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Eishockey Mit Rollator zur Zeremonie?

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Die ehemalige Kugelstoßerin Nadine Kleinert zeigt ihre Medaillen (von links) aus Athen (Silber, 2004), Helsinki (Gold, 2012) und Berlin (Silber, 2009). Foto: Woitas Foto: Schwarzwälder Bote

Ein Vierteljahrhundert lang gibt sich Nadine Kleinert die Kugel. Zur Leichtathletik-WM ist sie eingeladen, um sich nachträglich eine Medaille abzuholen. Wieder mal. Aber die 43-Jährige kann nicht – sie muss Pakete austragen.

Vom nahen Kyffhäusergebirge grüßt Kaiser Barbarossa, über dem idyllischen Stausee Kelbra lacht die Sonne. Nadine Kleinert genießt dieses Panorama. Sie hat heute einen freien Tag, und zum See kommt die ehemalige Weltklasse-Kugelstoßerin immer wieder gern. "Ich habe mein kleines Peloponnes wiedergefunden, hier in Thüringen am Stausee", sagt die gebürtige Magdeburgerin. Peloponnes? Muss sie erklären.

Rückblende: Im antiken Olympia erlebt sie am 18. August 2004 einen der schönsten Erfolge und emotionalsten Momente ihrer Karriere, die immerhin ein Vierteljahrhundert währt: Beide Kugelstoßfinals gehen an der Geburtsstätte Olympias über die grüne Bühne, auf der Halbinsel Peloponnes im Süden Griechenlands.

"Da kriege ich heute noch Gänsehaut", gesteht die 43-Jährige. "Wer hat schon mal 160-Kilo-Mannsbilder gesehen, die geheult haben, als sie durch diesen Torbogen gegangen sind?" Über Bronze jubelte die Leichtathletin damals ausgelassen, und schon wenige Tage später weiß Kleinert, dass sie sogar Silber hat.

Wegen Dopings verliert die Russin Irina Korschanenko Gold, Kleinert rückt auf und bekommt ein halbes Jahr später die Silberplakette. Unglaublich: Bronze ist bis heute – mehr als 15 Jahre nach Olympia in Olympia – nicht wieder vergeben worden. Rund ein Dutzend Mal wird Kleinert nach Dopingfällen ihrer Konkurrentinnen bis heute hochgestuft; zum ersten Mal 1999. Hammerwerferin Betty Heidler bekommt im Vorjahr nachträglich Olympia-Silber von den Sommerspielen 2012 in London; elf Jahre nach den Spielen 2008 in Peking wird auch der früheren Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll Silber nachgereicht.

"Die olympische Medaille habe ich damals beim Neujahrsempfang des NOK bekommen. Da durfte ich extra noch auf eigene Kosten nach Frankfurt reisen", grummelt Kleinert. Bronze von der Hallen-EM 2004 in Budapest hat sie "irgendwann mal mit der Post bekommen". Ihr Trainer Klaus Schneider hat dann "noch ’ne Flasche Sekt gekauft und sie mir beim Training überreicht".

Sie führt eine Liste, in einer gelben DIN-A4-Mappe, "wo das Gröbste draufsteht. Aber ich hab aufgehört zu zählen." Gerade habe sie erfahren, dass sie schon wieder mal eine Plakette mit Verspätung bekommt: Silber statt Bronze von der WM 2007 in Osaka. "Zwölf Jahre später!" Der Weltverband IAAF hat sie zur WM nach Doha eingeladen, die am 27. September startet. "Das ist eine Geste, ja, aber ’tschuldigung: Die arbeitende Bevölkerung hat keine Zeit."

Ergebnislisten sind für sie nur noch "schwarze Tinte auf weißem Papier. Und Papier ist geduldig." Und außerdem: "Ich kann mich über nachgereichte Ehrungen überhaupt nicht mehr freuen. Aus Spaß habe ich schon mal gesagt, obwohl ich es wirklich ernst meine: Die letzte Medaille werde ich wahrscheinlich mit dem Rollator abholen." Oder sich den Brief mit dem Edelmetall selbst zustellen. "Gut möglich", sagt Kleinert, "wenn ich diese Tour habe."

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