Die Buchhaltestelle ist für Sabine Hauser ein Herzensprojekt. Aus dem Laden zieht sie sich zurück. An ihren Projekten arbeitet sie weiter, zuletzt schrieb sie das Kinderbuch „Villingen entdecken mit Pauline und Leo“. Foto: Martina Zieglwalner

Sabine Hauser hat das Villinger Geschäft vor 18 Jahren gegründet. Im Herbst zieht sie sich zurück. Sie erzählt von ihren Plänen und der schwierigen Suche nach einem Nachfolger.

Sie ist Buchhändlerin aus Leidenschaft, hat schon als Schülerin bei einem Praktikum die Liebe für das Metier entdeckt und den Beruf dann von der Pike auf gelernt: Sabine Hauser, die Inhaberin der Buchhaltestelle in der Villinger Brunnenstraße. Mit Begeisterung hat sie das Fachgeschäft seit Februar 2008 geführt, mit Leben gefüllt und kontinuierlich ausgebaut.

 

Im Oktober zieht sie sich zurück, und wenn sie keinen Nachfolger findet, ist es auch das Ende des Buchladens, der viel mehr als nur Lesestoff bereithält. Dass ihr diese Entscheidung nicht leicht fällt, ist Sabine Hauser anzumerken, „aber nach 45 Jahren im Einzelhandel muss Schluss sein“. Zumal all die Jahre Familie und Freunde zu kurz kamen und sich die drei Enkel auf die gemeinsame Zeit freuen.

Ihr anderes Kind sei jetzt erwachsen, sagt sie mit einem Lachen – die Buchhaltestelle ist 18 Jahre alt und hat sich einen festen Platz im Villinger Einzelhandel erobert. Die erste Zeit sei nicht einfach gewesen, erinnert sich Sabine Hauser.

Nach einer tollen Ausbildung und 30 Jahren in der Buchabteilung der Firma Wiebelt hatte sie den kleinen Laden im ehemaligen Schreibwarengeschäft Fackler als Herzensprojekt auserkoren, ihn mit einer Kollegin eröffnet und dann alleine betrieben.

Besondere Artikel mit Motiven aus Villingen

Nach und nach hat sie die Buchhaltestelle zu dem entwickelt, was sie heute ist: nicht nur eine Anlaufstelle für Leser, sondern auch eine Fundgrube für alle, die auf der Suche nach Karten, Geschenken und besonderen Artikeln mit Motiven aus Villingen und dem Schwarzwald sind.

Sie arbeitet mit Schulen zusammen, ist bundesweit in die Schulbuchlieferung eingebunden, verkauft Karten für das Theater am Turm, unterstützt die Vereine beim Verkauf ihrer Utensilien und dient als Nikolausbüro für die Kolpingfamilie. Und mit dem Umzug in die Räume des Heimathafens an der Ecke der Brunnen- und Färberstraße erweiterte die Buchhändlerin 2023 ihr Sortiment um Schreibwaren für Grundschulen und Bürobedarf.

Bestellservice aufgebaut

„Wir sind keine klassische Buchhandlung mehr“, stellt sie fest. Vielmehr setzt sie auf den Bestellservice, bei dem über die Einkaufsgenossenschaft Anabel des inhabergeführten Buchhandels am nächsten Tag die gewünschten Artikel vor Ort sind. Übrigens in Leihwannen und nicht in Kartons, was für sie mit Blick auf den wachsenden Onlinehandel und den Verpackungsmüll eine wichtige Rolle spielt.

Den Bestell- und Lieferservice habe sie gerade in Coronazeiten eingerichtet, Kontakt mit den Kunden per Telefon gehalten, Tüten gepackt und mit dem Fahrrad ausgeliefert. Da sei die ganze Familie eingebunden gewesen, die ihr überhaupt von Anfang an den Rücken gestärkt und sie unterstützt habe.

Während Pandemie keine Mitarbeiterinnen entlassen

So sei es gelungen, die Pandemie zu überstehen, ohne Mitarbeiterinnen entlassen zu müssen. Die Stammkunden seien alle treu geblieben. Und danach seien die Umsätze weiter gestiegen. Um so mehr bedauert sie es, bis heute keinen Nachfolger gefunden zu haben. Seit einem Jahr ist sie auf der Suche, aber es hat sich niemand gefunden. Natürlich sei sie bereit, nach der Übergabe zu helfen. Und sie hofft, eine Lösung zu finden. „Sonst verschwindet wieder ein Laden, das würde mir leid tun“, erklärt sie.

Hat sie sich doch all die Jahre für den Einzelhandel stark gemacht, zusammen mit Kollegen im Gewerbeverband Oberzentrum Aktionen gestartet und unermüdlich die Werbetrommel für den Einkauf vor Ort gerührt. Da gehe es ihr um die Arbeitsplätze und die in die Doppelstadt zurückfließende Gewerbesteuer, aber auch um die Lebensqualität. Denn ihre Heimatstadt liegt der in der Bickenstraße aufgewachsenen Villingerin am Herzen, dies spiegelt sich in ihrem Engagement für Vereine und die Münsterfrauen ebenso wider wie in ihrer Tätigkeit als Herausgeberin von Büchern.

Faible für Heimatgeschichte

Ob eine Wörtersammlung des Villinger Dialekts von Karl Haas, ein City-Memo, ein Malbuch rund um die Fasnet, unentwegt hat sie zusammen mit weiteren Mitstreitern neue Projekte auf den Weg gebracht. Mit der Villinger Stadtgeschichte für Kinder ab fünf Jahren und den Mini-Büchern über das Katerle aus dem Riet oder Abenteuer im Schwarzwald ist sie inzwischen selbst unter die Autoren gegangen.

Das Schreiben will sie natürlich beibehalten, zumal es ihre Enkel sind, die sie schon zu mancher Erzählung inspirierten. Auch ihr mit viel Liebe ausgesuchtes Sortiment der Heimatecke vertreibt sie weiterhin. Und auch manche ihrer Aktionen rund um die Leseförderung für Erwachsene und Kinder wie das „Speeddating mit Büchern“ setzt sie fort. Sie wird sicher auch künftig dafür brennen, bei möglichst vielen die Lust am Lesen zu wecken und zu fördern. Das hatte sie all die Jahre überdies motiviert, neben dem Alltagsgeschäft Autorenlesungen für Kinder wie Erwachsene zu organisieren.

Schritt in einen neuen Lebensabschnitt

Um all das zu stemmen, hat die Sechs-Tage-Woche im Einzelhandel kaum ausgereicht. Nun geht die Buchhändlerin den Schritt in einen neuen Lebensabschnitt – voller Emotionen und verbunden mit dem Wunsch, entgegen der bisherigen Erfahrung doch einen Inhaber zu finden. „Es wäre schön, wenn es weitergehen würde“, sagt sie ein ums andere Mal – auch wegen ihrer Mitarbeiterinnen, die sich freuen würden, wenn es weiter ginge.

Laden als Wohnzimmer

Das wäre wohl auch im Interesse der Kunden. Bei einigen Familien versorgt sie die dritte Generation mit Lesestoff. Viele seien traurig wegen des drohenden Endes, erzählt sie, über die Jahre seien persönliche Verbindungen oder gar Freundschaften entstanden. „Der Laden ist ein Wohnzimmer“, beschreibt sie die Atmosphäre, gerade samstags, wenn der ein oder andere beim Bummel auf einen Schwatz vorbeischaut.

All die Begegnungen und die Menschen werde sie vermissen, gibt Sabine Hauser zu. Ihre Buchhaltestelle ist eben längst eine Institution über die Grenzen von Villingen hinaus – eine Haltestelle, die Raum bietet, sich nicht nur über Bücher auszutauschen.