Wenn der Eisweiher neu gestaltet ist, wird er nicht nur Lebensraum für Frösche und Kröten sein. Auch die Schlittschuhläufer können zurückkehren.
Der Eisweiher am Fuße des Martinsberges ist vielen Hechingerinnen und Hechingern eine Herzensangelegenheit. Und deshalb wird auch aufmerksam verfolgt, wie sich sein Erscheinungsbild wandelt.
Für viele war es ein Schock, als sich das trockengelegte Gewässer im vergangenen Jahr als braune, rissige Lehmfläche präsentierte. Die Veränderungen sind jedoch durchaus erstaunlich.
Wenn man nur alle paar Monate mal vorbeischaut, traut man seinen Augen kaum: Inzwischen dominiert die Farbe Grün. Fast die gesamte Fläche ist mit Schilfgräsern und Sumpfpflanzen bewachsen. „Das ist die natürliche Sukzession“, erklärt der städtische Klimaschutzmanager Jürgen Baumer.
Ziel: ein Amphibienbiotop
Ein richtig großer Einschnitt steht dem stillgelegten Fischgewässer, das einst auch ein überaus beliebtes Freizeitgelände war – im Sommer zum Angeln, in kalten Wintern zum Schlittschuhlaufen – voraussichtlich im kommenden Jahr, spätestens aber 2028 bevor. Dann nämlich soll die seit Jahren geplante Umgestaltung des Eisweihers zu einem Amphibienbiotop in die Tat umgesetzt werden. Und die lässt sich die Stadt Hechingen eine ganze Stange Geld kosten. Mit Gesamtkosten von 580.000 Euro rechnet man im Rathaus inzwischen. Weil ein 70-prozentiger Zuschuss aus einem Naturschutzfonds erwartet wird, geht die Stadtverwaltung davon aus, mit einem städtischen Kostenanteil von 174.000 Euro davonzukommen. Sollte sich diese Hoffnung erfüllen, ließe sich das Projekt im Haushaltsjahr 2027 stemmen. Ohne Bezuschussung ginge es erst ein Jahr später.
So informierte Bürgermeister Philipp Hahn am Dienstagabend die Mitglieder des Arbeitskreises Natur, Umwelt, Klima, denen Jürgen Baumer die Umgestaltungspläne und die Hintergründe des Vorhabens detailliert vorstellte. Der Klimaschutzmanager rief in Erinnerung, dass der Eisweiher in gewissem Sinne ein Opfer des Klimawandels ist. Weil der Sulzbach den Tümpel in der trockenen Jahreszeit immer unzuverlässiger mit Frischwasser versorgte, fehlte es den Fischen im Weiher immer häufiger an Sauerstoff. Deshalb kam es zu unschönem Fischsterben. Die Stadt konnte nicht mehr länger zusehen – und 2022 beschloss der Gemeinderat, den Weiher vom Angelsportverein abfischen zu lassen und trocken zu legen. 2024 wurde der Weiher offiziell als Fischgewässer stillgelegt, womit eine jahrhundertelange Tradition vorerst endete (siehe Kasten).
„Lassen, wie es ist, war keine Option“, betonte Bürgermeister Hahn. Klare Auflage des Landratsamts sei, das Biotop wiederherzustellen. So hat es der Gemeinderat im vergangenen Jahr auch beschlossen. Jürgen Baumer zufolge soll die 3500 Quadratmeter große Teichfläche künftig in eine Tiefwasserzone und eine Flachwasserzone aufgeteilt werden, abgegrenzt durch große Wasserbausteine.
Im tiefen Teil wieder Fische
Das flache Gewässer im hinteren Bereich soll zum Rückzugsort, Rast- und Schlafplatz für Vögel, Amphibien und Insekten werden und außerdem dem Schilfbestand vorbehalten bleiben. Die 1200 Quadratmeter große Tiefwasserzone mit einer Tiefe von 80 Zentimetern bis zwei Metern soll wieder mit standortgerechten Fischen bestückt werden. Ein Teil des Weihers kehrt also zurück. In seiner Mitte ist eine 45 Quadratmeter große, bis zu 1,20 Meter hohe Insel geplant, die aus aufgeschütteten Sedimenten angelegt werden soll. An einer Steilwand soll dem seltenen Eisvogel die Chance zur Ansiedlung gegeben werden.
Am Ufer planen die Ingenieure eines Darmstädter Büros für Wasserwirtschaft, die das Konzept erarbeitet haben, eine kleine „Erlebniszone“ für Naturliebhaber mit erneuerten Sitzbänken und einem 18 Quadratmeter großen Beobachtungssteg. Ein neues Auslaufbauwerk, ein sogenannter Mönch, soll einen geregelten Wasserabfluss gewährleisten. Gespeist werden soll der Weiher künftig „im Nebenschluss“. Das bedeutet: Der Sulzbach erhält wieder sein altes Gewässerbett, und ein Überlaufbauwerk stellt sicher, dass der Weiher kontinuierlich mit Wasser versorgt wird. Nach dem Willen der Stadtverwaltung soll so wieder ein wertvoller Lebensraum für Frösche, Kröten, Muscheln, Insekten und Vögel entstehen.
Und in der Tat sollen auch die Menschen ihre Freude am neuen Eisweiher haben. Auf die Frage von CDU-Stadtrat Ronny Stengel, ob die Wasserfläche denn auch für die Bevölkerung wieder nutzbar sein werde, sagte Baumer: „Wenn der Klimawandel es erlaubt, dass der Weiher zufriert, dann wird in der Tiefwasserzone auch Schlittschuhfahren möglich sein“ – freilich auf eigene Gefahr, wie Bürgermeister Hahn präzisierte, als Margit Simoneit (SPD) auf die Risiken hinwies.
Und die Kosten? Die seien ja schon „enorm“, fand ebenfalls Ronny Stengel – und erntete keinen Widerspruch. Philipp Hahn sagte jedoch zu, man wolle das Projekt „kostenbewusst umsetzen“. Jürgen Baumer erläuterte, dass die neue Insel keineswegs ein Luxus sei, sondern im Gegenteil dabei helfen, die Entsorgung von 800 Kubikmetern an Sediment („ein Riesenkostenfaktor“) sparsamer zu gestalten.
Am Ende der Beratung befürwortete der Arbeitskreis mit fünf Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen aus AfD und CDU die Pläne. Wenn der Gemeinderat am 16. Juni dem Votum folgt, kann das nötige wasserrechtliche Verfahren in Gang gesetzt werden. Einen positiven Förderbescheid vorausgesetzt, könnte im Spätsommer 2027 mit der Umgestaltung begonnen werden.