Nach sechsjähriger Pause fand in Eschbronn eine Einwohnerversammlung statt. Über die Flurneuordnung informierte Manfred Flaig.
Bürgermeister Franz Moser freute sich über die zahlreich erschienenen Besucher in der Mühlbachhalle. Beim Thema Flurneuordnung überließ er das Rednerpult Manfred Flaig, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft (TG).
Auch wenn hin und wieder behauptet werde, so Flaig, es gehe nicht voran, werde auf Hochtouren gearbeitet. Um das Gebiet genau abgrenzen zu können, müssten mehr als 1400 Grenzpunkte gefunden werden. Dies verursache einen hohen Aufwand, weil sie entweder rund 20 Zentimeter tief in der Erde lägen oder aber beim Umpflügen der Äcker herausgerissen worden seien.
400 Grenzpunkte noch offen
Würden die Grenzpunkte nicht gefunden, müsse einer von drei sogenannten Zeugen (Tonschalen mit Namen) gesucht werden, die etwa 70 Zentimeter tief eingegraben seien. Dann werde der Grenzpunkt mittels GPS-Daten neu gesetzt.
„Stand heute müssen noch rund 400 Grenzpunkte gefunden werden. Wir sind da auf gutem Weg“, versicherte Flaig. Schwierig sei es auch gewesen, die Eigentümer zu ermitteln, da sie teilweise verzogen oder verstorben waren und die Erben die Eigentumsverhältnisse im Grundbuch nicht ändern ließen. Zumindest sei man jetzt soweit, dass es für jedes Grundstück einen Ansprechpartner gebe.
Wert der Böden ermittelt
Des Weiteren sei ein Feldvergleich vorgenommen werden. Jedes Grundstück werde nach derzeitiger Nutzung (Wald, Acker, Grünland, Bach) untersucht. Auch dies stelle einen großen Aufwand dar. Vor Kurzem habe die Wertermittlung (Bodenschätzung) stattgefunden, zuletzt sei dies in den 50er-Jahren erfolgt, informierte der TG-Vorsitzende.
Verteilt auf das gesamte Gebiet seien zehn Grablöcher ausgehoben worden und die Werte mit denen vor rund 70 Jahren verglichen. Das Ergebnis mit starken Abweichungen zu damals habe alle überrascht, weshalb die Zahlen nicht übernommen werden können.
„Der Mutterboden (Humus) hat sich wesentlich verbessert, obwohl es immer heißt, die Landwirte treiben Raubbau und machen alles kaputt. Da sind wir mit breiter Brust dagestanden. Bei uns auf den Feldern ist sprichwörtlich der Wurm drin, und das im positiven Sinn“, schmunzelte Flaig.
Einst mit Wagen und Pferde
Die Gründe für die unerwartete Bodenverbesserung erklärte der Landwirt damit, dass früher die Bauern mit ihren Wagen und Pferden mehr in den Boden gedrückt hätten und kleine Gespanne viel mehr Überfahrten verursachten.
„Natürlich werden durch die heutigen großen Maschinen die Wege schneller kaputt, aber die Wiesen und Äcker werden besser geschont. Auch Zwischenfrüchte tagen zu mehr Humus bei“, schilderte Flaig.
In drei Jahren? Oder zehn?
Als nächster Schritt stehe die Erstellung des Wege- und Gewässerplans an. Das bisherige Wegenetz zu den Häusern befände sich in ziemlich schlechtem Zustand und müsse saniert werden. Neue Wege kämen kaum hinzu.
„Da sind wir schlichtweg zu spät dran. Was mir Sorgen bereitet, sind die Preissteigerungen durch Corona und Kriege. Wir vom Vorstand drücken voll aufs Gas. Bis jedoch alles abgeschlossen ist, werden rund zehn Jahre vergehen“, dämpfte der Vorsitzende die Erwartungen. Bürgermeister Franz Moser rechnet allerdings damit, dass bis in drei Jahren die Bagger anrollen.
Frage nach Rücklagen
Ein ehemaliger Gemeinderat erinnerte sich, dass für die Flurneuordnung vor ein paar Jahren die Grundsteuer erhöht wurde, um mit den Mehreinnahmen die anfallenden Ausgaben zu decken. „Wurden da Rücklagen gebildet?“, wollte der Bürger wissen.
Nach Auskunft des Bürgermeisters dürfen gesetzlich keine Rücklagen gebildet werden. Bis jetzt sei ein Betrag von rund 400.000 Euro aufgelaufen. Im Notfall müsse dieses Geld über Kredite finanziert werden. Dies sei machbar, versicherte Moser.