Robert Ulke aus Königsfeld gibt Einblick in seinen facettenreichen Beruf als Schädlingsbekämpfer – ein außergewöhnlicher Job, der weit mehr umfasst als viele vermuten.
Der Köder ist vollständig aufgefressen. Für Robert Ulke ist klar, dass in dieser Kammer mindestens eine Mäusepopulation lebt. Vor zehn Tagen war er schon einmal hier. In einer dunklen Abstellkammer hatte er zerfetzte Gelbe Säcke entdeckt, dazwischen Mäusekot. Ein klares Zeichen. Der Schädlingsbekämpfer stellte eine Köderbox auf – gefüllt mit einer giftgrünen Paste – und verließ das Haus mit der Gewissheit, bald zurückkehren zu müssen.
Der erste Kontakt zum Beruf, war in der achten Klasse, als sein Stiefvater ihm vorschlug, sein Schulpraktikum als Schädlingskämpfer zu machen. Ulke probierte es aus, blieb hängen und fand gefallen am Beruf. Später absolvierte er beim selben Unternehmen seine Ausbildung. „An dem Job gefällt mir die Abwechslung und das Aufeinandertreffen mit Menschen jeder Art“, sagt Ulke.
Draußen ist es feucht und kalt. Es ist einer dieser grauen Tage, an denen man lieber drinnen bleiben würde. Doch für Ulke beginnt der Arbeitstag hier – vor einem unscheinbaren Wohnhaus, hinter dessen Wänden sich seit Tagen ungebetene Gäste verstecken.
Solche Einsätze sind Alltag für den 35-Jährigen. Sein Wecker klingelt meist um 6 Uhr morgens. Kaffee, E-Mails, Angebote, Rechnungen – so beginnt ein gewöhnlicher Arbeitstag. Danach geht es von Einsatz zu Einsatz: Wohnungen, Firmen, Lagerhallen, Einfamilienhäuser – jeder braucht ihn.
Auf der Mäusejagd
Die Paste, die der Schädlingsbekämpfer vor zehn Tagen deponierte, enthält sogenannte Antikoagulanzien – Blutgerinnungshemmer. Sie sorgen dafür, dass die Mäuse und Ratten innerlich verbluten, meist innerhalb von drei bis fünf Tagen. Damit keine Hunde, Katzen oder kleine Kinder an das Gift gelangen, befindet sich der Köder in einer verschlossenen Box. Ulke ersetzt die Paste, platziert die Box zurück in die Ecke und wird in circa einer Woche wieder kontrollieren.
Nun ist er seit zwölf Jahren als Schädlingsbekämpfer tätig. In Königsfeld führt er sein eigenes Unternehmen „Hitman Pestcontrol“. Seine Frau unterstützt ihn dabei und übernimmt die Buchhaltung des Unternehmens. Ulke selbst ist viel draußen unterwegs, oft weit über den Schwarzwald-Baar-Kreis hinaus. In der näherliegenden Region gibt es nur zwei weitere Einzelkämpfer wie ihn, in Blumberg und Wellendingen.
Rund um das Haus sind weitere Köder aufgestellt. Zum Glück der Anwohner sind diese nicht befallen. Doch seine Arbeit ist noch nicht vollendet. Der Schädlingsbekämpfer geht langsam an den Wänden entlang und sucht nach kleinen Löchern und Spalten. Der 35-Jährige erklärt, dass er nach Stellen sucht, an denen die Mäuse in das Haus gelangen könnten. Manchmal fertigt er Skizzen vom Gebäude an, um sich Köderpläne machen zu können.
Jede Menge Schädlinge
Zu den Schädlingen die er bekämpft, gehören neben Mäuse und Ratten auch Käfer, Ameisen, Wespen, Flöhe, Bettwanzen, Motten, Fliegen und Schaben – die Liste ist lang. Es gibt aber auch Schädlinge, die er nicht töten darf: Siebenschläfer, Tauben und Marder darf er nur vertreiben. Marder dürfen zwischen der Aufzuchtzeit nicht gefangen oder getötet werden, um das Verhungern von Jungen zu verhindern. Siebenschläfer sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt und Tauben gelten zu den Wirbeltieren, die dem Tierschutz unterliegen.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Beruf gefährlich für die Gesundheit sein kann. Beim Sprühen oder Nebeln von Chemikalien trägt Ulke Schutzanzug, Maske und Brille. Die eingesetzten Chemikalien dürfen nicht eingeatmet werden. Auch das Entfernen von Schädlingskot, welche Krankheitserreger enthalten, ist Teil des Berufs. Dennoch schreckt ihn das nicht ab.
Sein wohl kuriosester Einsatz führte ihn auf eine Kompostierungsanlage. Dort war der Befall an Kakerlaken so massiv, dass sie zum Teil von der Decke fielen. „Es sah aus, als würde sich der Boden bewegen“, erzählt Ulke. Am nächsten Tag wurden schubkarrenweise die Kakerlaken entsorgt.
Als Ulke den Hof verlässt, ist das Mäuseproblem noch nicht gelöst. Aber der nächste Schritt ist getan. In einer Woche wird er zurückkehren, die Box kontrollieren. Für die meisten Menschen bleibt Schädlingsbekämpfung unsichtbar – für ihn ist sie tägliche Routine. Ein Beruf, den kaum einer wählt, aber ohne den viele Probleme ungelöst bleiben würden.