Die Maßnahmen zur Sicherung einer lebendigen, facettenreichen Innenstadt und zur Stärkung der Nahversorgung zeigen Erfolge. Das belegen erste Ergebnisse der Fortschreibung des Lörracher Märkte- und Zentrenkonzepts.
„Die Innenstadt bleibt eine attraktive Einkaufsdestination für Kunden aus dem deutschen Umland und der Schweiz“, betont die Kommune in einer Stellungnahme zum Gutachten.
Das Konzept
Das Märkte- und Zentrenkonzept biete seit 26 Jahren eine Grundlage für die Stadtplanung: Es habe sich als zentrales Instrument zur Steuerung des Einzelhandels etabliert, die kontinuierliche Umsetzung schaffe Investitionssicherheit für Einzelhändler und Gastronomen.
Das Gutachten
Das Planungsbüro „Junker + Kruse, Stadtforschung Planung“ aus Dortmund erarbeitet das Gutachten für die Fortschreibung des Konzepts unter Einbindung von Donato Acocella. Eine projektbegleitende Arbeitsgruppe mit Vertretern von IHK, Handelsverband, lokalen Händlern und weiteren Akteuren stelle sicher, dass die Ergebnisse an die Bedürfnisse von Stadt und Einzelhandel angepasst werden, heißt es.
Die Entwicklungsprojekte
„Trotz Herausforderungen wie dem wachsenden Onlinehandel und den Auswirkungen der Corona-Pandemie ist es der Stadt Lörrach gelungen, die Innenstadt funktional und städtebaulich erfolgreich weiterzuentwickeln“, betonte Antje Schnacke-Fürst vom Fachbereich „Stadtplanung“ beim Mediengespräch im Rathaus. Städtebauliche Projekte wie etwa am Bahnhofsplatz sowie in der Turm-, Palm- und Grabenstraße belegten das Engagement für eine attraktive Einkaufsstadt, die von einer hohen Zentralität profitiere.
Der Zentralitätswert
Mit einem Zentralitätswert von 1,48 bleibe Lörrach führend in der Region und ziehe weiterhin Kaufkraft aus dem gesamten Umland an.
Der Zentralitätswert ist ein Indikator dafür, inwieweit es einer Stadt gelingt, Kaufkraft zugunsten des dort ansässigen Einzelhandels anzuziehen. Ein Zentralitätswert von 1,0 signalisiert, dass der Einzelhandelsumsatz der Kaufkraft der eigenen Bevölkerung entspricht. Ein Wert über 1,0 bedeutet, dass die Stadt mehr Umsatz erzielt, als ihre Einwohner allein durch Einkäufe generieren könnten.
„Der Zentralitätswert von 1,48 in Lörrach zeigt, dass der Einzelhandel etwa 48 Prozent mehr Umsatz generiert, als dem lokalen Kaufkraftpotenzial entspricht“, heißt es.
Die Erhebung
Die Ergebnisse basieren auf einer gesamtstädtischen Erhebung aller Einzelhandelsbetriebe, der Erfassung der Kundenherkunft und einer Online-Befragung der Einzelhändler. An dieser Online-Befragung haben 87 von insgesamt 308 Betrieben teilgenommen, „was eine solide Datenbasis liefert“, so die Verwaltung.
Betriebe und Flächen
Stadtweit sei ein Rückgang sowohl der Betriebsanzahl als auch der Verkaufsflächen zu verzeichnen. Damit einhergehend sei auch das Umsatzvolumen in der Gesamtstadt zurückgegangen – aber: in geringerem Maß als der Verkaufsflächenrückgang. Das heißt: „Die Flächenleistung pro Quadratmeter Verkaufsfläche ist gestiegen“, erklärte Schnacke-Fürst auf Nachfrage unserer Zeitung.
Und: Die Verkaufsflächenausstattung pro Einwohner sei weiterhin deutlich überdurchschnittlich.
Der Rückgang bei Betrieben und Verkaufsflächen stelle einen deutschlandweiten Trend dar: Er sei nicht spezifisch für Lörrach und sei bereits bei der Fortschreibung im Jahr 2015 prognostiziert worden. Besonders betroffen seien kleinere Betriebe mit bis zu 100 Quadratmetern Verkaufsfläche, so Schnacke-Fürst. Ein großer Teil des Verkaufsflächenrückgangs in Lörrach sei auf die Schließung von zwei Möbelmärkten und einem Gartenmarkt in Hauingen zurückzuführen.
Das LÖ
Über 80 Prozent der gesamtstädtischen Verkaufsfläche für die innerstädtischen Leitsortimente (Bekleidung, Schuhe und Lederwaren sowie Spielwaren) befinden sich in der Innenstadt. Im Gegensatz zu anderen Städten verzeichne diese einen Anstieg der Verkaufsflächen, vor allem durch die Entwicklung des Wohn- und Geschäftshauses LÖ.
Schweizer und Weiler
Der Umsatzanteil der Schweizer Kunden sei insgesamt nahezu unverändert geblieben, wenngleich auch bei diesen der absolute Umsatz in der Gesamtstadt geringer geworden sei – dies basiere auf Angaben der Händler, die an den Befragungen 2015 und 2024 teilgenommen haben. Der Anteil der Kunden aus Weil am Rhein sei im Vergleich zu 2015 zurückgegangen, was wohl auf die Eröffnung der Dreiländergalerie zurückzuführen sei.
Der Oberbürgermeister
„Das Märkte- und Zentrenkonzept ist eine zentrale Planungsgrundlage für die Einzelhandelsentwicklung in Lörrach“, betont Oberbürgermeister Jörg Lutz. „Mit der Fortschreibung des Konzepts wird Lörrach auf die aktuellen Herausforderungen der Handelslandschaft vorbereitet. Ziel ist es, Strategien zu formulieren, die eine nachhaltige und zukunftsorientierte Entwicklung der Lörracher Zentren und Nahversorgungsbereiche ermöglichen.“
Nächste Schritte
Die nächsten Schritte beinhalten eine Überprüfung der Abgrenzung der Lörracher Zentren, der bisherigen Steuerungsstrategie und der bestehenden Sortimentsliste.