Die Schließung des Müller-Markts in Altweil ist wahrscheinlich, aber noch keine Gewissheit. Sicher ist: Die Filiale wird zum Kaufen und Mieten angeboten.
Seit Dezember steht der Müller-Markt in Altweil zum Verkauf. Unruhe und Besorgnis hat die Anzeige im Netz sowie als Aushang der Immobilienfirma in Haltingen bei den Bürgern ausgelöst. Schnell erwuchs aus dem Verkaufs- oder Vermietungsangebot die Sorge, dass der Drogeriemarkt an der Hauptstraße 162 schließen könnte. Die Bürger protestieren dagegen mit einer Unterschriftensammlung und wollen damit erreichen, dass der Laden für Altweil erhalten bleibt.
Mit dem Schließen des Drogeriemarkts würde für die Menschen eine wichtige Anlaufstelle in der Nahversorgung fehlen. Viele Weiler aus den umliegenden Gebieten nutzten den Markt. Vor allem für ältere Bürger sei er günstig gelegen. Und selbst Kunden aus Lörrach nutzten den Markt, wie die Altweiler Filialleiterin Edith Finkbeiner im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Vor allem solche, die nahe des Geschäfts parken und dafür nicht in eine Tiefgarage fahren wollen.
An diesem Freitag um die Mittagszeit ist auch Schweizerdeutsch, Französisch und Englisch im Altweiler Drogeriemarkt zu hören. Das Angebot scheint riesig in dem verwinkelten Laden mit teils engen Gassen. Eine Warteschlange hat sich an der Kasse gebildet, von Stress getrieben scheint aber niemand. Die Kassiererin arbeitet zügig, nimmt sich aber auch Zeit, um Fragen zu beantworten. Die Wartenden bleiben freundlich und gelassen.
Als „Großzügiges Ladengeschäft in zentraler Lage von Weil am Rhein“ wird das Ladengeschäft mit einer Verkaufsfläche von etwa 430 sowie 45 Quadratmetern Büro- , Sozialräume- und Flurfläche im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses, direkt an der Hauptstraße von Weil am Rhein, beworben. 1,3 Millionen Euro beträgt der Verkaufspreis.
Im Untergeschoss befinden sich zusätzliche Lagerflächen von 112 Quadratmetern. Der Eingangsbereich ist teilweise überdacht, was zusätzliche Schutzmöglichkeiten für Ware und Kunden biete. Hinter dem Gebäude befinden sich sieben Außenstellplätze für Kunden, die „bequem genutzt werden können“. In der Tiefgarage stehen zwei Stellplätze zur Verfügung.
Wer die Webseite von Rösch-Immobilien aufmerksam liest stellt fest, dass die Drogeriekette mit Hauptsitz in Ulm da offenbar flexibel ist. Denn der Laden in Altweil ist sowohl unter „Miete“ als auch unter „Kauf“ eingestellt. Zu mieten wäre das Einzelhandelsgeschäft für 6500 Euro kalt.
Ob die Unterschriftensammlung dazu beitragen wird, die Altweiler Filiale zu erhalten, daran zweifelt die Leiterin Edith Finkbeiner, auch wenn sie es sich wünschen würde: „Natürlich wollen wir alle hier bleiben, weil wir ein gutes Team sind und es sehr familiär zugeht.“ Dies schätzten auch die Kunden.
Müller schließt derzeit bundesweit eine Reihe von Filialen und schreibt zugleich auf seiner Webseite: „Um unseren Kunden nahe zu sein und kurze Wege in die Filiale zu garantieren, weiten wir unser Filialnetz ständig aus“. Um weiter expandieren zu können, sei die Drogeriekette stetig auf der Suche nach neuen Standorten, die „unsere Anforderungen erfüllen“. Dies seien eine 1A-Lage in einer Fußgängerzone mit Verkaufsflächen zwischen 1000 und 2500 Quadratmetern.
Unsichere Zeit für Team und Kunden
Da ist der Altweiler Laden mit seinen 430 Quadratmetern Verkaufsfläche schonmal raus. Zudem ist er 42 Jahre alt und müsste saniert werden, wie Finkbeiner im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Dennoch seien sie und das Team aus 25 Mitarbeitern von der Drogeriekette noch nicht darüber informiert worden, ob Verkauf oder Vermietung tatsächlich eine Schließung bedeuten würden. Rückfragen dazu blieben unbeantwortet. Ebenso schweigt sich die Pressestelle der Drogeriekette auf Anfrage unserer Zeitung aus. Worüber Mitarbeiter und Filialleiterin vor Monaten im Vorfeld in Kenntnis gesetzt wurden, sei die Anzeige bei Rösch Immobilien gewesen.
Mit dieser hat eine unsichere Zeit begonnen. Für das Team ebenso wie für die Kunden, die um den Verlust „ihres“ Müllermarkts fürchten. Bezüglich einer Arbeitslosigkeit müsse sich das Team laut der Filialleiterin aber nicht sorgen. Die meisten seien jahrzehntelange Mitarbeiter und die Drogeriekette habe einige Standorte in der Region, wo sie Beschäftigung finden könnten.
Wie es weitergeht ist offen
Finkbeiner selbst könnte in den Ruhestand gehen, wenn sie wollte, wie sie sagt. Deshalb blickt sie der Zukunft gelassen entgegen, was auch immer sie bringen mag. Mit einem weinenden Auge wäre ein möglicher Abschied von der Filiale in Altweil aber durchaus verbunden: „Wir arbeiten hier alle gern zusammen – für unsere Kunden.“ Wie es weitergeht ist derzeit aber noch völlig offen.