Eine kleine radikale Minderheit in Rom und in Deutschland verhindert, dass die katholische Kirche endlich weiterkommt. Dabei geht es für die Kirche längst nicht mehr nur um Austritte, glaubt unser Autor Eberhard Wein.
Ein Nazivergleich – drunter geht es nicht. Pünktlich zum Ausklang der Herbsttagung hat der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch eine Breitseite gegen die ohnehin schwierigen Reformbemühungen in Deutschlands katholischer Kirche abgefeuert. Der Synodale Weg erinnere ihn an die „Deutschen Christen“ in der Nazizeit.
Koch gehört einer ebenso radikalen wie einflussreichen Minderheit an. Diese Ewiggestrigen sehen die Chance gekommen, die stockenden Reformbemühungen in Deutschland ein für allemal zu beenden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing kann einem bei solchen Querschüssen aus Rom leidtun. Frauengleichberechtigung, Sexualmoral, Synodalität – geduldig beschäftigt sich seine Kirche mit den immer gleichen Fragen und kommt wegen einer kleinen Minderheit auch innerhalb der Bischofskonferenz, die fern aller Lebensrealitäten in ihren Bischofsburgen sitzt, nicht weiter. Immer weniger Gläubige – und noch weniger Engagierte – werden sich das antun. Für die Kirche geht es längst nicht mehr nur um Mitglieder, sondern auch um den Status, als gesellschaftliche Kraft überhaupt noch ernst genommen zu werden.