Im 50. Jahr seines Bestehens hat sich Pro Lörrach verjüngt. Im Gespräch skizzierte das Vorstandstrio Herausforderungen und Zukunftspläne des Unternehmernutzwerks.
Die Begegnung mit dem Vorstands-Trio von Pro Lörrach ist ebenso lebhaft wie informativ. Es ist gar nicht so einfach, dabei zu Wort zu kommen – fairerweise muss man sagen: Das gilt für alle Beteiligten. Kein Zweifel: Peter Vogl, Marion Ziegler-Jung und Gerhard Schneider – dieses Team ist Pro Lörrach. Das heißt: für Lörrach mit all seinen Facetten und Herausforderungen. Entsprechend patent, detailliert und engagiert fallen Bestandsanalyse und Verbesserungsvorschläge aus.
„Gemeinsam nachdenken führt zu besseren Ideen“
Der Einzelhandel bildet nach wie vor die tragende Säule der Mitgliederstruktur dieser Gemeinschaft. Unter dem Einfluss des aktuellen Vorstands hat sich Pro Lörrach gleichwohl vom Sprachrohr des Handels mehr und mehr zum Netzwerk lokaler und regionaler Unternehmer entwickelt – branchenübergreifend. „Austausch, Diskussion, gemeinsam nachdenken: Das führt zu besseren Ideen“, sagt Ziegler-Jung, im Hauptberuf Geschäftsführerin der kommunalen Wirtschaftsförderung. Dies wiederum steigere die Identifikation mit Pro Lörrach – ein sich positiv verstärkender Prozess.
Herausforderungenfür den Einzelhandel
Der stationäre Einzelhandel befindet sich in einer fordernden Situation: Die Konkurrenz durch den Online-Handel wächst, Inflation und Kaufzurückhaltung machen ihm zu schaffen, hohe Mieten und steigende Betriebskosten tun ihr Übriges. Dennoch funktioniert die Lörracher Innenstadt vergleichsweise gut. Auch Dank des Märkte- und Zentrenkonzepts, das den planungsrechtlichen Rahmen bildet.
Aber, so Ziegler Jung: „Das Märkte- und Zentrenkonzept allein wird nicht reichen.“ Es sei eine zentrale Herausforderung für den hiesigen Handel, seinen Mehrwert gegenüber dem Online-Einkauf deutlich zu machen: Er müsse über seine Sortimente hinaus mit Service punkten, individueller Beratung, persönlicher Ansprache – mit allem, was das Gegenteil von Austauschbarkeit und Beliebigkeit darstellt. Unterdessen, so Ziegler-Jung, bleibe auch die – generationenübergreifende – Aufenthaltsqualität der Innenstadt ein stetes Thema.
Facettenreiche Aktivitäten im Jubiläumsjahr
Im Jubiläumsjahr wurde das Erscheinungsbild von Pro Lörrach erneuert. Angedacht ist unter anderem eine Marketing-Kampagne auf Instagram, ein Kooperationsprojekt mit Stadt und IHK informiert und schult Unternehmer in Themen wie Schaufenstergestaltung und Crossmarketing, zudem wurde die engere Kooperation mit der Tourist-Info und dem Burghof auf den Weg gebracht. Noch für dieses Jahr soll ein Abendverkauf beantragt werden, so Ziegler Jung.
Die jeweils unter einem bestimmten Thema stehenden Stammtische und „Z’nüni“ sind ein Erfolg und werden weitergeführt. Die großen Flaggschiffe bleiben Frühlings- und Herbstfest.
Die Relevanz bezahlbarer Mieten für Händler
Peter Vogl wies unter anderem auf die Bedeutung einer guten Erreichbarkeit der Innenstadt hin – für alle Verkehrsarten: vom Rad über den ÖPNV bis hin zum Auto. Den Kern des Märkte- und Zentrenkonzepts unterstütze er, aber die konzeptionelle Peripherie müsse ebenfalls stimmen.
Eine mitentscheidende Größe für den Erfolg des Einzelhandels seien die Mieten, betonte Schneider. Er bewertete es positiv, dass diese bei einer nennenswerten Anzahl von Vermietern zurückgingen. Schneider: „Wo Mieten nicht sinken werden, wird es mehr Leerstand geben.“ Vogl bekräftigte, dass die Mieten eine wichtige Rolle für den Geschäftsmix in der Innenstadt spielten – auch bei der Nachnutzung von Geschäften, sagte Ziegler-Jung.
Klar sei, dass Vermieter etwa bei einer Umnutzung von Erdgeschossflächen – etwa für Wohnen, Büros oder Co-Working – auf Einnahmen verzichten müssten.
Das Flächenwachstum für den Handel in der Innenstadt sei wohl ausgereizt. Die Entwicklung, erklärte Ziegler-Jung, gehe in Richtung Konzentration. Für das alte Krankenhaus-Areal sehen die drei aber Chancen für einen interessanten Nutzungsmix ohne Handel – etwa mit den Themen Wohnen, Dienstleistung und Gesundheit. Schneider schlug für die Fläche den Bau eines Gesundheitszentrums vor. Dieses würde der gesamten Innenstadt zu Gute kommen.