Margarete Bakk schließt am 23. Dezember die Ladentüre von „Naht und Rat“ in der Trossinger Hauptstraße.
Knapp acht Jahre lang hat sie mit ihrem vielfältigen Sortiment rund ums Nähen und Handarbeiten, aber auch mit ihren stets kompetenten Ratschlägen und Hilfestellungen ihre Kunden glücklich gemacht.
„Nähen macht glücklich“, weiß Margarete Bakk nur zu gut. „Der Laden hat immer Spaß gemacht und würde mir auch weiterhin Spaß machen – ich glaube, bis ich mal sterbe“, meint die hochmotivierte 60-Jährige. Doch jetzt stehe erst einmal die Familie im Vordergrund.
„Ich habe hier in Trossingen eine anderthalbjährige Enkelin, das zweite Enkelkind ist unterwegs und ein Sohn heiratet nach Österreich.“ Auch wenn sie erst in zwei Jahren tatsächlich in Rente gehen kann, möchte sie ab 2026 viel mehr mit ihrem Mann, der bereits in Rente ist, und auch den Kindern und Enkeln unternehmen und nicht mehr zeitlich abhängig sein.
Seit 35 Jahren in Trossingen
Margarete Bakk, die in Rumänien geboren wurde, lebt seit 35 Jahren mit ihrer Familie in Trossingen. „Im Jahr 2026 habe ich 45 Jahre gearbeitet seit meinem 16. Lebensjahr.“ Damals in Rumänien lernte sie Schneiderin. Nach einer Ausbildung zur Altenpflegerin in Deutschland arbeitete sie 26 Jahre in diesem Beruf, davon 18 Jahre bei der Diakonie in Trossingen.
Doch das Schneiderhandwerk hat sie nie losgelassen. Deshalb hat sie vor knapp acht Jahren in der Hauptstraße 23, wo früher die Sockengalerie war, ihren Laden „Naht und Rat“ eröffnet mit einer Vielfalt an Stoffen, Nähzubehör, Kurzwaren und mehr. Für ihre große Kundschaft hat sie im Nähzimmer hinter dem Laden auch Änderungen vorgenommen.
Hilfe für Hobbynäherinnen
Eine große Hilfe war sie auch stets für Hobbynäherinnen, die selbst zu Hause nähen, oft aber selbst nicht weiterkamen. Andere Kunden kamen mit besonderen Wünschen und wurden von Margarete Bakk mit einzigartigen Unikaten beglückt. „Sie wählten den Stoff aus und ich habe beispielsweise für ein Geschenk zur Geburt eines Kindes ein Jäckchen oder eine Mütze genäht und mit dem Namen des Kindes bestickt.“
Noch ist das Angebot im Laden groß „es ist in all den Jahren auch sehr gut gelaufen und ich habe einen großen Kundenstamm, der regelmäßig bei mir einkauft“. Die Kundschaft kam aus der weiten Region bis hin zum Bodensee, die ihr Angebot und vor allem auch den Service und die Ratschläge von Margarete Bakk immer wieder gerne in Anspruch nahmen. Schließlich liegt Nähen im Trend, nicht nur bei der älteren Generation „viel junge Frauen und sogar Kinder nähen gerne“. Deshalb beteiligte sie sich in der Vergangenheit auch am städtischen Kinderferienprogramm mit Nähkursen für Kinder.
Ein Tag vor Weihnachten ist endgültig Schluss mit dem Laden. „Irgendwann hat man genug von dem Druck“, so Bakk. Dies sei zum einen der hohe Zeitaufwand. „Ich hatte in der letzten Zeit nur noch vier Tage den Laden geöffnet, die anderen zwei Tage habe ich hinten in der Nähstube genäht.“
Zum anderen müsse ja ein Gewinn erwirtschaftet werden, denn „die Ausgaben sind immer da“. Doch ganz zur Ruhe setzen will sie sich noch lange nicht. „Mir schwebt etwas Soziales vor, so etwas wie einen Kreativkreis“, sagt sie mit Blick nach Bad Dürrheim „dort gibt es den Generationentreff Bad Dürrheim mit kreativem Nähen“. Die Räumlichkeiten hierfür stellt die Stadt.
Margarete Bakk ist nun auch in Trossingen auf der Suche nach Räumlichkeiten und „bei dem Sozialprojekt hätte ich vor allem auch gerne junge Leute dabei“. Und was geschieht ab Januar mit dem Laden in der Trossinger Hauptstraße? Ihr Anliegen wäre es schon „dass es ein Stoffladen bleibt“, es habe auch schon Anfragen gegeben, aber bisher nichts Konkretes „ich wäre ja auch bereit, noch die ersten Monate mitzuhelfen“. Auch Interessenten für einen Geschenkeladen oder als Büro seien schon gekommen.