Zwei Windkraftanlagen wurden im Gerechtigkeitswald bei Grömbach in Betrieb genommen. Foto: Stadler

Ab sofort kommt umweltfreundlicher Strom aus dem Gerechtigkeitswald in Grömbach. Beim offiziellen Start der neuen Windräder gibt es lobende Worte von Politik und EnBW.

Die Eröffnung des Windparks Grömbach setzt einen Meilenstein, mit dem die Schwarzwaldgemeinde in eine nachhaltige Zukunft aufbricht. Zahlreiche Gäste begrüßte Michael Soukup, Leiter Projektentwicklung Wind Onshore bei der EnBW, zum Start der beiden Windkraftanlagen.

 

Regierungspräsidentin Sylvia Felder betonte, dass Bau und Pilotprojekt „Windpark Grömbach“ abgeschlossen seien und nun der Regelbetrieb starte. Dem voraus gingen langjährige Verwaltungsprozesse, aber auch konzerninterne Prozesse. Auf Verwaltungsseite der Dreisatz „Antrag, Prüfung und Genehmigung“, bei der EnBW Konzeptentwicklung, Projektplanung, aber auch betriebswirtschaftliche und technische Prüfung bis zur unternehmerischen Entscheidung für Bau und Betrieb.

Die Botschaft für den Start lautete: „Die Anlagen sind sichtbare Zeichen der Energiewende.“ Seitens des Landratsamts Freudenstadt äußerte der Erste Landesbeamte Reinhard Geiser seine Freude über einen weiteren Schritt in Richtung Energiewende, der mit dem Start des Windparks Grömbach gegangen werde. Die Sorgen und Interessen der Gemeinden und Bürger in Bezug auf die großen Windenergieanlagen im Wald müssten ernst genommen, die Bürger mitgenommen und die Gemeinden an den Erlösen finanziell beteiligt werden, so Geiser. Die Bürger könnten sich finanziell am Windpark beteiligen.

Fledermäuse bekommen Kästen als Ausgleich

Bürgermeister Daniel Wolber sprach über den großen Aufwand und die vielen komplexen Herausforderungen, die dem Bau in den letzten Jahren vorausgingen, angefangen bei der ersten Ausweisung eines Vorranggebiets Wind, über Verhandlungen zu Vorträgen, das langjährige Genehmigungsverfahren bis hin zur konkreten Umsetzung. Dabei seien Fledermauskästen als Ausgleichsmaßnahme installiert und brachliegende Sturmflächen für eine klimaresiliente Aufforstung vorbereitet worden. Technisch herausfordernd seien die Schutzmaßnahmen für die unter dem Baustellenzufahrtsweg verlaufende Trinkwasserleitung gewesen. Wolber erinnerte an den Transport und Aufbau der Windkraftanlagen. Dieses historische Ereignis zog an den Wochenenden hunderte von Interessierten und Technikbegeisterten zur Baustelle im Grömbacher Staatswald.

Enthüllten die Windpark-Tafel: Regierungspräsidentin Sylvia Felder (von links), Bürgermeister Daniel Wolber, Michael Soukup (EnBW) und Reinhard Geiser, Erster Landesbeamter des Kreises. Foto: Stadler

Die beiden Windräder prägen seit Dezember das Landschaftsbild um Grömbach, sind weithin sichtbar und würden einen konkreten Beitrag zur Energiewende leisten, sichtbar, aber akustisch nicht störend, so Wolber. Und sie trügen „zur finanziellen Stabilität unserer Gemeinde durch Einnahmen aus Pachtzahlungen und der EEG-Umlage bei.“ Dieser Meilenstein bedeute für Grömbach einen Aufbruch in eine nachhaltige Zukunft.

Mit Regierungspräsidentin Felder, Reinhard Geiser und Michael Soukup enthüllte Wolber eine Tafel mit der Aufschrift „Windpark Grömbach“, deren Standort künftig an einem Wanderweg in Grömbach sein werde.

Die Grömbach-Windräder

Die Windräder
Die beiden Windkraftanlagen „Vestas V 136“ verfügen über je 3,6 Megawatt (MW) Leistung, gesamt 7,2 MW, mit einem jährlichen Stromertrag von 16 690 Megawatt-Stunden (MWh). Die jährlich durch Wind erzeugte Energie reiche für rund 4700 Haushalte und vermeide rund 13 700 Tonnen Kohlendioxid.

Die Maße
Die Gesamthöhe der Anlagen liegt bei 234 Metern, wobei die Nabe bei 166 Metern liegt und der Rotor 136 Meter Durchmesser misst.

Der Stillstand
Aus mehreren Gründen stehen Windräder auch mal still: Ist die Stromversorgung durch starke Schwankungen gefährdet, müssen Netzbetreiber eingreifen, Anlagen drosseln oder Reservekraftwerke zuschalten, um die Netzfrequenz stabil zu halten. Weitere Gründe für den Stillstand sind Wartungs- und Reparaturarbeiten. Automatisch werden moderne Windkraftanlagen bei Sturm gestoppt.

Das Überangebot
Bei einem Überangebot an Strom und dadurch fallenden Strompreisen drosseln die Netzanbieter die Leistung, damit sie nicht draufzahlen müssen. Grund: bei gleichbleibender Nachfrage würde diese Menge an günstig produziertem Strom aus Erneuerbaren Energien sich preisdämpfend auf den Strommarkt auswirken.

Die Sicherheit
Gesetzlich ist eine Überprüfung der mechanischen und elektrischen Komponenten alle sechs Monate vorgeschrieben. Die Standsicherheit der Windräder muss alle zwei bis vier Jahre geprüft werden. Michael Soukup von der EnBW sprach sogar von vierteljährlichen Intervallen für Wartung und Reparaturen. Je höher ein Windrad, desto aufwendiger die Logistik und der Zugang. In den Windkraftanlagen im Grömbacher Wald führt ein Aufzug bis zu zwei Servicekräfte in rund acht Minuten von der unteren Plattform nach oben. Bei konsequenter Wartung können Windkraftanlagen eine Laufzeit von 20 Jahren und länger erreichen, hieß es beim Vor-Ort-Termin.