Die in der Jettinger Willy-Dieterle-Halle ausgestellten Modellbahnen faszinierten Jung und Alt. Foto: Priestersbach

Die Jettinger Willy-Dieterle-Halle verwandelte sich in ein Mekka für große und kleine Modelleisenbahn-Fans. Modelle in allen Spurweiten sowie etliche Wunderwerke der Technik konnten von den Besuchern zwei Tage lang bestaunt werden.

Für die Ausrichter der Internationalen Interessen-Gemeinschaft Spur Null (IG Spur Null) war es eine Premiere. Denn der Verein hatte sich im Frühjahr 2020 in Jettingen gegründet – und dann kam erst mal Corona. Umso mehr freute sich IG-Präsident Maximilian Sailer, dass der 16 Mitglieder zählende Verein jetzt die erste Modellbahn-Ausstellung auf die Beine stellen konnte. 22 Aussteller und Händler aus der Region und aus Süddeutschland, aber auch aus dem benachbarten Ausland waren mit ihren Exponaten ins Gäu gekommen.

 

„Die Resonanz war vor allem am Sonntag gut und wir sind zufrieden“, erklärte Maximilian Sailer. Allerdings wusste er mit Blick auf den Altweibersommer auch, dass das Wetter fast zu schön für eine Hallenveranstaltung war. Es werde auf jeden Fall eine Neuauflage geben.

Besonders freuten sich die Veranstalter, dass sie mit Hagen von Ortloff eine bundesweit bekannte Kapazität der Eisenbahnszene als Aussteller gewannen. In seiner Sendung „Eisenbahn-Romantik“ im Dritten Programm hatte er seine Zuschauer 25 Jahre lang mit Berichten aus der Welt der Eisenbahn begeistert. Mittlerweile betreibt der 74-Jährige einen Youtube-Kanal rund um das Thema Modelleisenbahnen.

Hagen von Ortloff besucht Ausstellungen

Daneben ist Hagen von Ortloff auf diversen Ausstellungen unterwegs – und für sei es klar gewesen, dass er auch für das Event in Jettingen sofort zusagt. „Ich finde es toll, wenn kleinere Vereine so eine Ausstellung auf die Beine stellen.“ In seinen Augen hat es das faszinierende Hobby der Modelleisenbahnen verdient, „in allen Facetten gezeigt zu werden“. Zusammen mit seinen Freunden Lutz Mäder und Rolf Brändle präsentierte er erstmals Modelle in der Spur Null, darunter große Triebwagen und Fahrzeuge aus den 30er-Jahren.

„Das ist jetzt auch für uns ein Experiment und ein Rückblick auf die Zeit, als die Spur Null noch die gängige Größe war“, machte Hagen von Ortloff deutlich. Und bei ihm stehen diese teils wertvollen Modelle im vierstelligen Bereich nicht in der Vitrine, sondern laufen auf den Gleisen – betrieben unter anderem mit Strom aus Batterien oder aufgezogen wie ein Uhrwerk. „Das ist ein wunderbares Hobby, bei dem jeder auf seinem Gebiet ein Fachmann ist“, erklärte von Ortloff.

Noch nie ein Modell gekauft

Das Etikett „Fachmann“ trifft besonders auf den ehemaligen Modellbaumeister Harthmut Ludwig aus Bad Lauterberg zu, der feinmechanische Meisterwerke des Modellbaus herstellt. Dazu entwirft er zunächst Konstruktionszeichnungen auf dem Reißbrett, bevor er die historischen Dampf-Lokomotiven im Maßstab 11,3 herstellt. Bis so ein Modell fertiggestellt ist, ziehen gut und gerne zweieinhalb Jahre ins Land, wobei Hartmuth Ludwig betont: „Ich habe noch nie ein Modell verkauft“.

„Das ist ein Hobby, das nicht nur Spaß macht, sondern auch entspannt“, unterstrich Hermann Fauser aus Tübingen bei einem Rundgang durch die Willy-Dieterle-Halle. Das Vorstandsmitglied der IG Spur Null ist seit seinem fünften Lebensjahr vom Märklin-Eisenbahn-Virus infiziert – zumal „hier noch mit Begeisterung für die Technik selbst etwas konstruiert wird und Anlagen errichtet werden“.

„So haben einst die Großeltern gespielt“, berichtet Hermann Fauser mit Blick auf die Modellbahnen der Spur Null. Die habe zwar den Vorteil, dass man keine Brille brauche, aber den Nachteil das viel Platz benötigt wird – also einen großen Keller oder Platz auf dem Dachboden.

Basteltisch für den Nachwuchs

Auch für die jüngeren Besucher wurde etwas geboten. So konnten an einem Basteltisch unter Anleitung der Minibahner aus Leinfelden ein Diorama mit einem Häuschen herstellen. „Wir wollen den Kindern die Modellbahn-Bauerei etwas schmackhaft machen – und das wird hier richtig gut angenommen“, stellte Stefan Grüneisen aus Herrenberg fest.