Der geplante Windpark im „Wisoch“ wird im Oberndorfer Teilort Beffendorf heiß diskutiert. Neben Fragen machten einige Bewohner ihrem Ärger Luft.
Die Spannung in der Turn- und Festhalle in Beffendorf war bei der Einwohnerversammlung beinahe greifbar. Das umstrittene Thema war einmal mehr die Errichtung von Windkraftanlagen zwischen Beffendorf und Fluorn-Winzeln.
Dabei sollen zwei der geplanten fünf Windräder im Oberndorfer Stadtwald „Wisoch“ entstehen. Dies hatte der Gemeinderat bereits im April beschlossen.
Trotz mehrerer Infoveranstaltungen gab es nach wie vor viel Redebedarf. Neben Fragen zum Projekt hinterfragten einige auch die Sinnhaftigkeit des Projekts. Aber auch Stimmen der Befürworter wurden nach einiger Zeit laut, die neben Beifall freilich auch Buh-Rufe ernteten.
Mit 260 Metern höher als der Rottweiler Testturm
Besonders die Ausmaße der geplanten Anlagen stieß bei vielen der Teilnehmer auf Unmut. Mit 260 Metern Höhe überragten die Windräder sogar den Rottweiler Testturm, merkte ein aufgebrachter Bürger an. Und dieser habe mit 246 Metern bereits eine stattliche Größe.
Zudem bemängelten einige Einwohner die Sinnhaftigkeit des erzeugten Stroms. Denn: Pro Jahr sollen die Anlagen etwa 60 Millionen Kilowattstunden gewinnen, erklärte die Badenova, die ihren Hut als Projektierer und Betreiber in den Ring geworfen hat. Das entspreche einer Versorgung von 40 000 Menschen und sei somit zirka 260 Prozent von der Bevölkerung in Oberndorf und Fluorn-Winzeln. Dafür sei das Stromnetz in der Gegend zu schlecht ausgebaut, argumentierte eine weitere Bürgerin.
Höhe aus wirtschaftlicher Sicht erforderlich
Sebastian Schüßler von der Badenova ging mit seiner Kollegin Regina Rollhäuser geduldig auf die sich teils wiederholenden Fragen ein. Dabei erklärte er, dass die Windkraftanlage in dieser Region eine solche Höhe bräuchten, da die Windhöffigkeit sonst für einen wirtschaftlichen Betrieb nicht ausreiche.
Industrie profitiert von grünem Strom
Auch die Industrie sei ein Faktor. Denn: Die 260 Prozent seien auf normale Haushalte berechnet. Wenn nun die Industrie ebenfalls auf grünen Strom umsteige, reduziere sich diese Zahl entsprechend, erklärt der Experte. Auch das Stromnetz stelle nach derzeitigen Prüfungen kein Problem dar. Lediglich ein Umspannwerk, das auch mit anderen Stromanbietern geteilt werden könne, müsste errichtet werden. Dieses würde nach jetzigen Planungen im Bereich der 110-kV-Freileitung entstehen.
Bedenken wegen Umwelt, Tiere und Gewässer
Unter anderem gab es aus den Zuschauerreihen Bedenken, dass die Umwelt, beispielsweise durch die Rodung, die Errichtung und den späteren Abbau, belastet werde und auch geschützte und heimische Tiere oder auch Gewässer unter den Anlagen leiden würde. Hierbei versicherten sowohl der Betreiber, als auch Hermann Kopp, erster Landesbeamter des Landratsamts Rottweil, dass solche Aspekte sorgfältig geprüft würden. Dabei halte man sich an die Vorgaben des Landes. Nur wenn gegen solch eine Vorgabe verstoßen werden würde, könne rechtlich dagegen vorgegangen werden. So zum Beispiel auch bei der von den Anwohnern befürchteten Lärmbelästigung.
Gegen Ende der Diskussionen meldete sich auch ein Windkraft-Befürworter zu Wort. Er erinnerte daran, dass wir mitten in einem Klimawandel stecken. „Wir können nicht die Augen davor verschließen. Wir haben eine Verantwortung vor den nachfolgenden Generationen.“ Neben Applaus erntete er aber auch Buh-Rufe aus den gefüllten Reihen der Festhalle.
Gibt es jetzt einen Bürgerentscheid?
Schlussworte
Bürgermeister Matthias Winter erklärte zum Schluss der Veranstaltung, dass der Gemeinderat bereits im April beschlossen hat in Verhandlungen mit der Badenova zu gehen. Teil dieses Beschlusses sei, dass Teile der Fraktionen bei den Verhandlungen mit involviert werden. Dieses Ergebnis werde dann transparent den Bürgern vorgestellt. Für einen Bürgerentscheid bestehe die Möglichkeit eines Bürgerbegehrens. Dieses könne von den Bürgern beantragt werden, wenn sieben Prozent der Wahlberechtigten dieses Vorhaben mit einer Unterschrift unterstützen. Nach einer Prüfung des Antrags durch den Gemeinderat könne dieser einen Bürgerentscheid einleiten.