Auf der Wutachtalbahn verkehren wieder Güterzüge. Hier ist der Zug bei der ersten Fahrt in Richtung Blumberg im Bahnhof Weizen zu sehen. Die bislang unbekannte Nutzung durch Güterverkehr soll überschaubar bleiben. Foto: Gerhard Klaus

Die Route der Sauschwänzlebahn wird als Ausweichstrecke genutzt. Das sorgt für eine zusätzliche Belastung auf den Gleisen und Brücken.

Wer kürzlich eine Dampflok über die malerische Brücke bei Epfenhofen dampfen sehen und fotografieren wollte, hat möglicherweise eine Überraschung erlebt. Anstelle der erwarteten Dampflokomotive DB-50 2988 war ein normaler Güterzug zu sehen, der statt Dampf in die Luft zu blasen eine lange Kette fensterloser Waggons mitführte.

 

Grund für die Aufnahme von Güterzügen auf der historischen Strecke ist die Streckensperrung der Rheintalbahn bei Rastatt. Diese wurde aufgrund von Bauarbeiten im Zusammenhang mit der Bergung einer Tunnelbohrmaschine, die vor Jahren dort havariert war, nötig. Um den Warenverkehr in der Region dennoch sicherzustellen, werden nun Züge über alternative Routen umgeleitet – eine davon ist die Strecke, auf der sonst nur die Sauschwänzlebahn ihre Kreise zieht.

„Seit vorletzter Woche nutzen wir die Strecke als Umleitungsroute für den Güterverkehr“, sagt Christian Brinkmann, Geschäftsführer der Sauschwänzlebahn. Vier Züge des Unternehmens Stock Transport seien bereits über die Gleise gerollt, um die Industrie am Hochrhein zu versorgen. Dabei handle es sich überwiegend um Recyclingmaterialien, die aufgrund ihres geringen Gewichts von den historischen Brücken entlang der Strecke getragen werden können.

Sicherheit spielt zentrale Rolle

Die Sicherheit spielte bei der Entscheidung für den Güterverkehr eine zentrale Rolle. „Wir haben uns gefragt, ob die Brücken das zusätzliche Gewicht der Güterzüge aushalten können“, berichtete Brinkmann. Nach eingehenden Untersuchungen und Gutachten eines Brückenexperten der Deutschen Bahn gab es grünes Licht. Allerdings wurden strikte Auflagen erteilt: „Ganz schwere Container dürfen nicht über die Brücken fahren“, stellte Brinkmann klar.

Neue Möglichkeiten

Trotz der positiven Bewertungen betonte Brinkmann, dass zusätzliche Belastungen auf Dauer Auswirkungen haben könnten. „Mit jeder Tonne, die mehr über die Brücken fährt, sinkt deren Lebensdauer – zumindest theoretisch“, erklärte er. Daher wird der Güterverkehr auf ein bis zwei Züge pro Woche beschränkt, was für die Anwohner eine gewisse Beruhigung sein dürfte.

„Seit vorletzter Woche nutzen wir die Strecke als Umleitungsroute für den Güterverkehr“, sagt Christian Brinkmann, Geschäftsführer der Sauschwänzlebahn. Foto: Thomas Wuttke

Mit der Aufnahme des Güterverkehrs eröffnen sich für die Sauschwänzlebahn neue Möglichkeiten. „Museumsbahnen werden nicht so gefördert wie normale Strecken“, erklärte Brinkmann. Durch die Nutzung als Gütertransportweg erhalte die Strecke einen anderen Status beim Landesverkehrsministerium und könne für Infrastruktursanierungen besser gefördert werden. Dies sei auch der Grund, warum der Güterverkehr für die Sauschwänzlebahn überhaupt infrage kam.

Der Betrieb von Güterzügen auf der Strecke bringe jedoch auch bürokratische Herausforderungen mit sich. „Wir müssen die Trassenpreise von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen und eine diskriminierungsfreie Nutzung unserer Strecke gewährleisten“, erklärte Brinkmann. Dies bedeutet, dass die Strecke von jedem genutzt werden darf, der die technischen Anforderungen erfüllt. Die Verantwortlichen der Sauschwänzlebahn haben keine rechtliche Möglichkeit, bestimmte Unternehmen oder Transporte auszuschließen. Ein wichtiges Thema ist der potenzielle Lärm und die zusätzliche Belastung durch die Güterzüge für die Anwohner. Brinkmann versicherte, dass Güterverkehr grundsätzlich nur tagsüber stattfinden werde.

Historische Strecke

Bisher habe es nur vereinzelt Rückmeldungen von Anwohnern gegeben. Eine systematische Information über die neue Nutzung der Strecke sei jedoch noch nicht erfolgt. „Es ist uns selbst noch nicht klar, wie regelmäßig die Güterzüge fahren werden“, sagte Brinkmann. Eine hohe Frequenz sei jedoch nicht zu erwarten.

Die Sauschwänzlebahnstrecke bleibt in erster Linie eine Museumsbahn, doch die Aufnahme von Gütertransporten bietet wirtschaftliche Vorteile und sichert gleichzeitig auch den Erhalt der historischen Strecke. „Es wird nicht so sein, dass hier bald alle fünf Minuten ein Güterzug fährt“, beruhigte Brinkmann. Der Betrieb werde sich auf ein bis zwei Zugpaare pro Woche beschränken.

Die Museumsbahn

Sauschwänzlebahn
Die Sauschwänzlebahn wird seit 1977 als eine inzwischen überregional bekannte Museumsbahn betrieben, die bis 2006 über zwei Millionen Fahrgäste beförderte. 2014 wurde die Strecke von der Bundesingenieurkammer als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland ausgezeichnet. Das für die Gesamtstrecke zuständige Eisenbahninfrastrukturunternehmen ist die Bahnbetriebe Blumberg GmbH & Co. KG, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Blumberg. Die Strecke führt durch das Wutachtal über 25 Kilometer von Blumberg-Zollhaus nach Weizen und beinhaltet vier Brücken und sechs Tunnel.