Die Gruppe trifft sich meist am Wochenende zum gemeinsamen „Genussbaden“. Die Badestellen können bei Rangendingen, Empfingen, Schömberg, aber auch am Bodensee, sein. Foto: Dietrich

Das Immunsystem stärken, die Muskulatur der Blutgefäße trainieren und zusammen eine schöne Zeit in einem kalten Fluss zu haben ist das Ziel von Eisbaden. Alexander Dietrich erzählt, wie er zu diesem Hobby gekommen ist und was ihn daran fasziniert.

Wenn morgens Dächer und Bäume von Raureif überzogen sind und die Scheiben des Autos erst einmal mit klammen Fingern freigekratzt werden müssen, möchte manch einer lieber gleich im warmen Bett liegen bleiben.

 

Andere wollen bei solchen Temperaturen im Neckar baden – wie Alexander Dietrich. Er sei als Kind am Hochrhein aufgewachsen und dort regelmäßig in der Nähe des Rheinfalls baden gewesen, blickt er zurück.

Die Lösung: Kaltbaden

„Egal, wo ich später gewohnt habe, immer war ich auf der Suche nach Badeseen“, beschreibt er seine Begeisterung fürs Baden. Doch habe sich dabei das Problem der zeitlich begrenzten Badesaison ergeben – in Baden-Württemberg dauert diese in der Regel etwa vom 1. Juni bis zum 15. September.

„Leider ist das nie lang genug“, klagt Dietrich – und kommt auf sein Hobby zu sprechen: „Außer man entscheidet sich fürs Kaltbaden.“

Einfach ein Genuss

Wobei man da schon differenzieren müsse. So sei die Bezeichnung „Kaltbaden“ bei einer Wassertemperatur zwischen sechs und 15 Grad geläufig. Von null bis fünf Grad hingegen spreche man eher von „Eisbaden“.

Doch so genau sehe er das auch nicht, und nennt seinen kühlen Badespaß deshalb schmunzelnd „Genussbaden“.

Stress für den Körper

„Das Gefühl danach, wenn der gesamte Körper durchblutet wird, der mentale Effekt, es ‚wieder mal geschafft‘ zu haben, ist einfach überwältigend“, kommt er ins Schwärmen.

Doch wie entsteht dieser geradezu euphorische Zustand, obwohl man eigentlich bibbern und Zähneklappern müsste?

Eisbaden ist zunächst einmal eine ausgesprochene Stresssituation für den Körper“, erklärt Hanns-Christian Gunga vom Zentrum für Weltraummedizin und Extreme Umwelten an der Berliner Charité.

Wenn man in kaltes Wasser steige, ziehe sich das Blut in den Körperkern zurück. Als Reaktion darauf wird die Haut danach verstärkt durchblutet.

Eine große Gruppe

Durch regelmäßiges Eisbaden werde auch die Gefäßmuskulatur trainiert, da die Blutgefäße geschlossen und bei Hitze geöffnet würden.

Zu Beginn der kühlen Freizeitbeschäftigung sei er in Sulz meist allein gewesen, berichtet Dietrich. Doch über die App Meet5, mit der man selbst Treffen in seiner Region starten kann, habe er neue Kontakte für seine Idee gesucht.

„Inzwischen sind wir eine tolle Gruppe im Umkreis von 30 bis 40 Kilometer von Sulz“, beschreibt der das Ergebnis. An den Wochenende treffe man sich meist an unterschiedlichen Badestellen. „Rangendingen, Empfingen, Schömberg, aber auch mal der Bodensee“, zählt er einige auf.

Das Geheimnis: Adrenalin

Das Kuriose daran: „In der Gruppe sind viele Anfänger – und definitiv niemand, der kaltes Wasser mag“, verrät er.

Doch das Erlebnis, nach der Kälte die innere Wärme am eigenen Körper zu spüren, sei eben doch ein Ansporn.

Und das liegt an den Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin, die ausgeschüttet werden. Sie führen nämlich dazu, dass im Fettgewebe Wärme produziert wird.

Schutz gegen Infekte

Zugleich unterdrückten die Hormone auch erst einmal das Immunsystem, weiß Stefan Kwast vom Helios Health Institute in Leipzig. Ein ähnlicher Effekt sei etwa auch bei Sport nachweisbar.

Regelmäßiges Training führe schließlich dazu, dass der Körper besser mit Infektionen umgehen könne.

Training in Gemeinschaft

Gunga empfiehlt, bei der Kälteanpassung langsam anfangen, um sich dann hin zu kühleren Temperaturen zu steigern. Auch solle man nie alleine Eisbaden gehen und nur kurze Zeit im Wasser bleiben.

Dietrich sieht das genauso: „Gemeinsam macht es einfach mehr Spaß“, ist er überzeugt. Und freut sich über neue „Mitbader“. Voraussetzungen: Man müsse gesund und mobil sein.