Holger Gliese und Franz Oschwald von der DEG Eiswiese sorgen für ein unbekümmertes Eislaufvergnügen im Haberfeld in Donaueschingen. Foto: Roger Müller

Vom Neujahrstag bis zum 6. Januar konnten Schlittschuhläufer die Eiswiese genießen. Seit Mittwochnachmittag ist sie wieder gesperrt. Woran liegt’s?

Milde Winter und der Klimawandel machen Natureisbahnen zunehmend zur Seltenheit. Die Donaueschinger Eiswiese im Haberfeld ist deshalb etwas Besonderes: Eine geflutete Wiese, die ganz ohne künstliche Kühlung auskommt und nur durch natürliche Minusgrade zu einer Eisfläche wird. Geöffnet ist sie ausschließlich in den Wintermonaten.

 

Für viele gehört sie fest zur kalten Jahreszeit – als Ort zum Schlittschuhlaufen, für ein spontanes Eishockeyspiel oder einfach zum Treffen mit Freunden. Doch dieses Jahr steht die Eiswiese vor besonders großen Herausforderungen.

Beim Schlittschuhlaufen kann auch mal ein Kinderwagen als Hilfsmittel dienen. Foto: Roger Müller

Eine Natureisbahn ist stark vom Wetter abhängig. „Damit das Eis sicher trägt, brauchen wir mehrere Tage mit konstanten Minusgraden. Schon kurze Wärmephasen, Regen oder starker Sonnenschein können alles zunichtemachen“, erklärt Franz Oschwald von den Donaueschinger Eisstockschützen, der sich gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen um den Betrieb und die Präparation der Eisbahn kümmert.

Klimawandel spürbar

In den vergangenen Jahren wurde das immer schwieriger. Milde Winter und starke Temperaturschwankungen führen dazu, dass die Eiswiese oft nur für kurze Zeit genutzt werden kann. „Im Winter 2024/2025 hatten wir zwar 20 Eistage, aber dafür rund 180 Stunden Arbeit“, zieht Oschwald Bilanz. Der Klimawandel macht sich also auch hier deutlich bemerkbar.

Auch Eishockey-Freunde genießen die Spielfläche, die ihnen die Eiswiese im Donaueschinger Haberfeld aktuell bietet. Die Eisfläche muss dafür aber aufwendig gepflegt werden. Foto: Roger Müller

Los geht es mit der Vorbereitung meist schon Anfang Dezember. Dann wird der Untergrund in mehreren dünnen Schichten geflutet, damit das Eis gleichmäßig wachsen kann. Während der Saison heißt es dann: Schnee räumen, Unebenheiten ausgleichen und die Eisqualität im Blick behalten. „Das ist sehr zeitaufwendig“, sagt Oschwald.

Schöne Kindheitserinnerungen

Besonders wichtig ist dabei die Sicherheit. Die Eisdicke wird regelmäßig kontrolliert, denn Risse oder wasserführende Stellen können gefährlich werden. In solchen Fällen muss schnell reagiert werden – notfalls auch mit einer Sperrung. Trotzdem überwiegt für viele der emotionale Wert: „Viele verbinden mit der Eiswiese schöne Kindheitserinnerungen und sehen sie als echten Treffpunkt“, so Oschwald.

Manchmal kommt es ganz dicke: Fällt viel Schnee, dann wirkt dieser wie eine Isolierschicht und verhindert weiteres Gefrieren. Ist das Eis dann noch zu dünn, kann auch kein schweres Gerät eingesetzt werden. „Dann heißt es Schaufel und Besen in die Hand nehmen“, erzählt Holger Gliese, der ebenfalls mit anpackt.

Der Pavillon dient als Umkleide für die Wintersportler. Auch er wird von den Donaueschinger Eisstockschützen in Schuss gehalten. Foto: Roger Müller

In diesem Winter kam eine neue Herausforderung hinzu: Die Eiswiese wird vom Zulauf der Breg gespeist, die aufgrund der geringen Niederschläge aktuell wenig Wasser führt. Der geringere Gegendruck von unten könnte problematisch werden. „Wir beobachten das genau. Durch die starke Kälte ist das Eis inzwischen aber so dick, dass es wohl auch mit weniger Wasser stabil bleibt“, zeigte sich Oschwald Anfang Januar noch vorsichtig optimistisch.

Zu wenig Wasser

Doch die Ereignisse überschlugen sich, das Vergnügen währte nur kurz. Am 7. Januar musste die Eisfläche geschlossen werden. Der Wasser-Zulauf aus der Breg ist zu gering, der Pegelstand aufgrund des geringen Niederschlags zu niedrig - der Eisfläche fehlt es an Wasserspeisung. Eine Eiskontrolle brachte die Gewissheit: Das Befahren der Fläche ist nicht mehr sicher. „Die gesamte Eisfläche ist nun mehrere Zentimeter abgesackt, da die Wasserschicht darunter fehlt. Zudem haben sich Risse gebildet - was das Schlittschuhlaufen gefährlich macht, da sich die Kufen in den Rissen verhaken können“, erklärt Oschwald.

Seit Mittwoch, 7. Januar, ist die Donaueschinger Eiswiese im Haberfeld wegen Einbruchgefahr gesperrt. Foto: Denise Kley

Ob die Eiswiese bald wieder für Kufenflitzer freigegeben werden kann, wird sich zeigen. Wenn ja, fallen für die Eisstockschützen wieder viele Arbeitsstunden an, denn die komplette Fläche muss aufgrund des Absackens der Eisschicht wieder geflutet werden.

Verein DEG Eiswiese

Seit 25 Jahren
Die Eisstockschützen Donaueschingen kümmern sich seit über 25 Jahren im Auftrag der Stadt um die Pflege und Flutung der Eiswiese, damit die Bürgerinnen und Bürger dort Schlittschuhlaufen und Eissport betreiben können. Sie haben den Verein DEG Eiswiese gegründet und sind für die präparierte Natureisfläche verantwortlich. Die Fläche beim Eishaus im Donaueschinger Schlosspark hat außerdem eine historische Bedeutung, da das Eis früher unter anderem auch zur Kühlung von Bier verwendet wurde.