Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Eishockey Wild Wings: "Müssen wieder mehr Herz zeigen"

Von
Der Schwenninger Chefcoach Paul Thompson im Interview. Foto: Kienzler

Nach einer enttäuschenden DEL-Saison ist vielleicht vor einer sportlich besseren Zukunft. Während sich viele Konkurrenten der Wild Wings nun auf die Play-offs vorbereiten, geht für Schwenningens Trainer Paul Thompson und Manager Jürgen Rumrich die Arbeit der Planung so richtig los. "Wir wissen genau, welche Spielertypen wir neu für unser Team brauchen", betont der Brite. Und Paul Thompson wagt in unserer Saisonbilanz auch eine selbstbewusste Aussage: "Wäre ich vom ersten Spieltag an da gewesen, hätten wir die Play-offs wohl erreicht."

Herr Thompson, die vier Punkte am letzten Hauptrunden-Wochenende waren für Ihr Team nicht schlecht.

Es war etwas versöhnlich. Ich bin auch stolz auf die Mannschaft, dass sie nach diesen harten Wochen, in denen sie sehr viel kritisiert wurde, gegen München und Nürnberg noch diese Reaktion gezeigt hat. Aber natürlich, für uns alle war diese Saison sehr enttäuschend.

Was hat Sie am meisten enttäuscht?

Bis zu unserer 4:5-Niederlage in Iserlohn am 1. Februar hatten wir eine realistische Chance die Play-offs zu erreichen. Danach haben wir es auch nicht geschafft, uns in der Tabelle noch zu verbessern. Die vielen und vor allem auch langwierigen Verletzungen von wichtigen Spielern waren natürlich eine sehr große Problematik in dieser Saison. Dazu hat uns leistungsmäßig die Konstanz gefehlt. Ich hätte mir auch eine positive Serie gewünscht, wie sie zwischenzeitlich zum Beispiel Wolfsburg gelungen ist.

Seit Sie Anfang November in Schwenningen begonnen haben, holten Sie mit dem Team in 35 Spielen 16 Siege. Wären Sie von Saisonbeginn an da gewesen, hätten Sie dann mit der Mannschaft die Play-offs erreicht?

Ich werde nie irgendetwas Negatives über die Zeit vor mir hier sagen, aber ich denke, dass wir die Play-offs wohl erreicht hätten. Die Bilanz spricht jedenfalls dafür. Nur zum Vergleich und mit einem Blick auf unsere Mitkonkurrenten: In diesem Zeitraum stehen unseren 16 Siegen neun von Iserlohn, 14 von Wolfsburg, 12 von Krefeld, 16 von Nürnberg und 16 Siege der Eisbären Berlin gegenüber. Natürlich wären für uns in den vergangenen vier Monaten durchaus auch 20 Siege möglich gewesen, aber wir hätten bei einem besseren Start in die Saison sicherlich bis zum Ende die Play-off-Chance gehabt.

Was war positiv in den vergangenen Monaten?

Die Mannschaft hat – mit der Ausnahme kurz nach der vorentscheidenden Niederlage in Iserlohn – immer an sich geglaubt und gut gearbeitet. Nach der Niederlage in Iserlohn war sie stimmungsmäßig wirklich im Keller. Aber sie besaß insgesamt einen positiven Charakter. Ich möchte dabei auch einmal unsere beiden Verteidiger Benedikt Brückner (49 Einsätze, Anm. d. Red.) und Dominik Bohac (45) hervorheben, die auch viel kritisiert wurden. Aber beide waren aufgrund der vielen Ausfälle im Schnitt jeweils acht Minuten pro Spiel mehr auf dem Eis als üblich, haben sehr viel für die Mannschaft gearbeitet. Ein Spieler wie Mirko Sacher hat in dieser Saison wieder einen Schritt nach vorne gemacht und besitzt noch weiteres Steigerungspotenzial. Dies gilt auch für Anthony Rech, mit dem ich sehr gerne weiterarbeiten würde. Aber er hat auch andere Angebote und braucht Bedenkzeit.

Wie sehen Ihre nächsten Arbeitstage aus?

Ich werde mit allen Spielern ein Abschlussgespräch führen, auch mit denen, die uns verlassen. Für die Spieler, die bleiben, werden wir einen exakten Plan für das Sommertraining ausarbeiten.

Wie muss sich der Spielstil der Mannschaft in der kommenden Saison verändern?

Wir müssen die Charaktereigenschaften, die diesen tollen Eishockey-Standort in Schwenningen in vielen Jahren ausgezeichnet hat, absolut wieder in den Vordergrund stellen. Wir müssen wieder mehr Herz zeigen. Wir brauchen ein Team, dass präsenter und athletisch stärker ist. Die Gegner müssen wieder Angst davor haben, in Schwenningen spielen zu müssen. Zum einen durch die Mannschaft und zum anderen durch die Stimmung von den Rängen. Viele Dinge müssen in unserem Spiel besser werden. Dies beginnt beim Powerplay, geht über viel mehr Effektivität bei den Bullys bis hin zu mehr Torgefährlichkeit. Uns haben Spieler gefehlt, die direkt vor das gegnerische Tor in den Slot gehen. 70 Prozent der Tore fallen aus dem Quadrat vor dem Tor und da waren wir nicht oft genug. Wir brauchen auch Verteidiger, die von hinten heraus ein besseres und cleveres Spiel nach vorne aufziehen.

Mehr körperbetontes Spiel bedeutet vor allem, dass die Wild Wings nun dem nordamerikanischen Vorbild wieder folgen?

Das kann man so interpretieren, aber wir suchen nicht nur dort nach Verstärkungen. In meinen Augen kann man körperliche Präsenz auf dem Eis nicht nur am Herkunftsland festmachen. Und wenn viele bei uns im Umfeld den zu wenig körperbetonten Stil unserer finnischen Spieler kritisieren, dann halte ich ihnen Markus Poukkula entgegen, der hoffentlich in der kommenden Saison ohne Verletzungen einmal durchspielen kann. Ich habe in den vergangenen Monaten sehr viel hier mit den Fans, mit den Menschen, denen die Wild Wings sehr nahe stehen, gesprochen. Ich weiß genau, welche Art von Eishockey sich diese Menschen von einer Schwenninger Mannschaft wünschen.

Es ist für Sie ein großer Vorteil, dass Sie vier Monate bei den Wild Wings schon erlebt haben, anstatt hier im Sommer bei null anfangen zu müssen?

Ja, absolut. Jürgen und ich haben ganz klare Vorstellungen davon, was wir verbessern wollen und welche Spielertypen wir dazu neu brauchen.

Wie sieht Ihr Scouting mit Jürgen Rumrich in diesen Wochen konkret aus?

Es gab bislang schon viele Spieler, die uns angeboten wurden. Ganz wichtig dabei ist, dass wir die für uns möglicherweise interessanten Spieler auch live sehen können. Seit Wochen sind Jürgen und ich mit diesem Thema beschäftigt. Er war bereits sehr viel unterwegs bei verschiedenen Spielen und dies wird sich alles nun fortsetzen.

Stichwort Amerikareise. Sie werden mit Jürgen Rumrich am 15. März zunächst nach Chicago reisen. Was ist in den folgenden zehn Tagen genau geplant?

Wir werden dort ein sehr straffes Programm haben. Zunächst treffen wir uns mit einem mit mir eng befreundeten Manager des NHL-Klubs Chicago Blackhawks, der uns bei der Planung vor Ort unterstützen wird. Wir schauen uns Spiele in der NHL, vor allem aber in der AHL und auch in der East Coast Hockey League an. Dazu werden wir mit einigen Spieleragenten sprechen. Wir wollen dabei unser Netzwerk erweitern. Nach unserer Rückkehr nach Deutschland werden wir hier in ganz Europa weiter scouten.

Wie haben Sie die Region hier in den vergangenen Monaten kennengelernt?

Ganz ehrlich, ich liebe diese Gegend. Dieser Eishockey-Standort Schwenningen ist großartig. Deshalb ist es mein großer Wunsch, dass wir den Fans in der neuen Saison viel mehr zurückgeben können, als es in diesem Jahr der Fall war. Und meine Frau, die mich schon einige Male besucht hat, ist ebenfalls begeistert von dieser Region. Die Menschen sind hier so freundlich und offen. Ich bin dankbar, hier und für diesen Verein arbeiten zu dürfen.  

Die Fragen stellten Gunter Wiedemann und Michael Bundesmann.

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.