Die Produktion des EQC wird im nächsten Jahr eingestellt. Foto: Mercedes-Benz

Mit dem Geländewagen EQC startete Mercedes die Elektro-Offensive. Nun wird die Produktion eingestellt. Der EQC zeigt, wie schwer sich Daimler anfangs mit dem E-Auto tat.

Im Jahr 2016 hatte der damalige Daimler-Chef Dieter Zetsche gesagt: „Wir legen den Schalter um.“ Zwei Jahre später präsentierte er mit dem vollelektrischen Geländewagen EQC das erste Modell der neu geschaffenen Mercedes-Elektromarke EQ. Nun hat sein Nachfolger Ola Källenius den Aus-Knopf für dieses Modell gedrückt. Im Mai 2023 soll die Produktion auslaufen.

 

Mercedes hielt lange am Verbrenner fest

Händler bestätigten unserer Zeitung Informationen von „Business Insider“, wonach Vertriebspartner über die Sortimentsänderung informiert worden seien. Mercedes erklärte, man kommentiere Spekulationen über Baureihen und deren Planung nicht.

Der EQC, der dem lange angekündigten Einstieg in die vollelektrische Massenmobilität endlich Taten folgen lassen sollte, ist unfreiwillig zum Symbol dafür geraten, wie schwer sich Daimler anfangs mit der E-Technologie tat. Lange hielt man am Verbrenner fest und setzte darauf, die Bedeutung dieser Technologie durch einen Mix aus Verbesserungen, der Nutzung von Schlupflöchern und Lobbyarbeit zu retten.

Der EQC war trotz seines vollelektrischen Antriebs kein lupenreines E-Auto. Sein markantes Zeichen war der Kardantunnel zwischen den Sitzen, der bei der Verbrennervariante, dem GLC, für den Allradantrieb benötigt wurde und den man im EQC der Einfachheit halber beibehielt. So wirkte der EQC eher wie eine umgemodelte Variante des GLC, dessen Benzinerversion gegenüber dem 650 Kilo schwereren E-Geländewagen geradezu ein Leichtgewicht ist.

Anfang 2020 prognostizierte Vertriebschefin Britta Seeger im Gespräch mit unserer Zeitung ein Produktionsvolumen von 50 000 Fahrzeugen – doch schnell zeigte sich, dass der Markt nur einen Bruchteil dessen aufnahm, was die Fabriken hergaben. Ein Jahr später folgte der nächste Rückschlag – der Schritt auf den US-Markt wurde abgesagt.

Die Batterie wiegt 650 Kilogramm

Doch obwohl der EQC mit seinen 2,5 Tonnen Gewicht und seiner 650 Kilo schweren Batterie nicht gerade das umweltfreundlichste Elektrofahrzeug ist, erfüllte es für den Konzern und seine Klimabilanz anfangs eine wichtige Funktion. Es konkurriert intern mit dem Geländewagen GLC, dessen CO2-Ausstoß von bis zu 167 Gramm pro Kilometer weit über dem liegt, was die Mercedes-Flotte im Durchschnitt ausstoßen darf. Jeder GLC, der durch das Elektromodell EQC ersetzt wird, zahlt somit satt auf die CO2-Bilanz ein. Denn gemäß der EU-Regulierung gilt auch ein schwergewichtiges E-Auto als emissionsfrei, ungeachtet der Herkunft des Stroms. Je größer das E-Auto und der Verbrenner, den es ersetzt, desto besser sieht in dieser Logik die CO2-Flottenbilanz seines Herstellers aus.

Zahl der ausgelieferten E-Fahrzeuge stieg um 90 Prozent

Fast zeitgleich mit dem Verkaufsstart des EQC im Jahr 2019 übernahm Ola Källenius das Steuer bei Daimler und führte das Unternehmen auf einen radikalen E-Kurs. Auf „electric first“ folgte „electric only“, der Konzern setzt nun auf eigens für E-Autos entwickelte Plattformen.

Angesichts des wachsenden Anteils der Elektroautos sind auch die CO2-Vorgaben der EU für den Konzern kein Thema mehr. Im zweiten Quartal dieses Jahres stieg die Zahl der ausgelieferten E-Fahrzeuge um 90 Prozent, obwohl sich die Verkaufszahlen insgesamt um 16 Prozent reduziert haben.

Gleichzeitig hält sich das Unternehmen alle Optionen offen, sollten die Weltmärkte die Euphorie doch nicht mittragen. Anders als Volkswagen kann Mercedes in seinen Werken sowohl Elektro- als auch Verbrennervarianten der jeweiligen Modelle bauen.