500 Menschen haben sich am Freitag zum Abendgebet vor Sankt Bernhardus versammelt. Foto: privat/oh

Ohne Rücksprache hat das Erzbistum in Freiburg den Baden-Badener Pfarrer abberufen. Die Gläubigen wollen das nicht akzeptieren und kündigen an: Der Protest geht weiter, bis der Erzbischof einlenkt!

Die Proteste gegen die vom Freiburger Erzbistum verfügte Ablösung des katholischen Pfarrers von Baden-Baden, Matthias Koffler, reißen nicht ab. Am Freitag versammelten sich 500 Gläubige zu einem Abendgebet vor der Kirche Sankt Bernhardus. Auch bei einem ökumenischen Gottesdienst am Sonntag stand die Solidarität mit dem beliebten Pfarrer im Mittelpunkt. Auch bei dieser Veranstaltung blieb man demonstrativ vor der Kirche. „Drinnen riecht es uns zu sehr nach Amtskirche“, sagte die ehemalige Pfarrgemeinderätin Karin Ziegler. Sie war wie neun weitere Pfarrgemeinderäte aus Protest zurückgetreten.

 

Das Erzbistum hatte vor anderthalb Wochen ohne vorherige Rücksprache die überraschende Versetzung des beliebten Pfarrers verfügt. Auslöser war offenbar Kofflers Fasnachtspredigt. Darin hatte der Geistliche, der als unkonventionell gilt und sich privat gerne ein wenig hippiehafter kleidet, unter anderem darüber gereimt, dass eine Frau sich beim Ordinariat darüber beschwert habe, er würde in die Sauna gehen und in kurzen Hosen durch die Stadt joggen. Obwohl Koffler den Namen der Kritikerin nicht nannte, fühlte sich die Frau offenbar bloßgestellt und beschwerte sich erneut in Freiburg, wo daraufhin gehandelt wurde. Der Pfarrgemeinderat wurde nicht informiert.

Protestwelle: Onlinepetition für Pfarrer Koffler gestartet

Doch nun schwimmen der machtverwöhnten Erzdiözese offenbar alle Felle davon. An der Basis will man das als willkürlich empfundene Vorgehen nicht akzeptieren. So wurde im Netz bereits eine Onlinepetition gestartet, die bis zum Montagmittag fast 2500 Menschen unterzeichnet hatten. Die Entscheidung des Ordinariats „wegen einer Nichtigkeit“ sei „völlig inakzeptabel“, heißt es dort.

„Wir haben alle einen sehr langen Atem. Wir lassen uns so nicht übergehen“, sagte Ziegler. Pfarrer Koffler habe sich nichts zuschulden kommen lassen, deshalb müsse die Versetzung rückgängig gemacht werden. „Wenn der Erzbischof Größe hätte, könnte er das auch tun“, sagte Ziegler. Bis es soweit sei, werde man weiter die Abendgebete veranstalten.

"Schock und Unsicherheit: Osterfest in Gefahr?"

Beim Sonntagsgottesdienst unterstrichen Redner aus allen sieben Gemeinden der Baden-Badener Seelsorgeeinheit, dass sie nichts anderes als ein Einlenken des Ordinariats erwarteten. „Die Menschen sind alle sehr schockiert“, sagte Ziegler. Es sei völlig unklar, wie unter diesen Umständen das Osterfest und die ebenfalls bevorstehende Erstkommunion gefeiert werden könne. „Die Kinder sitzen zu Hause und weinen.“ Die erste Familie habe sich schon abgemeldet.

Sie sei schon seit mehr als 20 Jahren in der Kirchengemeinde aktiv. Dennoch könne sie es sich momentan nicht vorstellen, mit einem vom Ordinariat bestimmten Nachfolger zusammenzuarbeiten. „So geht es allen Ehrenamtlichen. Das lässt sich hier nicht so einfach unter den Teppich kehren, wie sich das das Ordinariat vielleicht vorstellt.“

Von dort gab es keine neuerliche Stellungnahme. Im Laufe der Woche werde der Generalvikar Christoph Neubrand und der für Personalangelegenheiten zuständige Domkapitular Michael Hauser zu einem Gespräch nach Baden-Baden kommen. Außerdem werde Pfarrer Koffler von Erzbischof Stephan Burger zu einer Unterredung erwartet. Der Pfarrer selbst darf sich gegenüber der Presse gegenwärtig nicht äußern.