Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat bei der WM ihre ersten drei Spiele gewonnen – zuletzt auch die Partie gegen Kanada. Der ehemalige Bundestrainer Hans Zach ist ganz begeistert vom Zusammenhalt der DEB-Auswahl.
Stuttgart - Wenn man im Eishockey als deutsche Mannschaft gegen Kanada gewinnt, stehen da nur Helden auf dem Platz. Das war auch bei dem imposanten 3:1-Erfolg der Eishockey-Nationalmannschaft am Montag gegen Kanada der Fall, zumal der letzte Sieg bei einer WM gegen den 26-fachen Weltmeister aus Nordamerika ja auch stramme 25 Jahre zurückliegt. Doch einen, den feierten sie ganz besonders nach dieser Energieleistung gegen die Eishockey-Riesen aus Übersee: Torhüter Mathias Niederberger. Der befand sich unter Dauerbeschuss und bekam bereits auf dem Eis schwerste Krämpfe von seiner Arbeit im Kasten.
„Dass wir wirklich gegen Kanada gewinnen konnten, ist außergewöhnlich“, sagte der überragende Torwart Niederberger nach seinem Meisterstück. „Mathias hat die Schüsse absorbiert“, meinte derweil Teamkapitän Moritz Müller zum starken Auftritt des Schlussmanns. Der parierte 39 Schüsse! Nur gegen das zwischenzeitliche 1:2 (19. Minute) von Paul Nick konnte er nichts machen. „Du brauchst Torhüter wie ihn, um Spiele zu gewinnen“, legte Müller lobend noch einmal nach. Die Mannheimer Stefan Loibl (11. Minute) und Matthias Plachta (12.) sowie der künftige Mannheimer Korbinian Holzer (58.) trafen beim traumhaften Sieg von David gegen Goliath für Deutschland.
Der wichtigste Sieg
Wer die Kanadier besiegt, der kann im Prinzip das WM-Turnier vorzeitig beenden, weil er alles erreicht hat – so sehen es manche Experten etwas im Überschwang. Der ehemalige Bundestrainer Hans Zach sieht es nicht ganz so, er hatte aber vor dem Fernseher eine deutsche Mannschaft zu sehen bekommen, die ihn faszinierte. „Die Deutschen haben hervorragend gespielt. Sie haben es super gemacht, aufopferungsvoll gekämpft, sie spielen wirklich als Mannschaft – da springt dann auch so ein Sieg dabei heraus“, sagte Zach am Dienstag unserer Zeitung.
Was der Extrainer auf dem Eis sah, war eine Mannschaft in Form – körperlich wie mental. „Der Auftritt war als Team sehr stark, er war laufstark, kampfstark, diszipliniert – also alle Achtung“, sagte Zach. Sicher sei es über körperliche Präsenz gegangen, eine andere Marschroute könne man sich gegen solch einen Gegner ja auch nicht zurechtlegen. Doch ist es nicht nur der bedingungslose Wille zum Sieg gewesen, der den Erfolg brachte. „Es war nicht nur der Kampf, sie haben auch gut gespielt, denn so seine Partie dauert ja immerhin auch 60 Minuten. Das deutsche Team hatte von Anfang an Zugriff auf den Gegner“, resümiert Zach.
Pünktlich zur WM präsentiert sich die Mannschaft, die vor dem Sieg gegen Kanada auch schon die beiden ersten Turnierspiele gewann und damit das Viertelfinale fest im Blick hat, in einem sehr guten Zustand. „Man sieht, dass das Team gut trainiert und ebenso gut ausgebildet ist“, sagt Zach, aber das Beste sei, dass die Männer auf dem Eis „wie Pech und Schwefel zusammenhalten“.
Die Top-Stars fehlen
Waren die Kanadier zu ersatzgeschwächt ins Turnier gestartet? Auch bei dieser WM fehlen ja bislang die Top-Stars, weil sie in Nordamerika zeitgleich zur WM die NHL-Play-offs spielen müssen. Anders als 2018 bestand das kanadische Team in Riga allerdings fast ausschließlich aus NHL-Spielern, die es nicht in die Play-offs geschafft hatten – insofern bekam es das deutsche Team auch nach Einschätzung von Hans Zach nicht mit einem enorm geschwächten Gegner zu tun. „Wir haben eine extrem starke kanadische Mannschaft gesehen“, meinte auch Kapitän Müller. In der Tat standen die Kanadier, die schon die ersten beiden Spiele verloren hatten und nun mit dem Rücken zur Wand stehen, mit viel Wut im Bauch auf dem Eis. So hatte das deutsche Team phasenweise eine enorme Abwehrschlacht zu überstehen – was auch gelang.
Nach dem Erfolg gegen Kanada ist von der Mannschaft des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) bei der WM in Lettland wohl noch einiges zu erwarten. Doch übersteigerte Vorstellungen bis hin zu Titelträumen können auch negative Auswirkungen auf die Leistung haben – keiner weiß das besser als der erfahrene Trainer Hans Zach. „Erwarte wenig – und du wirst nicht enttäuscht sein“, sagt er. Auf alle Fälle könne man die Spiele der deutschen Mannschaft nun mit Freude anschauen und müsse dann eben mal sehen, was am Ende herauskommt.
Das Beste geben
Nächster Vorrundengegner ist an diesem Mittwoch Kasachstan (15.15 Uhr/Sport 1). „Es ist ein sonderbares Turnier“, sagte Niederberger noch angesichts der bislang vielen Niederlagen der Top-Nationen – nicht nur die Kanadier gerieten ins Straucheln. Aber: „Wir geben unser Bestes“, versprach der Torhüter. Davon ist auch Fernsehzuschauer Zach überzeugt.