Das Eisenbahnmuseum Schwarzwald in der H.A.U. ist einzigartig. 3000 Stunden Bauzeit wird für eine einzige Modelllokomotive im Maßstab 1:22,5 benötigt.
Wer vom Uhren- und Automuseum „Erfinderzeiten“ nur wenige Schritte zurücklegt, wechselt gewissermaßen von der Straße auf die Schiene. Denn fast gegenüber wartet, ebenfalls auf dem ehemaligen Firmengelände der Hamburg-Amerikanischen Uhrenfabrik (H.A.U.) in Schramberg, das „Eisenbahnmuseum Schwarzwald“, ein weiterer Baustein der Museumslandschaft der Stadt.
Doch wer glaubt, hier nur auf eine weitere Modellbahnanlage zu treffen, der irrt, wie Michael Herberger mit unüberhörbarem Stolz erläutert. Denn hier sind die Lokomotiven, Tender und Waggons nicht nur größer als woanders, sondern jedes Modell, das in den Vitrinen zu sehen ist, ist ein handgefertigtes Einzelstück.
Seit den 1980er-Jahren gibt es die Interessengemeinschaft Spur 2, eine Gruppe von Modelleisenbahn-Enthusiasten, die sich dem exakten Nachbau von historischen und modernen Eisenbahnmodellen im Maßstab 1:22,5 verschrieben hat. Modelle dieses besonderen Maßstabs kann man nicht kaufen. Sie sind mit akribischer Genauigkeit Stück für Stück eigenhändig aufgebaut. Aus unfassbar vielen Einzelteilen entstehen nach exakten Plänen, Fotos und technischen Unterlagen Dampf- und Elektroloks, die den Originalen bis auf die letzte Schraube gleichen.
„Den kleinsten Fehler würden manche sofort sehen“, so Herberger. Die Gruppe fühlt sich absoluter Genauigkeit verpflichtet. Rund 3000 Arbeitsstunden stecken in so einem Modell, rund 4000 Einzelteile werden verbaut.
Aber eine Eisenbahn, die nicht fährt, ist nur halb so schön. Die technischen Wunderwerke sollen der Öffentlichkeit auch „in action“ präsentiert werden. Also muss es auch Städte, Straßen, andere Fahrzeuge, Menschen und Tiere, aber auch eine ansprechende Landschaft geben.
Und so etwas braucht Platz. Rund 750 Quadratmeter bedeckt die einzige Daueranlage in diesem Maßstab. Auch hier stecken unzählige Arbeitsstunden. Beispielhaft soll nur eine Zahl genannt werden: Unter den Schienen, auf denen die Züge fahren, liegen rund 10000 Schwellen, auch handgefertigt.
Neben den Schienen pulsiert das Leben. Ausflügler gönnen sich einen Kaffee, an einem Schwimmbecken herrscht buntes Treiben, an einer Steinzeit-Serie des SWR wird gedreht oder in einem Schotterwerk ist der Maschineneinsatz zu beobachten. Und wer genauer hinsieht, wird noch viel, viel mehr entdecken.
Die Figuren sind groß genug, um auch Details deutlich zu machen. Manche Figurengruppe wurde dabei offensichtlich mit einem Schmunzeln gestaltet.
Eine solche Anlage wird nie fertig. Ständig wird ergänzt, repariert, oder es werden neue Ideen umgesetzt. Rolf Wenzel lässt sich an seinem Tisch vom Trubel ringsum nicht ablenken. Er arbeitet an einer Straßenpflasterung, die die Schienen kreuzt. Mit ruhiger Hand und viel Sachverstand arbeitet er an seiner Aufgabe. Es soll ja möglichst „echt“ aussehen.
Ringsum stehen Vitrinen mit den Meisterwerken, die gerade nicht fahren oder man zeigt einfach mal die Einzelteile in langen Reihen. Zu sehen sind laut Herberger 700 handgefertigte Modelle der Spur 2. Die weltgrößte Sammlung in diesem Maßstab. Hinzu kommen 300 Modelle der Firma Märklin in anderen Spurweiten. Ein Bähnchen ist sogar in einem Brillen-Etui untergebracht.
Das Eisenbahnmuseum ist dabei durchaus auch interaktiv. Über 20 Knöpfe im umlaufenden Geländer kann man die verschiedenen Züge in Bewegung setzen. Ein besonderer Spaß für Kinder. Eine weitere Besonderheit: Neben den normalen Öffnungszeiten bietet das Museum beispielsweise einmal im Monat eine spezielle Kinderführung (Papa darf natürlich auch mitgehen).
So ist das Eisenbahnmuseum Schwarzwald ganz bewusst ein Ziel für die ganze Familie.
Info
In einer kleinen Serie
stellen wir die Schramberger Museen vor und zeigen auf, warum sich ein (erneuter) Besuch lohnt. Heute: Eisenbahnmuseum Schwarzwald, HAU 22 in 78713 Schramberg, Öffnungszeiten vom 15. März bis 31. Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, in der übrigen Zeit dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, Karten sind erhältlich im gegenüber liegenden Museum „Erfinderzeiten“