Die Berichte über Ladenschließungen in Schwenningen reißen nicht ab – ob im City Rondell oder in der Neckarstraße mit dem „Aqua Design Black Forest“. Auch Auf Rinelen wird es weitergehende Veränderungen geben – nach Dunja Wallys Antik-Café geht Harald Mager mit seinem Toto-Lotto-Laden.
In seinem Laden findet man alles, was das Schreibwaren-Herz begehrt.
An etliche Zeitungen und Fachzeitschriften reihen sich Geburtstagskarten, Dekogegenstände, Füller, Bastelmaterial, Tabak, Pinsel, man kann Lotto spielen und seine Hermes-Pakete abgeben.
Doch mit der Kiosk-Idylle „Mager Schreibwaren und kreativ“ soll nach den Plänen von Inhaber Harald Mager bald Schluss sein – und nach Dunja Wallys Antik-Café schließt im Gebiet Auf Rinelen bald die nächste Instanz.
Die Selbstständigkeit lockte Mager
Harald Mager ist eigentlich studierter Informatiker, 2002 habe es sich dann aber ergeben Auf Rinelen 40 den Schreibwarenladen zu übernehmen. Sein Vorgänger ging in Rente, seine Frau arbeitet direkt nebenan – die Voraussetzungen waren für Mager ideal und die Selbstständigkeit lockte.
Die Räumlichkeiten wurden von ihm ausgebaut und vergrößert – mit der Zeit kamen die Zigaretten und die Paketannahmestelle dazu. „Ich wollte mir etwas aufbauen“, sagte er im Gespräch mit der Redaktion.
Die Arbeit in seinem Schreibwarenladen war für Mager ein „doppelter Vollzeitjob“, wie er erzählt. „Um 8 haben wir angefangen, abends gehen wir oft um 10 Uhr hier raus.“ In all den Jahren habe er keinen Urlaub gemacht und war nie länger als Brückentage weg.
Seit 22 Jahren war das eine Arbeit, die er unglaublich gerne machte. Besonders die Gespräche mit seinen Kunden haben ihn sehr bereichert, wie er erzählt.
Zu 95 Prozent habe er Stammkunden gehabt
Da es Auf Rinelen aufgrund der Örtlichkeit wenig Laufkundschaft gibt, habe er zu 95 Prozent Stammkunden, die er sehr wertschätze . Das sei auch der Grund, weshalb er ganz klar sagt: „Für die Tatsache, dass ich schließen muss, mache ich niemanden verantwortlich.“
Entscheidung zeichnete sich länger ab
Bereits länger habe es sich abgespielt, dass es für Mager Veränderung brauchte. Ende vergangenen Jahres fiel dann die endgültige Entscheidung. „Rein wirtschaftlich lohnt es sich einfach nicht mehr“, sagt Mager. „Und daran hat auch keiner Schuld, auch meine Kunden nicht“, beteuert er.
Viel habe man ausprobiert, mit dem Tabak-Angebot, mit dem Lotto spielen oder mit dem Hermes-Paketshop. Doch mittlerweile biete jede Tankstelle Tabak, Lotto oder Paketshops. Mittlerweile habe jeder Supermarkt Schulhefte, Stifte oder Zeitungen im Angebot. „Und wenn die Leute dann eben irgendwo einkaufen sind, nehmen sie dort gleich ein Schulheft mit, wenn sie ihr Auto tanken, spielen sie gleich an der Tanke Lotto. Das ist einfach so und das ist auch in Ordnung“, sagt Mager. Verteufeln wolle er niemanden, auch nicht den Online-Handel von Großkonzernen. „Die Zeit hat sich einfach geändert“, sagt Mager. „Da kann man den alten Zeiten entweder hinterher weinen, oder sich der Realität stellen.“
Irgendwo gehe immer eine Tür auf
Traurig finde er die Entwicklung für seine Kunden. „Ich kann mir schon vorstellen, dass es schwieriger wird ohne direkten Ansprechpartner, der sie zum Beispiel beim Thema Füller berät.“
Um sich das nötige Fachwissen anzueignen, habe das Ehepaar Mager viele Stunden auf Fachmessen verbracht und sich Vorträge angehört, damit jeder Kunde richtig beraten sei. Natürlich ist das Ende seines Schreibwarenladens auch schade für ihn selbst, immerhin habe er gut ein Drittel seines Lebens damit verbracht. „Mir wäre auch lieber, es wäre anders“, sagt er, „aber das ist es nun mal nicht.“
Bis Ostern laufe der Betrieb noch normal weiter, danach werde dieser sukzessiv eingeschränkt. Einen Plan für die Zeit danach habe der 58-Jährige noch nicht, aus den Räumlichkeiten wolle er aber etwas Neues machen. „Irgendwo geht immer eine Tür auf“, sagt Mager und lächelt.