Der einzige Second-Hand-Geschäft in der Stadt schließt.Cordula Slaby erläutert die Gründe und warum sie Donaueschingen verlässt. Dabei ist der Handel mit gebrauchter Kleidung insgesamt gesehen eine Branche mit Wachstumspotenzial.
„Ich habe mir das schon anders vorgestellt“, sagt Cordula Slaby. Noch führt sie den Secondhand-Laden Herzstück am Sternensaal. Allerdings nicht mehr lange.
Im Herbst 2020 hatte sie den Laden „Alles-fürs-Kind“ in der Zeppelinstraße übernommen und daraus ihr Herzstück gemacht. Sie habe sich mehr erhofft, räumt die 51-Jährige unumwunden ein. Die Idee für ihr Herzstück sei aufgekommen, als sie die aussortierte Kleidung ihrer Kinder verkaufen wollte. Schließlich sei Secondhand eine nachhaltige Alternative und zudem gut für den Geldbeutel.
Viele Vorbehalte
Allerdings gebe es noch immer viele Vorbehalte gegenüber gebrauchter Kleidung, bedauert sie. Doch gebe es auf diesem Weg viele tolle Einzelstücke zu finden, die es sonst nirgendwo gebe. „Das ist noch nicht so ganz in den Köpfen“, sagt Slaby.
Dabei habe sie eigentlich einen breiten Kundenstamm in allen Altersklassen. Und der reise vom Bodensee oder aus Stuttgart extra nach Donaueschingen, um das eine oder andere Herzstück zu finden. „Das breite Publikum kauft lieber neu“, konstatiert die Betriebswirtin. Dabei sei Secondhand viel eher eine Einstellungs- als eine Geldfrage. „Secondhand ist immer eine Schatzkammer“, sagt sie. Man könne durch Kleidung die Persönlichkeit unterstreichen und einfach zeigen, „wie man ist“. Deshalb sei die Schließung Ende März natürlich schade für die Kundschaft, zumal ihr Laden auch der einzige dieser Art in Donaueschingen sei.
Als Hobby zu teuer
Die Arbeit habe ihr immer Spaß gemacht. Doch als Hobby allein sei der Laden zu teuer. Vorneweg nennt Slaby die hohen Fixkosten. „Das ist gerade alles andere als einfach“, sagt sie. Auch die hohen Strom- und Gaspreise 2023 seien da nicht förderlich gewesen. Ein weiteres: die Nachwehen von Corona seien ein schwieriges Päckchen gewesen. „Die Corona-Hilfen waren ein Witz“, sagt sie, ohne ins Detail zu gehen.
Gravierend sei auch der Personalmangel. Schließlich sollen Kunden ja nicht vor verschlossener Türe stehen. „Man findet kaum noch gutes Personal“, findet sie. Manchen fehlten auch Motivation und Wille. „Da waren schon 21 Stunden in der Woche zuviel“, berichtet sie aus Erfahrung. Das Bürgergeld spiele auch eine Rolle, dass der Arbeitsanreiz fehle. Zudem werde auch einfach weniger vor Ort, sondern im Internet auf großen Plattformen gekauft, bedauert sie. „Bei diesen Preisen kann man einfach nicht mithalten.“
Dumpingpreis keine Option
Bei einer Preisspirale nach unten mitzuhalten, sei aber keine Option, da sie laufende Kosten decken müsse. Die Dumpingpreise im Internet könne kaum ein Geschäft in der Innenstadt mitmachen, findet Slaby, insbesondere wenn es im Internet bei großen Anbietern große Rabattaktionen an bestimmten Feiertagen gebe. Im Herzstück habe es zwar auch Aktionen geben, aber dann eher aus Marketinggründen. „Da verdient man kaum etwas dran.“
Dass der Kauf von gebrauchter Kleidung eher auf Online-Portalen stattfindet, bestätigt auch das Portal PwC-Analyse, das sich mit Markt- und Wettbewerbsanalysen beschäftigt. Die Analytiker gehen davon aus, dass das Volumen des Secondhand-Modemarktes in Deutschland von 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf fünf bis sechs Milliarden Euro bis 2025 ansteigen wird. Gerade in der Generation Z hätten schon zwei Drittel der Menschen bereits gebrauchte Kleidung gekauft. Haupttreiber für Secondhand seien ein wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit und attraktive Preise.
Es geht nach Dänemark
Slaby hat für sich in Donaueschingen aber die Reißleine gezogen. Die Entscheidung fiel im Winter 2023. Sie geht ins Ausland. Genauer gesagt in den hohen Norden Dänemarks. Das Secondhand-Konzept sei in Dänemark super angekommen. „Dänemark lebt das richtig“, schwärmt sie. Kleidung, die bis März nicht verkauft wurde, wird sie mitnehmen – ohne einen vorherigen Ausverkauf. In der neuen Heimat würde Secondhand deutlich besser laufen. Dänemark hätte einen besonderen Lebensstil, sagt sie.
Das sagt der Gewerbeverein
Stefan Baur, Vorsitzender des Gewerbevereins bedauert die Schließung von Herzstück. „Es wäre schön gewesen, wenn es weitergegangen wäre.“ Leider sei die Lage beim Sternensaal nicht ideal gewesen. Zu weit weg vom Zentrum, so seine Einschätzung. „Wir brauchen Vielfalt und neue Dinge“, sagt Baur und würde sich einen neuen Laden dieser Art wünschen. Hoffnung schöpft er aus der Tatsache, dass das Konzept Popup-Store in Donaueschingen die Ansiedlung eines neuen Secondhandladens möglicherweise erleichtern würde. Ein Knackpunkt sei auch die Werbung. „Werbung auf sozialen Medien reicht nicht“, sagt City-Managerin Christine Neu zur anstehenden Schließung aufgrund der enttäuschenden Nachfrage. Was für Läden allgemein gelte, sei ein effizientes Marketing. Ein Geschäft könne noch so attraktiv eingerichtet sein: Wenn es die Kunden nicht kennen, sei das leider vergebliche Mühe.
Der Begriff
Secondhand
Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich übersetzt "zweite Hand". Er wird verwendet, um Artikel zu beschreiben, die bereits von jemand anderem verwendet oder besessen wurden, bevor sie zum Verkauf oder zur Weitergabe angeboten wurden. Diese Artikel können Kleidung, Bücher, Möbel, Elektronik und viele andere Arten von Gegenständen umfassen. Mit der Zeit entwickelte sich der Secondhand-Markt zu einem festen Bestandteil der Konsumkultur, unterstützt durch das wachsende Bewusstsein für Nachhaltigkeit, die Reduzierung von Abfall und die Suche nach einzigartigen oder günstigeren Artikeln. Secondhandläden, Flohmärkte, Tauschbörsen und Online-Plattformen für gebrauchte Waren bieten heute eine Vielzahl von Optionen für Konsumenten, die nach solchen Artikeln suchen.