Einsteiger und Privatanleger In Gold investieren – aber wie?

Imelda Flaig
Um in Gold zu investieren, gibt es mehr Möglichkeiten als Münzen und Barren. Foto: KI/Midjourney/Montage: Ruckaberle

Münzen, Barren oder Zertifikate – Gold gilt als sicherer Hafen. Welche Risiken und Optionen Einsteiger und Privatanleger haben.

In politisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten verspricht Gold Stabilität. Doch wer in Gold investieren will, hat die Qual der Wahl: Münzen, Barren, lieber Zertifikate oder ETCs? Die Vor- und Nachteile sind je nach Anlageform unterschiedlich. Wichtige Fragen und Antworten.

 

Wird der Goldpreis weiter steigen?

„Der Ruf als sicherer Anlagehafen und Vermögensschutz“ sei entscheidender Treiber für den Goldpreis, sagt Frank Schallenberger, Rohstoffexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Spannungen im Nahen Osten und die erratische US-Handelspolitik – jedes Mal ging der Preis zu Anfang der Krisen nach oben. Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis um mehr als 50 Prozent gestiegen, hat neue Rekordmarken gerissen und im Oktober 2025 mit mehr als 4350 Dollar (rund 3760 Euro) je Feinunze (31,1 Gramm) ein neues Allzeithoch erreicht. Zuletzt allerdings legte Gold wieder eine Verschnaufpause ein.

Wie die Preisentwicklung weitergeht, dabei gehen die Meinungen auseinander. Schallenberger rechnet bis Ende 2026 mit rund 4600 Dollar, manche sehen den Preis gar über 5000 Dollar, andere rechnen mit deutlichen Korrekturen nach unten. Ob es nach oben oder unten gehe, hänge von vielen Faktoren ab, sagt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Uni Hohenheim. Der Preis sei gewaltig gestiegen, könne aber auch sehr schnell wieder runtergehen.

Wie sinnvoll ist es, in Gold zu investieren?

Um Risiken zu minimieren, sollte man bei der Geldanlage streuen und nicht alle Eier in einen Korb legen, Gold als Beimischung kann sinnvoll sein. Verbraucherschützer raten nicht mehr als fünf bis zehn Prozent des Vermögens in Gold anzulegen. Wer nur ein kleines Vermögen hat, bei dem können das beispielsweise Goldmünzen sein. „Mit Gold können Anlegerinnen und Anleger definitiv ruhiger schlafen“, sagt Schallenberger. Entscheidend sei, welches Ziel man mit der Anlage in Gold verfolge. „Das Edelmetall ist ein Produkt, mit dem man Strukturbrüche und Krisen übersteht“, sagt Finanzprofessor Burghof. In normalen Zeiten hat es dagegen eine negative Rendite, denn Gold wirft keine Zinsen oder Dividenden ab.

LBBW-Experte Frank Schallenberger Foto: LBBW

Ist physisches Gold besser als Gold-Zertifikate?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Man kann in physisches Gold, also Münzen und Barren, investieren, kann Goldminen-Aktien oder beispielsweise verbriefte Anlagen kaufen, die landläufig auch Papiergold genannt werden. „Das ist eine Frage der persönlichen Risikoeinstellung“, sagt Schallenberger. In der Finanzkrise 2008 habe sich gezeigt, dass man auch mit einem Goldzertifikat Geld verlieren könne, weil die Bank, die das Papier ausgegeben hat, pleitegegangen ist. „Das kann bei einer Goldmünze, die ich in Händen halte, nicht passieren.“ Im Notfall könne man sie als Fluchtwährung einstecken und eintauschen.

Welche Nachteile haben Münzen und Barren?

Wer Gold hält, muss mit Lagerkosten rechnen – beispielsweise für ein Bankschließfach. Münzen oder Barren zuhause zu stapeln, ist nicht gerade empfehlenswert. Ein richtig großer Goldbarren habe heute schon den Wert eine Halbhöhenlage in Stuttgart, sagt Finanzexperte Burghof. Ein weiterer Nachteil: Die Differenz zwischen An- und Verkauf ist relativ groß. „Wenn Sie eine Münze kaufen, bedeutet das, dass der Goldpreis erst einmal über fünf Prozent steigen muss, damit Sie bei dieser Spanne auf Null rauskommen“, sagt Schallenberger.

Beim Kauf von Münzen empfehlen Experten stark gehandelte Münzen mit einem hohen Anteil an Feingold wie Maple Leaf, Wiener Philharmoniker oder beispielsweise Krügerrand. Sie genießen weltweit Vertrauen und sind leichter handelbar – und steuerbefreit im Gegensatz zu bestimmten Sammlermünzen. Allerdings: Münzen sind im Verhältnis zu Barren wegen der Prägeaufschläge etwas teurer. Goldbarren gibt es für kleinere Budgets ab ein Gramm Gewicht, auch mit zwei oder fünf Gramm. Für solche Minibarren wird meist ein hoher Aufschlag im Vergleich zum Goldpreis an der Börse fällig, was auch die für Anleger erzielbare Rendite erheblich schmälert.

Was sind Gold-ETCs?

Das Kürzel steht für Exchange Traded Commodity, also für einen börsengehandelten Rohstoff. Gold-ETCs können für Gold-Anleger eine Alternative sein, sagt Schallenberger. Der Wert der ETCs steigt, wenn der Goldpreis steigt, umgekehrt fällt deren Wert, wenn der Goldpreis sinkt. Bekannte Gold-ETCs, die auch an der Stuttgarter Börse gehandelt werden, sind Xetra-Gold und Euwax-Gold. Bei beiden ist physisches Gold hinterlegt - für jeden Anteilsschein ein Gramm Gold. Das heißt, das Gold lagert in Tresoren und jeder ETC-Inhaber kann sich seinen Anteil als Barren oder Münzen liefern lassen. Es gibt aber auch ETCs ohne Auslieferungsoption. Gewinne aus dem Verkauf von Euwax-Gold und Xetra-Gold – also Gold-ETCs, die eine Auslieferungsoption bieten, – sind nach zwölf Monaten Haltefrist steuerfrei. Da Euwax-Gold und Xetra-Gold in Euro notieren, der Goldpreis aber in Dollar gehandelt wird, sind beide ETCs auch vom Euro/Dollar-Wechselkurs abhängig.