Es ist richtig, dass die Politik die Verbreitung der Wegwerf-E-Zigarette unter Jugendlichen beobachtet, kommentiert Markus Grabitz.
Stuttgart - Der Killer ist nicht das Nikotin. Der Killer, der allein in Deutschland für 120 000 vorzeitige Tode jährlich verantwortlich ist, sind die krebserregenden Stoffe, die beim Verbrennen von Tabak und Papier in der Filterzigarette freigesetzt werden. Britische Wissenschaftler gehen davon aus, dass die E-Zigarette, bei der nicht Rauch, sondern meist nikotinhaltiger Dampf inhaliert wird, um 95 Prozent weniger schädlich ist als die klassische Filterzigarette. Nikotin ist ein Gift, aber in Maßen eingenommen nicht schädlicher als Koffein oder Alkohol. Daher empfehlen fortschrittliche Lungenärzte, Gefäßchirurgen und Suchtmediziner im Fall von fortgeschrittenen „Raucherkarrieren“, bei denen der Betroffene nicht mehr aufhören kann oder will, den Umstieg aufs Dampfen.
E-Zigarette ist Methadon der Raucher
Die E-Zigarette ist dem Nikotinsüchtigen so etwas wie das Methadon dem Heroinjunkie. Bisher hat diese Rollenverteilung in Deutschland funktioniert. Der Anteil der Jugendlichen unter den Dampfern ist gering. Tendenz bislang fallend.
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Nun muss genau beobachtet werden, ob mit der Ankunft der E-Zigarette zum Wegwerfen die Karten neu gemischt werden. Sollte sich herausstellen, dass das Einwegprodukt zum Dampfen besonders attraktiv für Jugendliche ist – sei es, weil es handlich, bunt oder einfach nur trendig ist –, muss gehandelt werden. Es ist daher gut, dass die Suchtpolitiker im Bundestag die E-Zigarette als Wegwerfprodukt bereits auf dem Radarschirm haben. Eine neue Einstiegsdroge für Jugendliche in den Nikotinmissbrauch kann niemand wollen.