Einen musikalischen Streifzug durch die 150-jährige Vereinsgeschichte präsentierte der Chor des Gesangvereins. Foto: Uwe Priestersbach 

Wenn der Effringer Gesangverein feiert, dann richtig: 2021 waren die Feierlichkeiten zum 150. Bestehen der "Eintracht" wegen Corona zwar ausgefallen. Mit einem ebenso kurzweiligen wie unterhaltsamen Jubiläumsabend in der Schönbronner Halle holten die Sängerinnen und Sänger jetzt ihren Vereinsgeburtstag nach.

Wildberg-Effringen - Im Mittelpunkt des Abends standen Chorvorträge, Grußworte und Ehrungen - aber Sängerchef Werner Dengler hatte in seine Rückschau auf die vergangenen 151 Jahre auch einige Anekdoten gepackt.

So erinnerte er an die Gründungsstatuten, in denen gleich in Paragraf 1 festgehalten war, dass der Verein zum Zweck hat, "an die Stelle gemeiner Gassen- und Zotenlieder anständige Volks- und Kirchenlieder in vierstimmigen Sätzen zu setzen". Wählbar zum Kassier waren zudem nur diejenigen Mitglieder, "welche im Besitz eines Vermögens stehen, an das sich der Verein im Notfall zu halten hätte".

Fahrbare Mosterei zur Aufbesserung der Finanzen

Um die Vereinsfinanzen aufzubessern, war man auch in früheren Zeiten schon erfinderisch. So wies Werner Dengler auf die Anschaffung einer fahrbaren Mosterei im Jahr 1899 hin, die im Ort verliehen wurde. Gefeiert wurde im Gesangverein auch schon immer gerne und bei vielen Gelegenheiten – und so hüllte sich der Schriftführer in seinen Protokollen öfter mal bewusst in Schweigen über die Heimkehr der Effringer Sänger. 1953 wurde schließlich der bereits bestehende Frauenchor in den Gesangverein eingegliedert, wobei im Jahr 1955 sage und schreibe 101 Sängerinnen und Sänger gezählt wurden, bei seinerzeit rund 800 Einwohnern in Effringen.

Gärtner: "Macht weiter so und bleibt kreativ

"Singen ist gesund und stärkt das Immunsystem", machte Bürgermeister-Stellvertreterin Margit Gärtner mit Blick auf eine Studie der AOK deutlich – gleichzeitig spreche der Gesang aber auch die Gefühle an. Bei dieser Gelegenheit erinnerte sie daran, dass der Gesangverein seit 1871 seinen kulturellen Beitrag in Effringen leiste und die Gemeinschaft im Ort fördere. Für Margit Gärtner ist es nicht selbstverständlich, dass ein Verein über 151 Jahre hinweg aktiv gehalten wird – und sie betonte: "Macht weiter so und bleibt kreativ."

Ortsvorsteher Uwe Traub wies darauf hin, dass die Gründung des traditionsreichen Gesangvereins in eine geschichtsträchtige Zeit mit der Entstehung des deutschen Nationalstaats fiel. Nach wie vor genieße die "Eintracht" große Bedeutung im Ort und "leistet unverzichtbare Beiträge für die Dorfgemeinschaft". Nicht unerwähnt ließ er seinen Respekt für Werner Dengler, der den Gesangverein bereits seit 32 Jahren als Vorsitzender führt – was mit einem kräftigen Applaus aus den Reihen der zahlreichen Zuhörer quittiert wurde.

Bereichernde Kooperationen

An die gute Zusammenarbeit des Effringer Gesangvereins mit dem Hermann-Hesse-Chorverband erinnerte dessen stellvertretender Vorsitzender Eberhard Schanz. Wie er in seinem Grußwort unterstrich, sind "150 Jahre gemeinsames Singen eine beachtliche Leistung". Auf die nicht alltägliche Kooperation zwischen Sportverein und Gesangverein machte der VfB-Vorsitzende Heiko Bihler aufmerksam. Denn seit 1978 steigt alle zwei Jahre das gemeinsame Fleckenfest- und ein fester kultureller Bestandteil in Effringen sind die Unterhaltungsabende mit dem gemeinsamen Theater-Ensemble "Die Schneggabühne". Den hohen Stellenwert der Gemeinschaft in Effringen hob Hartmut Diehl in seinen Glückwünschen namens der Kirchengemeinde hervor, während Tobias Gauß für die örtliche Volksbank einen Scheck zum Jubiläum überreichte.

Rückblicke in Interview-Form

In die Rolle des Interviewers schlüpfte Ortsvorsteher Uwe Traub, als neben dem aktuellen Chorleiter Paul Ehrmann mit dem früheren Effringer Schulleiter Heiner Schmidt sowie Christian Platschko und Mirjam Scheider auch drei seiner Vorgänger auf der Bühne standen – und sich gerne an die Zeit mit der "Eintracht" erinnerten.

Beim Jubiläumsabend in der Schönbronner Halle präsentierte der Chor unter der Leitung von Paul Ehrmann einen abwechslungsreichen Streifzug durch das gesangliche Repertoire der letzten Jahrzehnte. Und das reichte über weltliches oder sakrales Liedgut – bis hin zu Anleihen aus den vier "Effringen goes-Pop"-Konzerten. Weitere Mitwirkende auf der Bühne waren Elisabeth Mergenthaler (Gesang und Gitarre), Kristina Pfeffer (Klavier) und Sebastian Reppe als Solist, während Chorleiter Paul Ehrmann auch am Bass oder als Sänger zu gefallen wusste.

Ehrungen

(up). Der Jubiläumsabend des Effringer Gesangvereins bot den passenden Rahmen und langjährige und besonders engagierte Mitglieder auszuzeichnen. Eine nicht alltägliche Ehrung gab es dabei für Erika Ritz, die nicht nur bereits seit 60 Jahren aktiv im Chor mitsingt, sondern auch seit 37 Jahren zweite Vorsitzende des Gesangvereins ist. "Die Eintracht ist ihr zweites Leben", betonte Sänger-Chef Werner Dengler, dass Erika Ritz auch noch als Theaterspielerin der Effringer "Schneggabühne" aktiv ist.

Bei den "Sonderehrungen" für besonders engagierte Mitglieder zeichne der Vorsitzende Anni Meyer als langjährige Schriftführerin und Sängerin ebenso aus, wie Reinhold Geigle, der seit 45 Jahren zu den Aktivposten des Chores zählt – und der den Verein seit 41 Jahren als Ausschussmitglied unterstützt.

Ebenfalls geehrt wurden Christina Faiß, Elke May, Susanne Häusler, Olaf Häusler, Manfred Eitel, Susanne Stockinger, Margarethe Fuchs, Susanne Goldberg, Gabi Einsiedler, Carmen Stangenberg und Uwe Stangenberg, die seit zehn Jahren aktiv im Effringer Chor singen.