Die Kasse piept, Werbebildschirm lenken ab und Durchsagen oder Musik schallen durch den Laden – um der Reizüberflutung beim Einkauf Einhalt zu gebieten, gibt es nun die Aktion „Stille Stunde“. Zwei Hardter Geschäfte sind hier Pioniere im Landkreis Rottweil.
Sowohl bei Edeka Hammer als auch bei der Bäckerei Brantner wird es künftig „Stille Stunden“ geben. Hier werden die Kassen lautlos sein, es sollen keine Waren eingeräumt werden, und die Bildschirme sollen ausgeschaltet bleiben.
Konrad Flegr, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Gieb, informierte bei Edeka Hammer über die Hintergründe. Die „Stille Stunde“ sei in Neuseeland entstanden. Dort habe der Sohn eines Supermarktbesitzers an Autismus gelitten. Der Vater habe daraufhin die Ruhephase im Markt eingeführt – mit durchschlagendem Erfolg für Kunden, Personal und dem Sohn. „223 Märkte beteiligen sich bislang deutschlandweit“, wusste Flegr.
Lobende Worte für Hardt
Nun sind es mit der Bäckerei Brantner und Edeka Hammer zwei mehr. Dass die beiden die ersten im Kreis Rottweil sind, freut Landrat Wolf-Rüdiger Michel. Er ließ sich nicht lumpen und hatte lobende Worte für Hardt übrig: „Wenn ich nach Hardt komme, stehen im Gewerbe- und Industriegebiet immer Baukränen. Ein gutes Zeichen“, so der Landrat.
Hardt habe eine gute Infrastruktur – und das schon seit zwei oder gar drei Bürgermeister-Generationen. Die Gemeinde sei ein Industriestandort von Rang und mit der Schreinerei Flaig habe man gar einen Betrieb „von Weltrang“, so Michel. Zudem lobte der Landrat die Vielfalt bei Edeka Hammer. „Hier war ich vor 15 Jahren das letzte Mal“, sagte er. Auch das Ansinnen mit der „Stillen Stunde“ lobte er, da die Reizüberflutung überhand nehme.
Kasse bleibt stumm
Konrad Brantner betonte, das Vorhaben solle im Café in der Weilerstraße umgesetzt werden, wo in der „Stillen Stunde“ Bildschirme und Radio abgeschaltet werden sollen.
Christina und Stefan Öttle wollen künftig samstags von 9 bis 11 und donnerstags von 12 bis 14 Uhr „Stille Stunden“ anbieten. Dann soll unter anderem die Kasse stumm bleiben und nicht mit Rollbehältern im Geschäft gefahren werden.
Sozialdezernentin Angela Jetter sei wegen der „Stillen Stunde“ auf ihn zugekommen, sagte Bürgermeister Michael Moosmann. In Hardt seien die Wege kurz, man kenne sich – und so habe er bei der Bäckerei Brantner und Edeka Hammer angefragt. Viele Kleinigkeiten ließen sich schnell einrichten und so freue er sich, dass das „kleine Dörfle Hardt“ hier vorausgehe. Moosmann verwies auch auf den Orts-Check unserer Zeitung, wo Hardt als lebenswerteste Gemeinde im Kreis Rottweil bewertet wurde. Zudem sei Hardt auch beim Projekt „Hürdenlos“ dabei, wo es um die Barrierefreiheit gehe.
Info
Die Befürworter der „Stillen Stunde“
haben einige gute Argumente, die für das Vorhaben sprechen: Inklusion fördern, Kundenzufriedenheit steigern, positive Unternehmensreputation, Barrierefreiheit demonstrieren, zukunftsorientiertes Handeln und Förderung von Empathie. Zudem soll das Ganze kein Marketing-Gag sein.