Verstopfte Klos, beschmierte Fliesen, zerstörte Kabinen: An den Balinger Schulen gibt es immer wieder Vandalismus in den Toiletten. Wie gehen die Rektoren gegen diese Zerstörungswut vor?
„Kann ich aufs Klo?“ Auf diese Schülerfrage sagen Lehrer gerne: „Ich weiß nicht, ob du kannst, aber du darfst.“ Dieser Witz funktioniert derzeit am Gymnasium nicht: Die Jungstoiletten sind abgeschlossen, wer ein Bedürfnis hat, muss sich den Schlüssel im Sekretariat abholen. Damit will die Schule ein Zeichen gegen Vandalismus setzen, wie Rektorin Michaela Mühlebach-Westfal sagt.
Freilich, es seien nur ein paar wenige Schüler, die Blödsinn auf den Toiletten machten, meint Mühlebach-Westfal. Da würden die Kloschüsseln mit Toilettenpapier verstopft, nasses Klopapier würde an die Decke geworfen. Warum? Weil das ein Trend auf der Plattform TikTok sei.
Kaputte Klobrillen und Urinpfützen
Das ist nur ein relativ harmloser „Streich“ – es gibt auch mutwillige Zerstörungen: Die Rektorin des Gymnasiums berichtet von zerstörten Trennwänden und zerdepperten Fliesen. Werden die Täter erwischt? Schwierig bei rund 900 Schülern, meint Mühlebach-Westfal, „wir stehen ja nicht im Klo.“
Von kaputten Klobrillen, Urinpfützen und vollgepinkelten Klobürstenhaltern in den Schülertoiletten berichtet Alexander Götz. Er ist Rektor der Balinger Sichelschule. 554 Schüler lernen an der Gemeinschaftsschule. Ihnen stehen fünf Toilettenräume zur Verfügung. „Die Schäden sind allgegenwärtig“, sagt Götz. Das betreffe vor allem die Klos für die Sekundarstufe, also die älteren Schüler. Diese müssen, wie auch ihre Kollegen am Gymnasium, die Schlüssel im Sekretariat abholen.
Ein Nachweis ist schwer
„Wir haben noch keinen Vandalen erwischt“, erklärt Götz. Die Schäden muss die Stadt als Schulträger begleichen. Ohnehin sei es schwer nachzuweisen, wer in den Toiletten Blödsinn gemacht hat.
Götz nennt einen aktuellen Fall: Eine Kollegin habe einen süßlichen Geruch bei der Mädchen-Toilette festgestellt. Vier Schülerinnen hatten sich in einer Kabine eingeschlossen. Mutmaßlich, um eine E-Zigarette zu rauchen. Beweisen ließ sich das allerdings nicht.
Es kann bis zum Schulausschluss gehen
Paragraph 90 des Schulgesetzes regelt mögliche Sanktionen. Hierbei komme es laut Götz auch auf die „Vorstrafen“ des Übeltäters an. Der Spielraum reiche vom Elterngespräch bis hin zum sofortigen Schulausschluss. „Wer Drogen verkauft oder eine Waffe dabei hat, muss sofort gehen“, betont der Sichelschul-Chef.
Ein explodierter Böller in der Kloschüssel war das unrühmliche Highlight, an das sich Michael Damm erinnert. Er ist Rektor der Realschule und damit quasi der Chef für 513 Schüler. Besonders Schmierereien an den Kabinenwänden kämen immer wieder vor, würden aber sofort entfernt: „Nicht, dass der nächste das dann noch kommentiert und es irgendwann aussieht, wie auf einer öffentlichen Toilette.“
Es ist erst ein paar Tage her, dass ein Mädchen ertappt wurde. Damm und das Kollegium setzen in diesem Fall auf Wiedergutmachung: Die Schülerin musste zum Putzen antreten.
Es könnte auch kulturelle Hintergründe haben
Prinzipiell seien die Toiletten in einem guten Zustand. Zum einen, erklärt Damm, wurden sie erst jüngst saniert, zum anderen sorgten die städtischen „Putzfeen“ täglich für Ordnung. „Wir haben das Thema auch mit der SMV thematisiert“, sagt Damm. Ihm sei es wichtig, die Schüler zu sensibilisieren. In den Toiletten hängen deswegen Zettel, auf denen sinngemäß steht, das Klo so zu verlassen, wie man es vorfinden möchte.
Hinter Pipi-Pfützen auf den Klobrillen oder am Boden könnten auch kulturelle Gründe stecken, meint Damm. „Es kann schon sein, dass Schüler die Kultur daran hindert, sich auf die Brille zu setzen.“
Während des Unterrichts sei es an der Realschule nicht gerne gesehen, wenn ein Schüler zum Klo wolle. „Natürlich nehmen wir Rücksicht, wenn es medizinische Gründe gibt“, räumt Damm ein. Die Schüler seien allerdings angehalten, ihre „Geschäfte“ in die Pausen zu verlegen. „Wer während des Unterrichts muss, der muss sein Handy im Klassenzimmer lassen.“
Die Schüler werden sensibilisiert
Gerade die jüngsten Schüler nähmen das Thema sehr ernst. Es komme immer wieder vor, dass Fünftklässler aufgeregt ihre Beobachtungen von Unsinn bei den Toiletten meldeten. Dann gehen die Lehrer mit der „Feuerwehr“, wie Damm schmunzelnd sagt, durch die Flure. Vor jedem Klassenzimmer hängen Fotos der jeweiligen Kinder und Jugendlichen. „Das funktioniert wie Fahndungsfotos.“
Aktuell sei es ruhig in Sachen Verschmutzung. Sollten die Fälle wieder zunehmen, werden Damm und die Pädagogen erneut das Gespräch in den Klassen suchen. „Dieses Sensibilisieren klappt gut.“