Laut Erzdiözese Freiburg wird der Vorfall in Gesprächen „aufgearbeitet“ – das Ergebnis steht noch aus. Pater Norbert hat sich entschuldigt.
Was ist passiert? Der Eklat hatte sich während des Gottesdienstes am ersten Advent in der katholischen Kirche St. Leodegar in Schliengen ereignet, zwischen Pater und Organist. Es ging um den Ablauf der Messe, den der Pater durch das zu frühe Einsetzen des Orgelspiels gestört sah.
„Ich wollte den Adventskranz segnen“, erläutert Pater Norbert Riebartsch auf Nachfrage unserer Zeitung und verweist auf den Liturgie-Plan. Zunächst habe er mit Zeichen versucht, den Organisten zum Stoppen zu bewegen, worauf dieser aber nicht reagiert habe. Deshalb habe er laut gerufen „einen Moment Pause“. Er sei dabei „sehr laut gewesen“, räumt der Pater ein, wobei er ergänzt: „Ich stand ohne Mikro in Höhe des Taufbeckens und musste die Distanz zur Orgel überbrücken.“
Der Organist Berthold Brenneis hatte sich offenbar so sehr über die Lautstärke und den Ton geärgert, dass er die Kirche verließ. Die beiden Kantorinnen taten es ihm gleich. Auch die Lektorin zog sich zurück. Außerdem verließen viele Besucher den Gottesdienst.
Pater Norbert schätzt, dass es „um die 20 Gottesdienstbesucher“ waren.
Entschuldigungsschreiben
Dass er mit seinem Verhalten einen solchen Eklat verursacht habe, bedaure er sehr, macht Riebartsch in einem Entschuldigungsschreiben deutlich, das seit diesem Wochenende in der Schliengener Kirche ausliegt. Das Schreiben hat er auch zu Beginn der Heiligen Messe am Sonntag in der Bad Bellinger Kirche vorgelesen, die unter der Leitung seines Vorgesetzten, Pfarrer Lukas Wehrle, stattfand.
„Vor den Kopf gestoßen“
Der Pater räumt darin ein, dass sein Verhalten „viele irritiert und vor den Kopf gestoßen hat“. Für den Vorfall wolle er sich „in aller Form und von ganzem Herzen entschuldigen“. Viele Menschen hätten ihm deutlich gemacht, „wie mein Versuch, das Lied zu unterbrechen, auf sie gewirkt hat“. Mancher Gottesdienstbesucher hätte sich eine Entschuldigung schon am Ende des Gottesdienstes gewünscht, so der Pater. Darüber habe er auch selbst während der Messe nachgedacht – „aber es wäre ein spontanes Wort gewesen mit der Gefahr, dass die Formulierung falsch ist“, erklärt er, warum er schließlich davon absah.
„Vertrauen verloren“
Er wisse, dass er an diesem Adventssonntag „Vertrauen verloren habe und sich Menschen verletzt fühlen“ – was ihm sehr leid tue. Auch sei er sich bewusst, dass es mit dieser Entschuldigung nicht getan sei und es wohl noch verschiedene Gespräche brauche, zu denen er „gerne bereit“ sei.
Organist Berthold Brenneis wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht äußern und verwies auf Gespräche, die zunächst stattfinden sollen.
Gespräche mit Betroffenen
Darauf verweist auch die Pressestelle der Erzdiözese Freiburg in ihrer Stellungnahme zum „verbalen Vorfall durch den Zelebranten, Pater Norbert, während des Gottesdienstes am ersten Advent“. Auf Nachfrage unserer Zeitung teilt die Erzdiözese mit, dass der ab Januar zuständige Pfarrer und Dienstvorgesetzte von Pater Norbert, Geistlicher Rat Lukas Wehrle, das Gespräch mit dem Pater gesucht habe. Wehrle werde den Vorfall mit Gremien in der Gemeinde und den Betroffenen aufarbeiten, heißt es weiter. Das Ergebnis dieser Gespräche wolle man abwarten. „Selbstverständlich wird im Anschluss auch das Ordinariat mit dem Ordensgeistlichen und der Ordensleitung ins Gespräch gehen“, heißt es abschließend von Seiten der Erzdiözese.
Pater wartet ab
„Ich bin in Abwarte-Stellung“, beschreibt Pater Norbert, der seit vier Jahren als Kooperator in der Seelsorgeeinheit tätig ist, seine aktuelle Situation. Die folgenden Gespräche mit den Betroffenen, bei denen er nicht dabei sein werde, sollen zeigen, „welche Wünsche da sind“, meint er. Er wolle dann entsprechend reagieren. Wichtig sei, zu eruieren, „was die Gemeinde im Moment braucht“ und wie es weitergehen soll, macht er deutlich.
Auf sein Entschuldigungsschreiben habe er bislang keine Reaktionen erhalten, sagt Pater Norbert im Gespräch mit unserer Zeitung.
Kein Einzelfall?
Der Vorfall zum 1. Advent hat die Wellen in der Kirchengemeinde hochschlagen lassen. Wobei es hinter den Kulissen schon länger brodeln soll. „Das war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, sagt Jonas Büchin, der in der Kirchengemeinde für die Betreuung der Ministranten mit zuständig ist. Er betont, dass er selbst nicht in besagter Messe gewesen sei – er habe im Nachgang aber viele Gespräche mit Betroffenen geführt. Büchin berichtet unserer Zeitung unter anderem von den beiden Ministrantinnen, die im Advents-Gottesdienst in Tränen ausgebrochen und „völlig fertig und mit der Situation überfordert“ gewesen seien.
Der Vorfall in der Messe sei leider kein Einzelfall, sagt er. Auch in der Vergangenheit habe es bereits manche unschöne Situation und gewisse zwischenmenschliche Differenzen gegeben, berichtet Büchin. Er hofft, dass die anstehenden Gespräche zu einer guten Lösung führen und alle wieder miteinander versöhnen können.