Seit der Schließung der Fachgeschäfte bleiben auch in Dornstetten viele Parkplätze im Zentrum leer. Foto: Sannert

Händler behelfen sich derzeit mit Online-Plattformen, Abhol- und Lieferdienst.

Die Nachfrage nach der ersten Sammeltasse war groß. Dann kam mitten im Weihnachtsgeschäft der zweite Lockdown, und viele Einzelhändler mussten schließen. Der HGV Dornstetten plant nun, seine Weihnachtsaktion an Ostern fortzusetzen.

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Dornstetten - Vielen Kunden sei es aufgrund der Schließungen nicht mehr möglich gewesen, ihre Heftchen mit den Rabattmarken, die sie für ihren Einkauf in den HGV-Geschäften bekamen, zu füllen, und sich ihre Sammeltasse abzuholen, weiß Timo Müller, stellvertretender Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Dornstetten und Vorsitzender der Sparte Einzelhandel. Der HGV habe sich deshalb dazu entschieden, die Aktion an Ostern fortzusetzen. Einen genauen Termin gibt allerdings es noch nicht.

Müller bittet alle Kunden, die Rabattmarken aufzubewahren. "Wir möchten allen, die es nicht geschafft haben, die Möglichkeit geben, ihr Heftchen zu füllen", erklärt er. Die Marken behalten bis Weihnachten 2021 ihre Gültigkeit. Mit einem vollen Rabattmarken-Heft könne der Kunde dann sogar zwischen zwei Sammeltassen wählen.

Die neue Corona-Landesverordnung habe die Dornstetter Fachhändler hart getroffen, sagt Müller, der froh ist, dass nach der kompletten Schließung jetzt wenigstens das Abholen von Waren erlaubt ist. Viele der Geschäfte haben eine Online-Plattform eingerichtet und präsentieren ihr Angebot in sozialen Netzwerken. Beraten werden die Kunden am Telefon. Manche Geschäfte bieten auch einen Lieferservice an.

Kundenberatung über Umwege

"So hat jeder die Möglichkeit, die Händler im Ort zu unterstützen", betont Müller, der im Kauf vor Ort für die Kunden viele Vorteile sieht. "Wir sind viel schneller, und der Kauf vor Ort ist ökologischer und reduziert den Paketwahnsinn", so Müller, der betont: "Wir tun alles, um es für unsere Kunden so unkompliziert wie möglich zu machen, weiterhin Waren, Produkte und Dienstleistungen zu bekommen, wie sie es von uns gewohnt sind."

Bei seinem Arbeitgeber Euronics Braun konnte der Reparaturservice in der Werkstatt ungehindert weiterlaufen. Wer dagegen eine neue Waschmaschine oder ein anderes Gerät dringend benötigt, der kann sich telefonisch beraten lassen. "In allen Abteilungen stehen Fachberater bereit", betont Müller. Die Waren können abgeholt werden oder werden geliefert.

Vor allem Bekleidungs- und Schuhgeschäfte tun sich mit der Kundenberatung schwer. Sie müssen den Kunden eine Auswahl mitgeben, denn anprobiert werden darf nur zu Hause. Zu Karin Eberhardt vom Modehaus Rentschler kommen hauptsächlich Stammkunden. Die Einkäufe, mit denen sie auch Freunde und Bekannte in der Krise unterstützen, seien aber nur "ein Tropfen auf den heißen Stein". Vielen Kunden hat sie ganze Bekleidungspakete zusammengestellt, mit Waren in unterschiedlichen Größen, falls etwas nicht passt. Ist die Hose zu lang, stecken die Kunden sie daheim selbst ab, damit Karin Eberhardt diese für sie kürzen kann.

Ihre größte Sorge ist, dass sie auf einem Großteil der Winterware sitzenbleibt und diese noch in den Regalen liegt, wenn die neue Frühjahrskollektion eintrifft. Noch hielten die Lieferanten die Ware zurück, erklärt sie. Doch irgendwann gehe auch ihnen die Luft aus. "Dann wird geliefert, und ich muss bezahlen." Karin Eberhardt kann nicht verstehen, weshalb Fachgeschäfte nicht einmal für einzelne Kunden nach telefonischer Vereinbarung öffnen dürfen. Schließlich ließen sich selbst beim Abstecken einer Hose die Corona-Regeln einhalten.

Auch Nicole Boensch, Inhaberin des Modehauses Schwarz und von "Klamodo", kann nicht verstehen, weshalb sie ihre Bekleidungsgeschäfte schließen musste. "Bei uns ist weniger Andrang als im Supermarkt, und wir garantieren definitiv den Raum, den der Kunde braucht." Bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr hatte sie ein Online-Portal eingerichtet, das sie jetzt wieder aktiviert hat. Im Schaufenster tragen die Puppen Nummern, um vom Kunden ausgewählte Stücke schneller zu finden.

Doch trotz aller Bemühungen laufe das Geschäft schleppend, sagt Nicole Boensch. Wenigstens dürften die Kunden die Ware jetzt abholen. Ansonsten wird geliefert. Nicole Boensch hat gemeinsam mit anderen Einzelhändlern eine Petition unterschrieben, mit der Bitte, dass die Geschäfte, sofern sie die gesetzlichen Auflagen erfüllen, schnellstmöglich wieder aufmachen dürfen. Wenn nicht, da ist sie sich sicher, "werden viele Einzelhändler sterben".

Sorgen um die Zukunft ihres Geschäfts macht sich auch Stefanie Turin von Uhren-Henssler. "Schmuck ist nichts, was man unbedingt braucht, doch zaubert er immer ein Lächeln ins Gesicht", weiß sie. Da sich eine eigene Online-Plattform nicht lohnt, versendet sie Fotos der Ware und bietet auch weiterhin einen Reparaturservice an. Wer selbst nicht kommen kann, dem bringt sie die Ware nach Hause.

Wenigstens Winterstiefel sind derzeit begehrt

Etwas besser geht es dem Schuhhaus Nestle-Schäfer, das seine Orthopädie-Abteilung nicht schließen musste. Katharina Ott hat sich über den vielen Schnee gefreut. Denn der hat dem Schuhgeschäft eine große Nachfrage nach Winterstiefeln beschert. Um möglichst viele Waren präsentieren zu können, werde das Schaufenster ständig umgestaltet, erklärt Katharina Ott, die mit der Online-Präsentation weniger gute Erfahrungen gemacht hat. Bei "Nestle-Schäfer" steht demnächst ein Umbau an. Katharina Ott hofft, dass sie danach wieder öffnen darf.

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