ZDF-Reihe "Die Deutschen" angeschaut mit Infos über Barbarossa, Heinrich, der Löwe, Friedrich II. oder über den Dreißigjährigen Krieg.
In Vereinen aktiv
Linus, der bei der DLRG aktiv ist, bei der TG Schömberg Fußball und im Hausener Musikverein Klarinette spielt, hat schon neue Ideen für weitere Storys. Er denkt dabei an das Leben von Matrosen im Zweiten Weltkrieg oder an die Geschichte eines preußischen Soldaten, der gegen Napoleon kämpft.
Bruder Simon verfasst ebenfalls eine Story
Er ist aber nicht der einzige "Schriftsteller" in der Familie. Sein Bruder Simon (9), hat ebenfalls eine eigene Fantasy-Geschichte verfasst. Sie trägt den Titel "Der Spiegel", spielt während eines Kriegs im Mittelalter und handelt von der Zeitreise einiger Kinder in die Vergangenheit.
Dass die beiden Jungen so gerne schreiben, liegt vielleicht auch daran, dass ihr Urgroßvater Journalist war – beim Schwarzwälder Boten in Oberndorf.