Am 29. April kommt es zwischen den Haien und dem ERC Ingolstadt in Köln zum alles entscheidenden Match um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft. Der Trainer der Haie und der des ERC ähneln sich in manchen Dingen, was nicht verwunderlich ist.
Am 29. April kommt es zwischen den Haien und dem ERC Ingolstadt in Köln zum alles entscheidenden Match um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft. Der Trainer der Haie und der des ERC ähneln sich in manchen Dingen, was nicht verwunderlich ist.
Ingolstadt - Diese Finalserie zehrt mächtig an den Nerven. Da kann es schon vorkommen, dass die mit Adrenalin vollgepumpten Profis nach einem entscheidenden Tor ihre Emotionen beim besten Willen nicht mehr bändigen können. Nach dem goldenen 1:0 von Mirko Lüdemann in der vierten Minute der Verlängerung jubelten die Kölner Haie nur kurz, um sich gleich darauf mit ihren Gegnern vom ERC Ingolstadt eine zünftige, etwa zwei Minuten dauernde Rauferei auf dem Eis zu liefern. Die Haie im Glück, die Ingolstädter gefrustet, weil sie den möglichen Titelgewinn (vorerst) verpasst hatten.
„Es waren wahnsinnig viele Emotionen im Spiel“, gestand selbst der welterfahrene Haie-Trainer Uwe Krupp danach, und zwar sichtlich von den nervlichen Strapazen der 64 Spielminuten gezeichnet. 3:3 steht es damit in der Serie Best-of-seven; an diesem Dienstag (19 Uhr/Servus TV) kommt es zwischen den Haien und dem ERC in Köln zum alles entscheidenden Match um die deutsche Meisterschaft. Ein echtes Endspiel.
Der Trainer der Haie und der des ERC ähneln sich in manchen Dingen, was nicht verwunderlich ist. Niklas Sundblad, aktuell bei Ingolstadt an der Bande, war bis Sommer 2013 Co-Trainer bei Haie-Chef Uwe Krupp. Beide Übungsleiter setzen auf eine defensive Ausrichtung – hinten dicht, lautet die erste Spielerpflicht in Köln wie in Ingolstadt. „Die Philosophie, mit der die Teams gecoacht werden“, sagt der Haie-Trainer, „ist ähnlich. Aber ob die Mannschaften ähnlich spielen, liegt daran, wie die Spieler die Vorgaben umsetzen.“ Die Kölner stellten in dieser Hauptrunde die zweitbeste Abwehr (118 Gegentore) hinter den Hamburg Freezers (116); der ERC kassierte 149 Gegentore, nur fünf Teams standen kompakter.
Was Uwe Krupp und Niklas Sundblad noch verbindet: Sie schätzen schwierige bis fast unlösbare Aufgaben. Der Kölsche Jung Krupp hatte 2011 bei seinem Heimatclub als Coach angeheuert, bei seiner Unterschrift war nicht absehbar, wie am Dom weitergeht. Davor hatten die Kölner vor der Insolvenz gestanden. Krupps Mission war anspruchsvoll, denn er hat den Haie-Anhängern den Titel in Aussicht gestellt. Man traute es ihm zu.
Für den 48-Jährigen sprach, dass er als Bundestrainer die Nationalmannschaft zu einem nie erwarteten vierten Platz bei der WM 2010 geführt hatte. „Ich habe damals nie behauptet, dass wir Weltmeister werden, sondern dass wir es werden wollen“, unterstreicht Uwe Krupp, „ohne großes Ziel muss man nicht antreten.“ Mit Krupp standen die Haie 2012 im Viertelfinale, 2013 unterlagen sie erst im Finale den Eisbären Berlin; nun soll der erste Titel seit 2002 her.
Niklas Sundblad hat was dagegen. Denn auch der Schwede befindet sich auf einer Eishockey-Mission. Der 41 Jahre alte Coach siedelte von Köln in die Diaspora Ingolstadt um, wo der ERC zwar finanziell gesichert dasteht – doch der bayerische Club darbte bis dato vor sich hin mit schwachen Zuschauerzahlen und einer wenig erfolgreichen Nachwuchsarbeit. Kurz: Der ERC Ingolstadt ist nicht die erste Adresse im deutschen Pucksport. Beinahe hätte Sundblad gar Schiffbruch erlitten, es gab heftige Unruhen im Club, es hagelte Kritik gegen den Trainer: Er lasse zu hart und zu lange trainieren; die Spieler kämen auf dem Zahnfleisch daher.
Sundblad stellte sich dem Orkan entgegen. „Kritik ist normal, wenn man verliert“, sagt er rückblickend, „aber man gewinnt keinen Titel im Januar. Jetzt ist das Team topfit, jetzt können wir marschieren.“ Der Schwede hat seinen Männern eingeimpft: Nie aufgeben! „Als wir in der Serie 0:2 gegen Köln zurücklagen“, erzählt er, „haben viele gesagt: Es ist vorbei. Aber wir nicht.“
Was Sundblad und Krupp noch verbindet: Der aktuelle Haie-Coach war als Spieler 1984 und 1986 mit Köln Meister, der Schwede 2002. Am Dienstag jubelt aber nur einer.