Eine Umfrage zum frühen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft. Wild-Wings-Geschäftsführer Stefan Wagner sieht das Team dennoch auf einem guten Weg.
Erstmals seit sieben Jahren ist die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft schon in der Gruppenphase ausgeschieden. Das Viertelfinale war dabei eigentlich das Mindestziel bei den Titelkämpfen in Dänemark/Schweden. Doch nach dem 1:2 nach Penaltyschießen gegen Gastgeber Dänemark hieß es für das deutsche Team: Heimreise.
Immerhin sorgten die Dänen mit dem Ausschalten von Kanada im Viertelfinale für eine Sensation, was aber die Enttäuschung im deutschen Eishockey-Lager nicht mindert.
Die Ursachen für das enttäuschende Abschneiden von Bundestrainer Harold Kreis und Co. sind vielfältig. Wichtige Spieler fehlten beim Turnier. Die NHL-Stars Moritz Seider und Tim Stützle konnten (noch) nicht die erwarteten Führungsrollen ausfüllen.
Hendrik Kolbert
Als einziger Vertreter der Schwenninger Wild Wings war Athletik-Trainer Hendrik Kolbert (seine zweite Weltmeisterschaft) bei der deutschen Nationalmannschaft dabei. Er bedankte sich via Facebook beim Abschied aus Dänemark für die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit dem Team und schloss mit den Worten: „Wir kommen stärker wieder zurück.“
Für Hendrik Kolbert beginnt – nach vielleicht ein paar verdienten freien Tagen – das Sommertraining mit den Wild-Wings-Spielern, die ohne ihren Athletik-Coach bereits in Schwenningen die ersten Einheiten hinter sich haben.
Doch zurück zum frühen WM-Aus des deutschen Teams. Wir sprachen mit einigen Eishockey-Experten vom Neckar.
Stefan Wagner
Der Wild-Wings-Geschäftsführer sah es insgesamt als kompliziert an, dass die deutsche Mannschaft in den „schweren“ Spielen gegen die USA, gegen die Schweiz und gegen Tschechien nicht punkten konnte. „Wenn es dann in der Gruppenphase auf ein sogenanntes Endspiel hinausläuft, kann es schwierig werden. Am Ende hat uns in dem Spiel die Durchschlagskraft gefehlt, um Dänemark zu besiegen“, so Stefan Wagner.
Er sagt aber trotz der kurzzeitigen Enttäuschung auch klar: „Jetzt dürfen wir nicht alles in Frage stellen. Die Rahmenbedingungen beim deutschen Team mit Harold Kreis stimmen absolut. Sie machen eine sehr gute Arbeit. Bis zu den Olympischen Spielen im kommenden Winter wird sich ja auch personell noch einiges im Team verändern.“
Matthias Hoppe
Der frühere Torhüter des SERC und des DEB-Teams sieht es schon ein wenig kritischer: „Normalerweise müsste das deutsche Team vom Ranking her nun eine Mannschaft wie Dänemark hinter sich lassen. Aber das Turnier hat gezeigt, dass wir vielleicht leistungsmäßig doch ein kleines Stück weiter weg von den Großen sind, als wir alle dachten. Mir haben in der Gruppenphase einige Dinge im defensiven Bereich und in der Offensive nicht gefallen. Auf alle Fälle waren wir bei diesem Turnier zu wenig torgefährlich. Die Torhüter Mathias Niederberger und Philipp Grubauer haben ihre Leistungen gebracht. Ein Handiap war sicherlich, dass ein Lukas Reichel früh verletzt ausfiel und auch sonst einige wichtige Spieler fehlten. Man muss das Turnier genau analysieren und dann die richtigen Schlüsse in Richtung Olympischer Spiele 2026 ziehen.“
Wayne Hynes
Der Coach der Wild Wings Future und frühere Nationalspieler nimmt das deutsche Team in Schutz: „In den Jahren zuvor haben die Leistungen immer gestimmt. Wir haben Silber bei Olympia und Silber bei der WM geholt. Gegen Dänemark hat uns ein Penaltyschießen vom Viertelfinale getrennt. Das darf man nun nicht alles dramatisieren. Wir hätten uns alle gerne zumindest das Viertelfinale gewünscht, am Schluss haben auf dem Weg dorthin Kleinigkeiten gefehlt.“
Vielmehr spricht Wayne Hynes – einmal mehr – die Nachwuchsarbeit im deutschen Eishockey an: „Ich habe jetzt auch nicht das Patentrezept, aber klar ist, dass wir uns in diesem Bereich weiter verbessern müssen. Es ist wichtig, dass wir im Nachwuchsbereich allgemein wieder mehr Kinder und Jugendliche gewinnen, denn nur aus einer Breite entwickeln sich noch mehr Ausnahmetalente, als wir sie im Moment haben.“