Vielfalt ist da – aber anders als früher. Zwei Geschäftsleute äußern sich zur Lage des Einzelhandels in der Innenstadt von Weil am Rhein.
Wenn einer das Leben in der Weiler Innenstadt kennt, dann ist es Martin Frey. Sein Leben lang ist er mit der Weiler Hauptstraße verbunden. Aufgewachsen ist er im Haus hinter dem heutigen Motorradgeschäft Louis, wo sein Großvater, der „Motsche-Bäck“, früher eine Bäckerei betrieben hat.
Zusammen mit seinem Sohn Lukas und seiner Tochter Laura-Marie, welche seit einigen Jahren die Geschäftsführung innehat, betreibt Frey das Sporthaus Gemo in zweiter und dritter Generation.
1953 war es von seiner sportbegeisterten Mutter Gertrud Motsch gegründet und nach ihren Anfangsbuchstaben benannt worden.
Laura-Marie Frey führt auch das „Café Frey“ in unmittelbarer Nähe – früher „Café Lamm“ –, mit dem die Freys 2022 erfolgreich den Sprung in den Bereich der Gastronomie gewagt haben.
Der erste Standort von Gemo war im Unterbaselweg, später weiter unten an der Hauptstraße nahe der Einkauf-Insel. Aktuell befindet sich das Geschäft in zentraler Lage zwischen Schlaufenkreisel und Sparkassenplatz, also genau dort, wo nach dem Willen der Stadtverwaltung vor einigen Jahren eine Fußgängerzone eingerichtet werden sollte, die in einem Bürgerentscheid krachend scheiterte.
Wenn Frey so zurückschaut, fällt ihm auf, dass die frühere Vielfalt der Geschäfte in der Weiler Hauptstraße nicht mehr da ist. Spontan fallen ihm ein Möbelgeschäft, ein Buchladen, ein Schreibwarengeschäft, mehrere Drogerien, ein Porzellan- und ein Delikatessenladen ein, die es nicht mehr gibt.
Aus Skepsis wurde Überzeugung
Dass es heute die Einkauf-Insel und die Dreiländergalerie gibt, findet er gut. Er sei erst skeptisch gewesen, räumt er ein, was den Bau der Einkaufscenter, aber auch der Tramlinie 8 in Friedlingen betrifft. Nun sehe er die Vorteile. Er beobachte nun mehr Frequenz im Geschäft. „Wer uns noch nicht kennt, entdeckt uns“, freut er sich.
Wenn die Kunden einmal da seien, könne man bei Gemo mit Fachwissen überzeugen. Seine Strategie sei es stets gewesen, so Frey, Sportartikel zu verkaufen zu Sportarten, die man selbst kann. In seinem Fall sind das Tennis, Laufen, Fußball und Skifahren.
Gute Geschäfte und Gastronomie
Grundsätzlich gefällt ihm auch der Geschäftsbesatz rundherum – „auch den Friseur und das Grillhaus“. Mit der Eisdiele gleich gegenüber hat Gemo schon kooperiert, der Fahrradladen gleich nebenan sei eine gute Ergänzung. „Wer joggt, fährt auch Rad.“ Auch die neue Änderungsschneiderei rund hundert Meter weiter gefällt ihm gut. Diese hat er sogar schon Kunden weiterempfohlen.
Nur eintönig sollte es nicht werden
Allerdings: „Wir brauchen nicht zehn Geschäfte der gleichen Art“, sagt Frey. Was ihm auch Kopfzerbrechen macht, sind die Tramverlängerungspläne in Richtung Alt-Weil und die damit einhergehende lange Bauzeit. „Wir überlegen immer, ob wir bleiben oder gehen, wenn die Tram kommt“, sagt er. Denn Gemo müsse mit dem Auto erreichbar sein, allein des großen Skiverleihs mit über 400 Paar Ski wegen.
Wenn er sich etwas wünschen dürfte, liebäugelt er mit einem Standort auf der anderen Straßenseite, dort, wo früher ein Jeans-Store war. Dem im Weg steht aber aus seiner Sicht die denkmalgeschützte Ladenzeile. Wenn er das Budget dafür hätte, sagt er bewusst ganz provokativ, dann würde er sie abreißen und neu gestalten. Das sei aber nur seine ganz persönliche Meinung, betont er.
In guter Nachbarschaft
Seit acht Jahren führt der 32-jährige Paul Klute die Drogerie Rühle in der Hauptstraße 276. Gut gefällt ihm, dass es im Umfeld noch viele alteingesessene Betriebe gibt. Als Beispiele nennt er die zwei inhabergeführten Optikergeschäfte, das Modehaus Ermuth (das zum Ende des Jahres schließt, Anm. d. Red.) und das Sportgeschäft Gemo.
Er schätzt alles, was Vielfalt bringt
Überhaupt: Er schätze alles, was Vielfalt bringe, auch neue gastronomische Angebote wie das Café Loti oder die neue Burger-Stube, beide liegen in der denkmalgeschützten Ladenzeile.
Andere Geschäfte von früher seien aber verschwunden, etwa Modellbau Klein, bedauert er. Was möglichst nicht mehr werden sollte, seien Glücksspielangebote.
An seinem Standort schätzt Klute die gute verkehrliche Erreichbarkeit, und dass es vor seinem Geschäft Parkplätze gibt. Er ist deshalb froh, dass die Fußgängerzone in diesem Bereich nicht so realisiert worden sei wie angedacht, sagt er.
Kundenfrequenz hat sich wieder eingependelt
Nach einem Einbruch in der Corona-Zeit hat sich die Frequenz bei ihm in der Drogerie nun wieder eingependelt, neben Einheimischen kommen auch viele Schweizer und Franzosen zum Einkaufen.
Aus Klutes Sicht wäre es toll, wenn es im Sparkassengebäude weitere Geschäfte, gern auch Arztpraxen und weitere Parkplätze gäbe. Die Sparkasse könnte – als Gegenstück zu den großen Einkaufszentren am anderen Ende – ein zweiter Magnet an diesem Hauptstraßenabschnitt sein.
Tram verlängern – und trotzdem parken können
Die Verlängerung der Basler Tramlinie 8 in Richtung Alt-Weil befürwortet Klute – sofern der Bau zügig und mit möglichst wenig Einschränkungen abgeschlossen werden kann, ohne dass es Einbußen bei den Parkplätzen gibt. „Ich kann mir vorstellen, dass das positiv ist für den Einzelhandel und auch für die Bewohner von Alt-Weil.“