Das ist nun wirklich kein alltägliches Jubiläum, 65 Jahre verheiratet zu sein. Mariet und Hermann Schaber feiern Eiserne Hochzeit.
Am 25. März 1961 haben sich die beiden vor dem Standesamt das Ja-Wort gegeben, am 15. April folgte die kirchliche Trauung. „Unser Leben war nicht immer einfach, nicht immer gerade, nicht immer eben“, sagt Hermann Schaber. Das kann in einer so langen Ehe und in einem so langen Leben – beide werden in diesem Jahr 89 Jahre alt – gar nicht anders sein. Und dennoch sind sie dankbar für die bewegte Zeit, die sie erlebt haben. Sie sind ihren Weg bis heute immer gemeinsam gegangen.
Viel zusammen aufgebaut
Zusammen haben sie ihr Geschäft aufgebaut. Zunächst in Hermann Schabers Heimatstadt Rutesheim. Als dort eine weitere Expansion nicht möglich war, kauften sie 1984 in Calw das Geburtshaus von Hermann Hesse, in dem sich damals das Wäschegeschäft Daur befand. Daraus sind dann Mode Schaber, Bett & Bad sowie Luisa am Unteren Ledereck entstanden.
Vom wohl verdienten Ruhestand will das Jubelpaar bis heute nichts wissen. Sie sind noch immer täglich im Betrieb, unterstützen Sohn Piet, der heute die Geschäfte führt. „Inzwischen leben wir gelassener, unseren Möglichkeiten angepasst“, sagt Hermann Schaber.
Sie ist Realistin, er Idealist
Sie haben sich gut ergänzt. „Ich war die Realistin, Hermann der Idealist“, sagt Mariet Schaber. Das sei sonst eher umgekehrt. Sonst würden sich eher Frauen um die kreativen Aspekte kümmern, die Männer um die Zahlen. Bei den Schabers war es umgekehrt und offensichtlich gut so.
Ein verregneter Urlaub kann ein gutes Omen für eine lange Ehe sein. So erinnert sich jedenfalls Mariet Schaber an das schlechte Wetter. Die Laborantin war aus der Gegend von Nijmegen in den Niederlanden ins Lechtal in Tirol gekommen. Hermann Schaber war damals Zeitsoldat und verbrachte dort ebenfalls seine Ferientage. Dort lernten sie sich kennen.
Chance und Herausforderung
Nach dem Umzug von Holland ins schwäbische Rutesheim hat Mariet Schaber vor allem ihren Beruf vermisst. Und hat sich dennoch in das neue Metier des Textileinzelhandels schnell hinein gefunden. 1984 nach Calw gekommen zu sein empfinden beide als Glück. „Wir haben diese Chance und diese Herausforderung angenommen und sind dabei gewachsen“, so Hermann Schaber.
Der Jubilar hat sich in seiner neuen Heimatstadt stark engagiert. So als jahrelanger Vorsitzender des Werberings. Die Familie bewahrt das Andenken an den Literaturnobelpreisträger Hesse. Und als den Veranstaltern von „Calw rockt“, das historische Rathaus wegen seiner Baufälligkeit als VIP-Lounge nicht mehr zur Verfügung stand, ließ Hermann Schaber kurzerhand eine Etage seines Modegeschäfts leer räumen. Das zeigt, dass er seine Grundsätze lebt. Für ihn muss eine Stadt eine Gemeinschaft sein, über eine Identität verfügen und ein Wir-Gefühl vermitteln.
Nicht Umsatz am wichtigsten
Ähnlich sieht es der Geschäftsmann Hermann Schaber. Nicht ein möglichst hoher Umsatz sei das wichtigste Ziel, vielmehr stehen für ihn Kunden und Mitarbeiter im Vordergrund. Mehr als fünf Jahre lang hat er sein Wissen über Modeentwicklung und Einkaufstechnik an Studenten der Texoversum LTD Nagold weitergegeben.
Und natürlich spielt die Familie eine herausragende Rolle. Das Ehepaar hat drei Kinder. Neben Piet sind das Rosi und Koos. Hermann Schaber: „Diese Gemeinsamkeit hat für uns ein Fundament im Glauben und unserem Gottvertrauen.“
Hermann Schaber verweist auf Hesses „Stufen“, eines der meist zitierten Gedichte deutscher Sprache („Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“). Es mahnt uns, so der Jubilar, die eigene Begrenztheit zu erkennen. Denn wie heißt es am Ende des Gedichts: „Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden, wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde.“