Die Schramberger Oberbürgermeisterin hat sich von Facebook verabschiedet. (Archiv) Foto: Stapel

Sie hatte mit einem "Shitstorm" gerechnet, doch die Reaktionen auf den Rückzug von Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr aus dem sozialen Netzwerk Facebook fielen überwiegend positiv aus. Die Mehrzahl der Nutzer zeigte Verständnis für diesen Schritt.

Schramberg - Kurz vor dem Osterwochenende hatte Eisenlohr verkündet, sich von Facebook zu verabschieden – als Grund nannte sie die "auf Empörung ausgerichtete" Kommunikation und Beschimpfungen auf der Plattform. Knapp 150 Reaktionen bekam sie auf diesen Post, fast 100 Nutzer kommentierten Eisenlohrs Ankündigung. Die meisten äußerten ihr Verständnis, viele drückten gleichzeitig ihr Bedauern aus.

"Schade, aber mehr als nachvollziehbar und sehr professionell", meinte etwa ein User. Ein anderer schrieb: "Ich fand es gut, wie nah Sie an den Bürgern waren, aber die Entscheidung ist durchaus nachvollziehbar." Auch ein anderer Kommentator äußerte sich positiv zur Bürgernähe im sozialen Netzwerk. Er habe es als angenehm empfunden, "hier unkompliziert Informationen zu erhalten und gefühlt Einblicke in den Alltag der OBin zu erhalten".

Eine Userin zollte Eisenlohr "Respekt, dass Sie das so lange ausgehalten haben. Der Ton hier wird immer befremdlicher und das muss man sich nicht antun". Als "unterirdisch, unverschämt, und erschreckend", bezeichnete eine andere Kommentatorin das Niveau.

Auch Kritik an Rückzug

Bedauern kam auch von Followern, die in Schramberg aufgewachsen sind und inzwischen weiter weg leben: So sei es immer schön gewesen, "von Ihnen zu hören", schrieb eine Userin aus Wiesbaden. Eine Kommentatorin aus Stuttgart habe "Ihre Postings gerne auch mal als Aufhänger für ein Telefonat mit den Eltern genutzt". Dennoch könne sie die Entscheidung verstehen: "Auch wenn man es nie allen recht machen kann, so ist das Niveau auf den sozialen Medien wirklich leider mittlerweile oft unter der Gürtellinie. So ist ein konstruktiver Austausch auf Augenhöhe nicht möglich und die Zeit, die man hier verbringt, kann man für sinnvollere Dinge nutzen", meinte sie.

Einige User indes kritisieren den OB-Rückzug: So bezeichnete es eine Kommentatorin als "problematisch", sich "einfach aus der Affäre zu ziehen". Manche erwarteten, dass eine Person des öffentlichen Lebens "schon auch einen gewissen Gegenwind aushalten können" müsse. Ein weiterer bedauerte, dass die OBin "sich so aus einem Teil der Verantwortung entzieht". Nicht nachvollziehen konnte eine Kommentatorin Eisenlohrs Begründung: "Wo sind die Haterkommentare?", fragte sie sich. Sie habe "selten so eine Freundlichkeit in der Gesamtheit erlebt. Schramberg ist da vorbildlich. Fragen stellen muss möglich sein – besonders in diesen Tagen", forderte sie.

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