Bald 40 Jahre lang gab es hier Schuhmode. Nun läuft der Countdown für das Geschäft. Foto: Anja Bertsch

Das Schuhhaus „Klever Fashion“ an der Hebelstraße schließt in zehn Tagen. Hier spricht Inhaber Stefan Clever über die Gründe – und darüber, was künftig an dieser Stelle geplant ist.

Gähnende Leere in der Schaufensterauslage, die Scheiben dafür tapeziert mit Schildern, die auf den laufenden Räumungsverkauf hinweisen – der sich im Inneren denn auch in ganzen Bergen von Schuhkartons spiegelt, die die Mitarbeiterinnen derzeit aus dem Lager heraus in den Verkaufsraum räumen: Dass im Schuhgeschäft Klever Fashion an der T-Kreuzung Hebel-/Wehrer Straße ein Umbruch ansteht, ist unübersehbar.

 

Schließung kommt überraschend schnell

„Am Samstag nach Weihnachten haben wir hier ein letztes Mal geöffnet, dann bleiben drei Tage zum Ausräumen – und dann ist die Filiale hier Vergangenheit“, sagt Stefan Klever auf Anfrage unserer Zeitung – und bestätigt, dass dieses Ende nicht allein für die Kundschaft, sondern auch für ihn selbst unvorhergesehen schnell kommt.

Eine Fahrschule zieht ins Ladenlokal ein

Immerhin: Zum Leerstand an dieser prominenten Stelle, quasi Einflugschneise zur Innenstadt, kommt es nicht: Bereits ab 1. Januar zieht dort eine Fahrschule ein – in Nachfolge der Fahrschule Bischler, die in den vergangenen elf Jahren im Pflughof zu Hause war und nun an neuem Standort mit neuem Inhaber und unter neuem Namen neu eröffnet.

Schließungspläne existieren schon länger

Tatsächlich ist die Nachfolge denn auch der Grund dafür, dass es mit der Filialschließung nun so schnell gehen muss. Die Pläne zur Schließung des Standorts waren bei Inhaber Stefan Klever zwar schon länger gereift. Ursprünglich aber hatte er dafür das erste Quartal 2026 anvisiert, erklärt er.

Dann aber stellte sich recht kurzfristig heraus, dass die neu-alte Fahrschule dringend neue Räumen benötigt – „und dann haben sich die Dinge ein wenig überschlagen“, schildert Klever. „Seit zwei Wochen ist jetzt klar, dass wir auf Ende Jahr rausgehen.“

Den Kontakt hatte die Schopfheimer Wirtschaftsförderin Margot Fritz vermittelt, die von den Interessenlagen beider Unternehmen wusste und sie zusammenbrachte.

Schopfheim ist schwieriges Pflaster für den Handel

„Die Situation für den Handel gestaltet sich allgemein schwierig. Und in Schopfheim ist es noch schwieriger als anderswo“, erklärt Klever gegenüber unserer Zeitung auf die Frage nach den Gründen.

Die Kundenfrequenz sei über die vergangenen zehn Jahre hinweg stark zurückgegangen, in Schopfheim allgemein, und nochmals mehr in der Hebelstraße.

Das wiederum sei ebenfalls Ausfluss einer Negativspirale: „Ein Schuhhaus ist immer auch von seinem direkten Umfeld abhängig“ – etwa von Modeläden, oder überhaupt von Handel, der für Kundenfrequenz in einem Gebiet sorgt. Handel aber gebe es an der Hebelstraße immer weniger.

Dieser „Strauß an Gründen“ habe ihn zum Schluss kommen lassen, die Aktivitäten künftig an einem Standort zu konzentrieren und einen Teil des bisherigen „Fashion“-Sortiments ins Stammhaus des Unternehmens, das „Schuhhaus Eiche Classic“ an der Hauptstraße, zu integrieren. 1,5 Stellen gehen dabei verloren.

Über die Signalwirkung im Klaren

Klever ist sich durchaus über die Signalwirkung der Schließung für den Standort Schopfheim im Klaren. Immerhin gehört das Klever Fashion seit fast 40 Jahren zur Stadt, und immerhin ist er selbst Co-Vorsitzender des Schopfheimer Gewerbevereins.

Aber: „Auch wir müssen uns den wirtschaftlichen Zwängen beugen. Und die sprechen zumindest hier in Schopfheim für eine Reduzierung.“

Erweiterung an anderen Standorten

Tatsächlich erfolgt die Schließung in Schopfheim keineswegs im Zuge einer allgemeinen Verkleinerung des Filialnetzes, das Klever über die vergangenen Jahrzehnte hinweg aufgebaut hat. Im Gegenteil: Gerade hat der Geschäftsmann in Konstanz eine zweite Filiale eröffnet, zusätzlich zur dort bereits existierenden, und zusätzlich zu den Filialen in Singen, Bad Säckingen und Lörrach, wo Klever sogar mit vier Angeboten vertreten ist. Sie alle bleiben bestehen.

„Entscheidend ist die richtige Stadt, und dort dann auch der richtige Standort“, macht Klever deutlich. Bedeutet im Umkehrschluss: Beides ist Schopfheim, und insbesondere die Hebelstraße, offenkundig schon länger nicht mehr.

„Die Schließung ist auch für mich persönlich ein schmerzlicher Schritt“, bekennt Klever: „Klever Fashion“ war die erste Filiale, die er zusätzlich zum Stammhaus eröffnete. 1988 war das, kurz, nachdem er den Betrieb von seinen Eltern übernommen hatte – in der vierten Generation im Übrigen. Gegründet wurde es vor 120 Jahren von Klevers Urgroßvater.

Klever betreibt Handel in vierter Generation

Wie anders die Zeiten damals, Ende der 1980er Jahre waren, zeigt ein Blick auf die damalige Schopfheimer Geschäftswelt: Neben den zweien unter Klevers Ägide gab es damals direkt in der Schopfheimer Innenstadt zwei weitere Schuhhäuser: Eins gleich schräg gegenüber in der Hebelstraße, plus das Schuhhaus Egetemeyr gegenüber dem Kronenbrunnen.

Mit dem Einzug der Fahrschule wird in den Räumlichkeiten Anfang Januar eine neue Ära anbrechen.