Martin Buchwald überreicht Tiedje die passende Soße zu ihren Nudeln. Foto: Jana Heer

Anja Tiedje wurde offiziell in ihr Amt als Schulleitung der Neuweiler Waldschule eingesetzt. In den Reden ging es um einen Hauptgewinn, Nudeln und den Film „Der Herr der Ringe“.

„Heute ist ein guter Tag für die Waldschule“, eröffnet Volker Traub, Leitender Schulamtsdirektor des Staatlichen Schulamts Pforzheim, den offiziellen Teil der Einsetzungsfeier der neuen Schulleiterin Anja Tiedje.

 

Seit mehreren Jahren ist die Schule ohne Leitung gewesen. Vorgänger Wolfgang Rapp, der bei der Einsetzung anwesend war, ist bereits im August 2021 offiziell vom Gemeinderat verabschiedet worden.

Eine rege Brieffreundschaft

Auch Traub erinnert an diese nicht ganz einfache Zeit – und an die Freude, als er im September 2024 eine E-Mail von der nun eingesetzten Tiedje erhalten hat. Der Schulamtsdirektor berichtet, wie Tiedje damals schrieb, dass die Stelle an der Neuweiler Waldschule für sie eine „Win-Win-Situation“ wäre. Für ihn selbst sei es allerdings „eine Hauptgewinnsituation“ gewesen. Doch nur mit gegenseitiger Interessenbekundung war es nicht getan. Es standen noch etliche Gespräche auf allen Ebenen an und natürlich musste die Verwaltung miteingebunden werden. „Jeder will da mitreden“, weiß Traub aus Erfahrung. Dadurch entstand zwischen den beiden eine „rege Brieffreundschaft“, so der Schulamtsdirektor mit einem Schmunzeln – denn per E-Mail wurde immer wieder der aktuelle Stand ausgetauscht.

Ursprünglich geplant war dann eine Amtseinsetzung im März. Seit dem 10. April dieses Jahres – ein wenig später als angedacht – wurde Tiedje dann an die Waldschule versetzt. Traub sei von da an klar gewesen: „Die lassen sie (gemeint ist Tiedje, Anm. d. Red.) nicht mehr raus“.

Zwei Jahrzehnte Erfahrung

Tiedje kommt nicht unerfahren in ihr Amt. Die gebürtige Hannoveranerin kam über Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg. Seit 2005 war sie dann 20 Jahre als Lehrerin in Jettingen tätig. Zehn Jahre davon war sie gemeinsam mit Sonja Grimm Teil der Schulleitung an der Decker-Hauff-Schule. Tiedje selbst erzählt, dass das Pilotprojekt wichtig war. Sonst wäre sie wahrscheinlich nie Schulleitung geworden.

Nun sei es aber Zeit für einen neuen Schritt gewesen. Ihre beiden Kinder sind inzwischen erwachsen und Tiedje suchte nach einer neuen Aufgabe, einem neuen Ort und einer neuen Gemeinschaft. Auch die Neuweiler Waldschule hat jemanden gesucht, der Verantwortung übernimmt und gestaltet. Tiedje berichtet, das es in einem ihrer ersten Gespräche mit der Schule hieß, man suche jemanden, „der sein Herz mitbringt und es hier lässt“. Die neue Schulleiterin zeigt sich überzeugt, dass, wenn man sein Herz einbringt und an das glaubt, das man tut, Großes entstehen kann. Der Tag ihrer Einsetzung sei für Tiedje ein Tag voller Aufregung, Freude und vor allem einem Neubeginn nach 20 Jahren in ihrer alten Schule.

In ihrer Ansprache dankt Tiedje allen, die gekommen sind. Foto: Jana Heer

Die bereits gesammelte Erfahrung wird der neuen Schulleitung auch in mehreren Reden zu Gute gehalten.

Eine Reihe an Metaphern

Bürgermeister Martin Buchwald spricht auch einige Worte in die Runde. Rapp habe große Fußstapfen hinterlassen. Nichtsdestotrotz zeigt er sich überzeugt, dass Tiedje diese ausfüllen und weiterführen kann.

Mit Blick auf die lange Zeit ohne Schulleitung kann er sagen: „Die Zeit des Wartens ist vorbei“. Es sei ein fast historischer Moment. Buchwald freut sich umso mehr über die neue Schulleitung, da es „nicht mehr leicht ist, Menschen zu motivieren, Verantwortung zu übernehmen“.

Die Schulgemeinschaft als Baum

Oliver Nowack, Stellvertretender Vorsitzender des örtlichen Personalrats Pforzheim, vergleicht die Schulgemeinschaft mit einem Baum, der nach einer Ruhephase – gemeint ist die Zeit ohne Rektor – wieder wachsen kann. Dabei vergleicht er Tiedje mit einem Gärtner, der auf die Wachstumsrichtung und Form des Baumes achtet, Triebe stutz und wieder andere Äste stützt.

Zauberer kommt nie zu spät

Eine weitere, etwas andere Metapher, bringt Schulleiter Dominik Bernhart als Schulleitervertretung ein. Er steigt mit einem Zitat aus der Romantrilogie mit gleichnamigen Filmen „Der Herr der Ringe“ ein. Dort sagt Gandalf, ein weißbärtiger Zauberer, als er beschuldigt wird, zu spät zu einer Geburtstagsfeier zu kommen: „Ein Zauberer kommt nie zu spät, [...]. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wann er es beabsichtigt.“ In diesem Fall eher, wenn die Regierungspräsidien soweit sind, korrigiert Bernhart. Nichtsdestotrotz betont er, dass sich alle über Tiedjes Ankunft in der Schule freuen – genau wie sich die Auenlandbewohner aus „Herr der Ringe“ über die Ankunft Gandalfs freuen.

Geschenke mit Witz

Sein Präsent passt ebenfalls zu seiner Rede. Von Bernhart erhielt Tiedje eine Gandalf-Quietscheente. Diese habe verschiedene Gründe. Zum einen könne sie die Ente als Erinnerung an ein „ungewöhnliches Schulleitungsvorbild“ in ihr Büro stellen. Zum anderen könne sie die Ente aber auch bei Stress, ähnlich wie einen Stressball, kneten.

Noch weitere Geschenke wurden der neuen Schulleiterin mit auf den Weg gegeben. Traub führt zu seinem Geschenk – Nudeln – aus, dass diese manchmal ein bisschen wie die Schulleitung sind. Zunächst habe man ein „hartes Nudelnest“ – unsortiert und nicht genießbar. Man muss es also kochen. An Tiedje gerichtet sagt er, sie kochen und machen aus den „Nudeln“ das, was Neuweiler braucht. Vom Bürgermeister erhielt Tiedje passend dazu eine Soße, Schinken und ein Brettchen.