Sandra Scheller mit Kundin Anita Lägeler, die den Unverpackt-Laden vermissen wird. Foto: Alt

Das Medieninteresse war groß, als 2019 in Zimmern der erste Unverpackt-Laden eröffnete. Nun muss Sandra Scheller ihren Laden schließen. Wir haben sie an ihrem letzten Tag im Laden besucht und mit ihr über die Gründe gesprochen.

Selbst das Fernsehen hatte den kleinen schmucken Laden, der trockene Lebensmittel zum Selbstabfüllen anbietet, für sich entdeckt. Im Zuge eines Plastikfrei-Experiments war Jenke von Wilmsdorff im Zimmerner Unverpackt-Laden, da hatte dieser gerade geöffnet. „Das Medieninteresse im ersten Jahr war groß“, erinnert sich Sandra Scheller.

 

Auch der Schwarzwälder Bote hatte immer wieder im Laden an der Zimmerner Hauptstraße vorbeigeschaut und berichtet. „Es lief gut. Ich habe das Angebot auch ausgebaut und bei den Kunden nachgefragt, was sie sich wünschen und was sie brauchen.“ Doch nun, vier Jahre später, ist Schluss. Warum?

Der erste Einbruch

„Wir schließen tatsächlich wegen zu wenig Nachfrage“, sagt Scheller. Mit Corona hatte die Kundenfrequenz bereits nachgelassen. Wegen der geltenden Regelungen hatte die Zahl der Kunden im Geschäft begrenzt werden müssen.

„Es dauerte, bis man alles abgefüllt hat. Da sind schon viele Kunden weggebrochen“, erinnert sich die 43-Jährige an die schwierige Zeit. „Das hat mir schon das Genick angebrochen.“

Sandra Scheller füllt Nüsse ab. Für die vergangenen vier Jahre ist sie dankbar. Foto: Alt

Nun, wo sie den Laden schließe, kommen viele wieder, die die Entwicklung bedauern, die bedauern, selbst nicht häufiger in Schellers Unverpackt-Laden eingekauft zu haben. Denn, jenen, die zum Einkaufen kamen, geht es um mehr. Ihnen geht es um die Vermeidung von Verpackungsmüll, um Nachhaltigkeit – eine Frage der Lebenseinstellung und der eigenen Rolle in der Klimakrise.

Die treue Kundschaft

Anita Lägeler etwa ist eine Kundin der ersten Stunde. Reis in Milchflaschen abgefüllt, Mehl im großen Einmachglas – sie und ihre Tochter, so erzählt sie, legen großen Wert darauf Müll zu vermeiden. Der Unverpackt-Laden, auf den hätten sie gewartet. „Ich finde das sehr sehr schade“, betont sie.

Ihren Wocheneinkauf werde sie nun Villingen erledigen müssen, wo es einen Unverpackt-Laden gebe. Wer wirklich Müll vermeiden wolle, der nehme auch eine solche Strecke in Kauf, betont sie. Nun bezahlt Lägeler ihren letzten Einkauf. Der Weidenkorb ist voll. Zum Abschied gibt es eine herzliche Umarmung und gute Wünsche.

Für Sandra Scheller sind das berührende Momente. „Der Laden war schon etwas Besonderes, weil die Leute, die hier eingekauft haben, besonders sind“, sagt sie. Deshalb täte es ihr auch nicht Leid, den Schritt in die Selbstständigkeit vor vier Jahren gewagt zu haben. „Ich bereue nichts“, sagt sie und lächelt. Deshalb wolle sie sich auch herzlich bei ihren Kunden bedanken, die ihr die Treue gehalten haben.

Der Neuanfang

Dabei habe sie am Anfang gar keine Ahnung gehabt, wie das mit dem eigenen Laden funktioniere. Die Idee, eine Unverpackt-Laden in ihrem Heimatort zu eröffnen, sei durch ihre Besuche in Konstanz gewachsen.

Im dortigen Unverpackt-Laden sei sie Kundin gewesen. Die zuständigen Behörden, allen voran das Gesundheitsamt, seien eine große Hilfe gewesen.

Nun wage sie mit einem Büro-Job einen Neuanfang. Unverpackten Lebensmitteln bleibe sie aber treu und wirbt auch sogleich dafür, auch ohne Zimmerner Unverpackt-Laden auf einen verpackungsarmen Einkauf zu achten.

Der Landkreis hat dafür ein eigenes Label geschaffen, das solche Läden kennzeichnet. Und: Es wird einen kleinen Ableger von Schellers Unverpackt-Laden geben. Ab September im neuen Hofladen der Familie Jauch in Hausen.