Karstadt verkündet Tarifpause Foto: dpa

Die Warenhauskette Karstadt hat angekündigt, aus dem Tarifvertrag auszusteigen. Für die Mitarbeiter bedeutet das: Vorerst keine Gehaltserhöhungen. Verhandlungen verweigert die Firma. Nun droht eine Eskalation des Konflikts – eine Katastrophe für das angeschlagene Unternehmen.

Stuttgart/Essen - Bei den Mitarbeitern der Warenhauskette Karstadt ist die Verunsicherung groß: Vorige Woche hat das Unternehmen angekündigt, es könne sich den Tarifvertrag nicht mehr leisten: Kai-Uwe Weitz, Arbeitsdirektor bei Karstadt, hat bei einer Informationsveranstaltung für die Betriebsräte eine Tarifpause verkündet. Das Unternehmen wolle zwar im Arbeitgeberverband bleiben, fühle sich aber bis 2015 nicht mehr an die tariflichen Vereinbarungen gebunden.

Für die Mitarbeiter bedeutet dies, dass sie keine tariflichen Gehaltserhöhungen bekommen, solange die Pause gilt. Dass die Pause nach zwei Jahren endet, ist jedoch eine reine Absichtserklärung. „Wir haben nichts Schriftliches in der Hand“, heißt es bei den Mitarbeitern. Die Gewerkschaft Verdi spricht daher von einer Tarifflucht, die sie sich nicht gefallen lassen will. Verdi hat versucht, den Tarifaustritt durch sogenannte Anerkennungstarifverträge auszuhebeln. Mit einem Anerkennungstarifvertrag würden neue Tariferhöhungen auch für die Beschäftigten von Karstadt gelten.

Doch jetzt hat das Unternehmen die Hoffnung von Verdi und Gesamtbetriebsrat auf Lohnerhöhungen über einen Anerkennungstarifvertrag zerschlagen.

„Der Abschluss eines Anerkennungstarifvertrages (…) ist aufgrund der in der Informationsveranstaltung ausführlich dargestellten Gründen keine Alternative, da hierdurch die gegenwärtige Tarifsituation faktisch nicht geändert wird“, schreibt das Unternehmen in einem Papier, das unserer Zeitung vorliegt. Nun droht eine Eskalation des Konflikts, denn die Gewerkschaft Verdi will die Absage nicht akzeptieren: „Unser Ziel bleibt es, die Karstädter so schnell wie möglich wieder in den Schutz des Tarifvertrags zu holen“, sagt Stefanie Nutzenberger, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand und des Karstadt-Aufsichtsrats, unserer Zeitung. „Die Mitarbeiter haben in den vergangen Jahren insgesamt auf über 650 Millionen Euro Gehalt verzichtet“, sagt Nutzenberger. „Die Beschäftigten haben also ihren Beitrag geleistet. „Jetzt ist der Eigentümer Nicolas Berggruen in der Verantwortung.“

Verdi stimmt das Unternehmen auf lange Streikphase ein

In den kommenden Tagen sollen vor Ort an den verschiedenen Karstadt-Standorten in ganz Deutschland im Detail Arbeitskampfmaßnahmen besprochen werden.

Auch in Baden-Württemberg. Dort gibt es insgesamt zwölf Karstadt-Häuser. Wie viel der insgesamt 20 000 Karstadt-Beschäftigten dort arbeiten, teilt das Unternehmen nicht mit. „Die Beschäftigten lassen es sich nicht gefallen, nach Jahren des Verzichts so betrogen zu werden“, sagt Bernhard Franke, Landesfachbereichsleiter für den Handel in Baden-Württemberg. Aufgrund der aktuell laufenden Tarifverhandlungen im Einzelhandel finden derzeit ohnehin Warnstreiks statt. Jedoch: „Wenn Karstadt nicht in den Tarif zurückkehrt, wird es auch nach Abschluss der laufenden Tarifrunde keine Ruhe bei Karstadt geben“, so Frankes Warnung. Für das Unternehmen wäre das eine Katastrophe. „Schlechte Nachrichten sind schlecht fürs Geschäft“, heißt es im Unternehmen. Das kann sich Karstadt nicht leisten. Die Umsatzzahlen lassen zu wünschen übrig.

In der Branche kommt der Tarifaustritt von Karstadt nicht gut an. „Die Tarifträgerverbände bedauern diesen Schritt“, sagt ein Sprecher des Handelsverbands. Zumal sich im April auch Globus vom Tarifvertrag verabschiedet habe. „Angesichts dieser Entwicklungen, deren Ende noch nicht absehbar ist, ist der Flächentarifvertrag im Einzelhandel massiv gefährdet.“