Rückblick auf die bisherige DEL-Saison der Schwenninger Wild Wings. Von Acton bis zu den Zuschauern.
Villingen-Schwenningen - Die Schwenninger Wild Wings haben nach der 2:3-Niederlage in München die Hälfte der DEL-Hauptrunde hinter sich. Nach 26 Spielen belegen sie mit 28 Punkten den zwölften Platz. Wir blicken auf die bisherige Saison zurück. Von A bis Z.
A wie Acton. Er verlieh den Wild Wings nach einem eher mäßigen Saisonstart Flügel: Will Acton. "Ich hoffe, dass ich meinen Teil dazu beitragen kann, damit das Team mehr Erfolg hat", meinte der 1,85 m große und 92 kg schwere Stürmer nach seiner Ankunft in Schwenningen. Diesen Worten ließ er Taten folgen. Der 28-Jährige zeigte gleich bei seiner Premiere am 2. Oktober mit fünf Scorerpunkten beim 6:5-Sieg nach Verlängerung gegen Krefeld, dass seine Verpflichtung ein echter Volltreffer war. Mittlerweile steht Acton nicht nur kurz vor einer Vertragsverlängerung, sondern führt mit 34 Scorerpunkten (6 Tore und 28 Assists) in 20 Saisonspielen deutlich diese DEL-Wertung an. Übrigens – es folgt hier mit Jon Matsumoto (28) ein Ex-Schwenninger.
B wie Bilanz. Die Wild Wings haben mit 28 Zählern derzeit acht Punkte Rückstand auf einen Pre-Play-off-Platz. Allerdings haben die Kölner Haie (10./36) drei Spiele weniger ausgetragen. Vor einem Jahr hatten die Schwenninger nach 26 Spieltagen 25 Punkte auf dem Konto.
C wie Choreografie. Vor dem Testspiel gegen Freiburg zeigte der SERC-Nachwuchs zusammen mit den Profis auf dem Eis eine Choreografie. Die Zahl 111 wurde für die 111 Jahre, die der SERC nun besteht, gebildet.
D wie Danner. Der Co-Kapitän spielt bisher eine starke Runde. Acht Treffer hat der Stürmer bereits erzielt. "Wichtiger ist aber, dass wir die engen Spiele öfters gewinnen", gibt Simon Danner für die Restsaison eine klare Richtung vor.
E wie Energy-Player. So wird Philipp Schlager oft von den Trainern beschrieben. Der Angreifer war bisher in allen Spielen dabei, kommt auf acht Scorerpunkte.
F wie Fleury. "Ja, ich bin zu den Wild Wings gekommen, um viele Tore zu erzielen. Wichtiger ist aber, dass wir als Team Erfolg haben", betonte Damien Fleury kurz vor dem Saisonbeginn. Der Franzose zeigte dann nach leichten Anlaufschwierigkeiten, dass er ein echter Torjäger ist. 15 Treffer hat der 29-Jährige bereits erzielt. Damit ist Fleury in dieser Statistik die Nummer 1 der DEL!
G wie Goalies. "Wir setzen in dieser Saison auf zwei starke Torhüter", sah es Coach Helmut de Raaf als wichtigen Schritt an, neben dem etablierten Dimitri Pätzold mit dem NHL-erfahrenen Joey MacDonald eine zweite Nummer 1 zu verpflichten. MacDonald stand bisher gut 872 Minuten lang (3,09 Gegentreffer im Schnitt pro Spiel) zwischen den Pfosten. Pätzold knapp 693 (3,81).
H wie Headcoach. Helmut de Raaf kann man nach den ersten Monaten ein sehr gutes Arbeitszeugnis ausstellen. Der frühere Nationaltorhüter und sein Co-Trainer Petteri Väkiparta überzeugen mit sehr viel Kompetenz, Sachlichkeit und einer klaren Linie. Die Spieler bekommen einen exakten Gameplan vorgelegt. Bemerkenswert sind stets auch die Analysen von Helmut de Raaf. Sie liegen immer in der goldenen Mitte, sind nicht zu positiv, aber auch nie zu negativ. Der Draht von de Raaf zu seinen Spielern ist auch im zwischenmenschlichen Bereich gut.
I wie Iserlohn. Die Roosters zählen bisher in dieser Saison unter ihrem Trainer Jari Pasanen zu den großen positiven Überraschungen. Mit einem relativ bescheidenen Etat steht der Vorjahres-Viertelfinalist auf dem dritten Platz. Pasanen liefert in Iserlohn seit anderthalb Jahren eine hervorragende Arbeit ab. Kurios ist nur, dass er vor einigen Jahren in Schwenningen so gescheitert war.
J wie Jukka Voutilainen. Schade, der finnische Stürmer war mit vielen Vorschusslorbeeren nach Schwenningen gekommen. Für Helmut de Raaf wäre Voutilainen "einer der besten Angreifer in der DEL in dieser Saison" geworden. Deshalb hielten die Wild-Wings-Verantwortlichen auch so lange an der Personalie fest. Eine Verletzung bremste den Finnen zunächst aus, dann zogen ihn private Probleme nach Finnland. Schließlich wurde der Vertrag aufgelöst.
K wie Konstanz. Bei diesem Thema taten sich die Wild Wings in der ersten Hälfte der Hauptrunde schwer. Im September starteten die Neckarstädter mit fünf Niederlagen in sechs Spielen. Dann folgte ein "goldener Oktober" mit sechs Siegen in sieben Spielen. Nach der Länderspielpause gab es den grauen November mit acht Niederlagen und einem Sieg. "Wir müssen an jedem Wochenende punkten, um Platz zehn immer in Sichtweite zu haben", sagte Helmut de Raaf bereits vor einigen Wochen.
L wie Lust am Eishockey. In den bisherigen 26 Spielen hatte die Schwenninger Mannschaft kein einziges Mal ein Einstellungsproblem. Dies war auch nie ein Kritikpunkt von Helmut de Raaf. Im Gegenteil, er lobte seine Spieler dafür, "dass sie immer dazulernen wollen".
M wie Mannheimer Adler. Bereits drei Mal ging es in der ersten Hauptrundenhälfte gegen den Erzrivalen. Furios war das Auftaktspiel am 11. September, als der Außenseiter beim Titelverteidiger (0:1) an einer dicken Überraschung kratzte. Am 1. November gab es in Schwenningen ein ausverkauftes Haus. Bei der 2:4-Niederlage der Gastgeber drückten vor allem die Special-Teams der Adler dem Spiel ihren Stempel auf. Auch das dritte Duell ging am 18. November in der SAP-Arena mit 5:3 an den Favoriten.
N wie Negativserie. Fünf Niederlagen in Folge kassierten die Neckarstädter in der ersten Novemberhälfte. Diese warf die Schwenninger von Platz neun zwischenzeitlich auf Rang zwölf zurück.
O wie Overtime. Diese Bilanz liest sich positiv. Vier Mal ging es für die Wild Wings bisher in die Verlängerung. Drei Mal konnten sie danach als Sieger das Eis verlassen. Die Ergebnisse: 5:4 nach Penaltyschießen gegen München, 6:5 gegen Krefeld und 4:3 gegen Iserlohn. Nur gegen die Eisbären Berlin unterlagen die "Schwäne" nach Verlängerung mit 7:8.
P wie Powerplay. Das Überzahlspiel lief im ersten Viertel der Hauptrunde nicht rund, dann steigerten sich die Schwenninger in diesem Bereich. In der Überzahl-Tabelle der DEL liegen sie momentan mit einer Erfolgsquote von 19,58 Prozent auf einem guten fünften Platz.
Q wie Qualität des Kaders. Helmut de Raaf und Manager Jürgen Rumrich stellten die Mannschaft aus einer Mischung aus erfahrenen ausländischen Spielern und einigen talentierten deutschen Cracks zusammen. Dieses Konzept ging voll auf. Es gab bisher leistungsmäßig noch keinen Ausfall im Team. Optimal wäre es dennoch, wenn sich die Wild Wings punktuell in den kommenden Wochen in einem Mannschaftsbereich noch verstärken würden.
R wie Rumrich. Der Manager arbeitet, wie erwartet, hervorragend mit dem Cheftrainer zusammen. Dies ist der große Unterschied zum Vorjahr, als damals Trainer Stefan Mair und der frühere Manager Alexander Jäger kaum miteinander sprachen.
S wie Straf-Festival. Heiß her ging beim 4:3-Verlängerungssieg der Wild Wings am 22. Oktober gegen Iserlohn. 153 Strafminuten kassierten beide Teams, davon 110 die Schwenninger. Mit Spieldauerdisziplinarstrafen mussten Goalie Joey MacDonald, Damien Fleury und Daniel Schmölz zum vorzeitigen Duschen, bei den Roosters war für Bradley Ross die Partie vorzeitig beendet.
T wie Tore. Als Tabellenzwölfter haben die Schwenninger die drittmeisten Treffer (77) erzielt. Dafür sind sie aber auch mit 90 Gegentreffern führend in der anderen Sparte der Liga. Die torreichste Begegnung bisher für die Wild Wings war das 7:8 nach Verlängerung gegen die Eisbären Berlin.
U wie Unterzahl. Diese war eine der Stärken der Wild Wings in den ersten 26 Spielen. Sie sind in der DEL das sechstbeste Unterzahl-Team mit 82,2 Prozent.
V wie Verletzte. In diesem Punkt ist der Kader bisher gut durch die Runde gekommen, was vor allem mit einer akribischen Trainingsdosierung und mit einer leistungsstarken Physiotherapie-Abteilung zu begründen ist. Natürlich gehört auch Glück dazu. Kein Spieler, bis auf Jukka Voutilainen, fiel über einen längeren Zeitraum aus. Die Mannschaft ist absolut fitter und läuferisch stärker als in den vergangenen Jahren. Da hatten die Schwenninger DEL-Konkurrenten beim Thema "Verletzungen" in den vergangenen Monaten schon ganz andere Probleme.
W wie Wölfe. Die Kooperation zwischen Schwenningen und Freiburg läuft gut. Förderlizenzspieler Steven Billich hatte allerdings bislang nur wenige Einsätze beim Zweitliga-Aufsteiger. Der talentierte Niko Linsenmaier wurde Opfer eines Gewaltverbrechens und unternimmt in diesen Tagen wieder seine ersten Schritte im Training. Der gebürtige Donaueschinger Marcel Kurth war vor Saisonbeginn von manchem "Experten" auch mehrmals im Freiburger Trikot erwartet worden. Doch der Stürmer zeigte gute Leistungen bei den Wild Wings.
X wie X-Tip. Der Wettanbieter ist der Liga-Sponsor der DEL. Der Vertrag läuft zum Saisonende aus. Gut möglich, DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke ließ dies vor einer Woche anklingen, dass es im Sommer wohl einen Nachfolger gibt.
Y wie Youngster. Die Youngster um Marcel Kurth (21), Daniel Schmölz (23), Alex Trivellato (22) oder Tim Bender (20) machen bisher eine gute Figur. Kurth hat schon zwölf Scorerpunkte auf dem Konto, Sturmkollege Schmölz vier. Trivellato und Bender verteidigten bisher in allen 26 Spielen.
Z wie Zuschauer. Bei diesem Thema haben die Wild Wings noch ein wenig Luft nach oben. Mit 3799 Zuschauern im Schnitt liegt Schwenningen momentan nur an drittletzter Stelle in der DEL. Die Mindest-Zielsetzung der Verantwortlichen vor Saisonbeginn lag bei 3800 Fans im Schnitt. Belastend für den Geldbeutel der Zuschauer ist sicherlich auch die Konstellation, wenn an einem Wochenende gleich zwei Heimspiele anstehen. Hier wartet der DEL-Spielplan in dieser Saison mit einigen Überraschungen auf. So haben die Neckarstädter nun bis Weihnachten gleich vier Heimduelle in Folge in wenigen Tagen vor sich.