Christa und Siegfried Nothacker sind seit 65 Jahren miteinander verheiratet. Ganz freiwillig und ohne Hindernisse war die Hochzeit damals nicht.
Dass die beiden es faustdick hinter den Ohren haben, das haben sie schon vor fast sieben Jahrzehnten bewiesen: Inzwischen sind Christa und Siegfried Nothacker aus Hirsau seit 65 Jahren verheiratet. Der Schalk blitzt immer noch durch, wenn das Paar aus seinem Leben und Alltag berichtet. „Bei uns war es immer lustig“, sagt Christa Nothacker.
Als die beiden sich näherkamen, war die heute 85-Jährige gerade einmal 18, ihr Mann drei Jahre älter. Siegfried Nothacker stammt aus Hirsau, Christa zog als Neunjährige mit ihrer Familie von Gündringen aus dorthin. Anfang der 1950er-Jahre machte Siegfried Nothacker dann in Unterreichenbach eine Ausbildung zum Polsterer und Tapezierer., und seine spätere Frau lernte Einzelhandelskauffrau beim „Walker“. Das Geschäft war in Hirsau eine Institution und ihre Arbeit ihr „Traumberuf“.
Von der Schule her kannten sich die zwei schon ein bisschen, doch es war beim Tanztee im Kursaal, als es funkte. „Da war in Hirsau noch was los“, erzählt Christa Nothacker. Dann kam die Isetta ins Spiel: Das erste Auto, das ihr Schwarm in den 1950er-Jahren besaß.
Mit dem kleinen Flitzer sind sie viel unterwegs
Beim Tanzen habe Siegfried ihr gesagt, er hole sie einmal mit seiner Isetta ab, erinnert sich die Seniorin. „Und dann ist er nicht gekommen“, wirft ihre bessere Hälfte ein. Wegen Krankheit.
Doch die Fahrt wurde nachgeholt und war nur der Anfang. Die beiden Turteltauben unternahmen künftig viele Ausflüge in den Schwarzwald – ins Murgtal, nach Baden-Baden oder auf die Schwarzwaldhochstraße. „Wir haben viele schöne Sachen erlebt“, erinnert sich Siegfried Nothacker.
Dann wurde Christa Nothacker schwanger, und die beiden – damals 21 und 24 Jahre alt – hauten zusammen ab. Natürlich mit der Isetta. In Pforzheim besorgten sie sich zunächst einen falschen Ehering aus Kupfer, um unterwegs überhaupt eine Chance auf ein Hotelzimmer zu haben, und fuhren anschließend mit ihrem kleinen Flitzer nach Mainz. Dort blieben sie, wie sie erzählen, drei Tage lang und schauten sich außerdem das Deutsche Eck in Koblenz und die Loreley am Rhein an. „Wir waren liedrig, gell?“, meint Christa Nothacker lachend. Von unterwegs aus hätten sie dann irgendwann den Bruder von Siegfried angerufen, um Bescheid zu sagen, wo sie sind.
Zurück daheim „musste man es legalisieren“, erzählt Siegfried Nothacker: Am 8. Oktober 1960 heirateten die beiden in der katholischen Kirche in Calw. Doch nicht nur wegen der ungeplanten Schwangerschaft wurde es eine Hochzeit mit Hindernissen. Dass er evangelisch und sie katholisch ist, war damals noch eine Hürde, die in manchen Familien unüberwindbar erschien.
„Wir verstehen uns heute noch“
1961 wurde Tochter Claudia, das erste von fünf Kindern geboren. Inzwischen haben die Nothackers auch zwölf Enkel und einen Urenkel. Hinter ihnen liegt ein langes, gemeinsames Leben voller Erinnerungen und Erlebnisse.
„Wir verstehen uns heute noch“, sagt Siegfried Nothacker. Streits seien immer so gewesen, dass sie weiterzogen – wie ein Gewitter, nach dem die Luft wieder rein ist.
Auch so manches Schwere hat das Paar in fast 70 Jahren zusammen erlebt. „Aber das schweißt uns doch erst recht zusammen“, findet Christa Nothacker. Die beiden erinnern sich gerne an den ersten Zelturlaub am Lago Maggiore oder den Campingplatz am Gardasee, wo es sie 30 Jahre lang hinzog, an Fanreisen zu Sänger Rudy Giovannini in Südtirol oder Urlaube in Amerika, wo ihr Sohn jahrelang lebte.
Dass solche Reisen jetzt, im Alter, nicht mehr möglich sind, und alles etwas langsamer geht, das ist gerade für Christa Nothacker nicht immer leicht zu akzeptieren. Und dennoch: „Wir haben es heute noch schön“, meint ihr Mann, und die 85-Jährige entgegnet: „Mich kriegt er nicht mehr los.“ Nach 65 Ehejahren sind die Nothackers also noch immer zusammen unterwegs – wenn auch ohne Isetta.